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Kunst im alten Warenhaus

Für zwei Wochenenden erwacht der Strauss in

«Was ist wo?» Das Plakat neben dem roten Lift informiert noch immer, als ob gar nichts passiert wäre. Spielwaren, so erfährt man hier, seien im dritten Stock zu finden, die Damen- und die Herrenkonfektion in den zwei Etagen darunter, die Bijouterie und die Parfümerie im Parterre. Wer Haushalts- und Bettwaren suche, werde im Gebäude über die Gasse bedient, und für Sportartikel suche man bitte das Eckhaus ein paar Meter weiter auf. So kompliziert war es damals, als das Kaufhaus Strauss in der Burgdorfer Oberstadt noch florierte – aber eben, vor einem guten Jahr hat das Warenhaus seine Tore definitiv dichtgemacht. Seither stehen die drei einst von Manor, wie das Geschäft in seinen letzten Jahren hiess, belegten Gebäude leer. Auch jenes an der Schmiedengasse 21 mit dem ominösen Plakat am roten Lift. Bislang Musik und Theater Allerdings nicht mehr für lange, und das hat nicht nur damit zu tun, dass an dieser Adresse seit Frühling die einheimischen Architekten Kaufmann&Arm als Eigentümer auftreten. Denn am übernächsten Donnerstag erwacht das Haus vorübergehend zu neuem Leben: Für zwei Wochenenden stellt hier die Stadt 27 Kunstschaffenden aus Burgdorf und dem Emmental unter dem Namen «Kunst im Strauss» eine Plattform zur Verfügung, auf der sie sich und ihre Werke präsentieren können. Der Anlass sei eine Premiere, führte Anne Jäggi gestern vor den Medien aus. Die städtische Kulturbeauftragte sprach davon, dass Burgdorf traditionellerweise vor allem aus den Bereichen Musik und Theater Gesuche um Beiträge erhalte. Damit fliesse ein Grossteil dieser Unterstützung auch in die darstellenden Künste. Die bildende Kunst gerate da nur allzu rasch ins Hintertreffen, zumal die Stadt aus finanziellen Gründen auch nur etwa alle zwei Jahre ein Werk anschaffen könne – «diesem Manko wollen wir mit der Ausstellung etwas entgegenstellen». Ein Vertreter aus Langnau Mit Erfolg. Über 60 Kunstschaffende meldeten ihr Interesse am Projekt an, das die Stadt rund 20000 Franken kosten wird. Aus ihnen hat eine sechsköpfige Jury nun die 27 Ausstellenden bestimmt – bewusst wies Jäggi dabei auf die Besetzung dieses Gremiums hin. Neben Leuten aus Burgdorf und einer auswärtigen Expertin arbeitete hier auch ein Vertreter der Langnauer Kulturkommission mit, als Zeichen für den regionalen Charakter der Ausstellung und das neu erwachte Zusammengehörigkeitsgefühl im Emmental. Die 27 Ausgewählten spiegeln nicht nur die ganze Region wider, sie vertreten auch beide Geschlechter sowie die verschiedenen Altersstufen. Ihre Werke decken ein breites Spektrum ab, Gemälde und Plastiken werden ebenso zu sehen sein wie Fotos oder Videoinstallationen. Einen ersten Eindruck dessen, was geboten wird, halten die Räume bereits bereit. Verantwortlich dafür sind zwei Künstler aus Linz, die schon im Sommer hier gearbeitet haben und nun mit dem Geschaffenen zur Ausstellung beitragen. Die Zeichnung aus Namen Gregor Graf hat im Estrich einen alten Lagerraum herausgerissen und diesen nun im ersten Stock als Installation neu aufgebaut. Kurt Lackner präsentiert sich auf einer weissen Wand mit einer Art Bleistiftzeichnung. Sie setzt sich aus unzähligen Künstlernamen zusammen, die er aus einem Magazin abgeschrieben hat. Genau darin bestehe eine der Chancen, die das ehemalige Warenhaus vor dem Umbau in ein neues Wohn- und Geschäftshaus biete, erklärte Jurymitglied Sabina Lang gestern. Die Kunstschaffenden könnten hier nicht nur ihre Werke aus dem Atelier zeigen, sondern auch ganz direkt in ihre Umgebung eingreifen, diese sichtbar verändern. Elektrokabel, alter Teppich Vor diesem Hintergrund stört sich niemand daran, wenn wie auf einer Baustelle hier ein Kabel von der Decke herunterhängt und da ein abgeschabter Spannteppichfetzen den Boden bedeckt. Genauso soll es sein: «Wir werden es bei der Reinigung der Räume bewenden lassen», so Lang.Stephan KünziOffen vom 15. bis 18. und 22. bis 25.Oktober, in den frühen Abendstunden. >

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