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Künstliche Kerzen spalten die Räbeliechtli-Gemeinde

Wetterfest, brandsicher, praktisch: Viele Herrliberger bestücken die Laternen ihrer Kinder neuerdings mit elektrischen LED-Lichtern. Das löst andernorts Kopfschütteln aus.

Von Regine Imholz Dieses Szenario ist vielen Müttern und Vätern allzu bekannt: Kinder marschieren mit ihren Räbeliechtli durch nächtliche Gassen, doch Wind und Regen machen den Flämmchen der Kerzen immer wieder den Garaus. Die Folgen sind unermüdliches Hantieren mit Feuerzeugen und Streichhölzern und zunehmende Verzweiflung bei den Kleinen. Um solches zu verhindern, wird bei Räbeliechtliumzügen vermehrt in die Trickkiste gegriffen. Mit LED-Kerzen werden die unberechenbaren Kapriolen der Natur kurzerhand ausgehebelt. Herrliberg führt seinen Umzug bereits zum dritten Mal mit solchen elektronischen Lichtern durch (siehe Artikel unten). Der Vorstand des dortigen Familienzentrums lancierte die Hightech-Räben aus praktischen Überlegungen: LED-Lichter sind nicht nur wind- und regenresistent, sie tropfen auch nicht und verkleben die Handschuhe der Kleinen nicht mit Wachs. «Die Idee wurde von vielen Müttern dankbar aufgenommen», sagt Birgit Tognella, die Leiterin des Familienzentrums. Sie schätzt, dass jeweils rund die Hälfte der 200 Kinder am Herrliberger Umzug mit einer LED-Kerze unterwegs sind. Am grössten Umzug ein Tabu Tognella selbst zählt sich allerdings zu den Traditionalisten, die nach wie vor zahlreich sind. «Für mich als Mutter gehört es dazu, dass ich x-mal die Kerzen neu anzünden muss», sagt sie. Andere erklären die Wachskerze sogar zum Obligatorium: Wenn in Richterswil am 12. November der grösste Räbenumzug der Welt über die Bühne geht, wird keines der 50 000 Lichter elektrisch sein. «Kerzen kann man nicht ersetzen», sagt Daniel Wohlwend, Chef der Richterswiler Räbechilbi. Der Einsatz von LED-Lichtern ist für ihn unvorstellbar. Es seien schliesslich nicht nur der warme Schein und das geheimnisvolle Flackern, die an der Räbechilbi für eine unverwechselbare Atmosphäre sorgten. Durch die Flämmchen würden die Räben auch ein bisschen angeschmort, weshalb sie einen einzigartigen Duft verbreiteten. «Und genau dieser Duft gehört zum Zauber des Anlasses», sagt Wohlwend. Kaum Unfälle mit Kerzen Mit schlechtem Wetter wissen die Richterswiler umzugehen. Die erleuchteten Bilder, die durch die Strassen getragen werden, sind mit einem Plastikdach versehen. Zudem könne ein gutes Sujet auch ein paar verlöschte Kerzen vertragen, sagt Wohlwend. Und wenn der Regen die Räben mit Wasser fülle, bleibe man halt ein paar Minuten stehen, kippe das Wasser aus und zünde die Kerzen neu an. So lernten die Kinder, ihrer Räbe Sorge zu tragen und mit Feuer umzugehen. Einen Unfall hat es in Richterswil in all den Jahren nur einmal gegeben: Vor rund 20 Jahren ging ein Bild in Flammen auf &endash ein Brand, der aber ohne Folgen blieb. Auch in Zumikon halten die Veranstalter des Räbeliechtliumzugs nichts vom falschen Schein der LED-Lichter. Dass man die Kerzen bei schlechtem Wetter immer mal wieder neu anzünden müsse, gehöre zum Umzug, sagt Doris Schäfer, Sekretariatsleiterin des Freizeitzentrums. Und dass sich Kinder verbrennen könnten, sei sehr unwahrscheinlich. «Man hält die Räben ja nicht in der Hand, sondern trägt sie wie Lampions vor sich her.» «Eine seltsame Vorstellung» Die Hombrechtiker Cevi-Leiterin Linda Baumann schnitzt im Herbst jeweils mit etwa 20 Kindern die Räben für den Umzug. Von LED-Kerzen hat sie noch nie etwas gehört. In die Laternen kommen bei ihr echte Kerzen. «Alles andere finde ich eine seltsame Vorstellung», sagt sie. Friedliche Koexistenz am Herrliberger Umzug: Sandro Willimann hat ein LED-Lämpchen in seiner Räbe, während in jener von Nina Bürge eine Kerze brennt. Foto: Sabine Rock

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