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Kunst aus einer Familie

Karin Eberhart stellt gemeinsam mit ihren beiden Söhnen Simon und Andri im Atelier 14 in Rüschlikon aus.

Von Céline Häuslein Rüschlikon &endash Die Bilder im Atelier 14 an der Dorfstrasse in Rüschlikon haben auf den ersten Blick nichts gemeinsam. Eine Verbindung gibt es aber: Die Künstler stammen alle aus einer Familie. Mutter Karin Eberhart und ihre Söhne Simon und Andri stellen zum ersten Mal gemeinsam ihre Kunst aus. Die Bilder sind allerdings völlig verschieden, denn jeder in der Familie hat eigene Maltechniken. Karin Eberhart, die zwischen Berlin und der Schweiz pendelt, bevorzugt Gouachefarben und malt immer auf dem gleichen Format: 50 auf 70 Zentimeter. «Ich male lieber weniger im Bild, damit sich der Betrachter seine eigenen Gedanken machen kann», sagt die 63-Jährige. Manchmal gehe sie mit einer Idee ans Werk, und teilweise entstehen sie erst vor dem leeren Blatt. «Meine Inspiration nehme ich aus meinem Inneren.» Dies spiegeln auch ihre Bilder, die Motive sind im Alltag wiederzufinden, und je nach Stimmung wechseln die Farben. Karin Eberhart wollte schon immer malen: «Als ich klein war, hatte ich den Traum, ein Märchenbuch zu schreiben und zu zeichnen, ich hatte es schon fast fertig. Doch als meine Eltern umzogen, haben sie alles weggeworfen.» Danach hörte sie auf zu zeichnen, erst ihr Mann brachte sie wieder zu ihrer ursprünglichen Leidenschaft zurück. Eberhart machte eine Ausbildung in Ausdrucksmalen. Danach malte sie mit ihrem Mann und den drei Söhnen einmal in der Woche gemeinsam. Sohn Simon sagt: «Beim Ausdrucksmalen haben wir viel gelernt. Es war etwas Therapeutisches dabei, und es war schön, gemeinsam zu malen.» Söhne sprayten Graffiti Der kreative Werdegang der beiden Söhne änderte sich in ihrer Jugend. Sie schlichen um die Häuser und sprayten Graffiti. «Ich wusste zu dieser Zeit nicht, dass sie unterwegs waren», sagt die Mutter. Doch sie sei froh darum, denn sonst hätte sie sich schreckliche Sorgen gemacht. Die beiden Jungs sprayten ohne Skizzen. «Bei Graffiti muss alles schnell gehen, da wird nicht lange überlegt, sondern einfach gesprayt», sagt Andri, der Jüngere der beiden. Sein älterer Bruder wollte ihn anfangs davor bewahren: «Ich wollte vor allem unseren Eltern zuliebe verhindern, dass mein jüngerer Bruder auch zu sprayen beginnt, ich dachte mir, einer ist ja wohl schon genug.» Nach dieser nervenaufreibenden künstlerischen Phase sind die beiden ruhiger geworden und malen nur noch im legalen Bereich: in ihrem Atelier oder bei Aufträgen. Bei Simon Eberharts drückt in seinen heutigen Bildern der Graffiti-Stil durch, in den Bildern sind Schriftzüge zu sehen. Er malt grossflächig und mit satten Farben. Für diese Ausstellung grundierte der 33-Jährige seine Bilder zuerst schwarz. Aber grundsätzlich probiere er immer wieder neue Techniken aus. Durch seine frühe Begegnung mit der Kunst konnte er viel aufnehmen und hat sich über die Jahre als Autodidakt weiterentwickelt. Andri Eberhart machte nach Kursen an der Kunstgewerbeschule und dem Vorkurs eine Lehre als Hochbauzeichner. Nach einem Praktikum und einer Anstellung als Grafiker arbeitet er als freischaffender Grafikdesigner, Illustrator und Künstler. Der 29-Jährige befasst sich künstlerisch mit Themen, die ihn beschäftigen: «Es ist für mich wie ein Ventil, um Dampf abzulassen.» Seine Bilder seien gesellschaftskritisch. Er arbeitet vor allem mit Tusche und Marker. Und achtet dabei sehr auf die Details, hebt diese aber durch darüberlaufende Farben wieder auf. Ein gemeinsames Bild Für die Ausstellung malen die beiden wie früher an einem gemeinsamen Bild. Der erste Raum ist für die Vernissage schon eingerichtet, den zweiten müssen sie noch in Angriff nehmen. Die Familie zieht dabei an einem Strang. Der Mutter ist der Stolz auf ihre Söhne anzusehen. Und die beiden Söhne meinen: «In der Familie sind wir auf der gleichen Wellenlänge, und Mama ist eh cool.» Atelier 14, Dorfstrasse 14, Rüschlikon. Vernissage: Fr, 4. 11., 18 Uhr. Finissage: Fr, 11. 11., 17 Uhr. Öffnungszeiten: Sa, 5. 11., 15 bis 21 Uhr, So, 6. 11., 14 bis 18 Uhr, Do, 10. 11., 14 bis 18 Uhr. Karin Eberhart mit Andri und Simon (v. l.) haben den ersten Raum der Ausstellung eingerichtet. Foto: Manuela Matt

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