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«Landwirte müssen Kaution verlangen»

Kot auf den Wiesen gibt es nicht immer, böse Gerüchte aber schon: Nimmt ein Landwirt Fahrende auf, braucht er eine dicke Haut.

«Schande über Sie: Zigeunern einen Stellplatz zu bieten, ist wirklich erbärmlich!!! Hoffentlich rauben sie auch Sie aus und verscheissen Ihnen das ganze Land!» Diese anonyme Mail erhielt Jörg Gasser am Dienstag. Der ehemalige Landwirt beherbergt bei seinem Hof am Belper Jägerheimweg seit einer Woche eine Gruppe von Fahrenden mit sechs Wohnwagen (wir berichteten). Gasser rieb sich die Augen: «Mit solchen Reaktionen habe ich nicht gerechnet.» Im Dorf sei er offenbar zum Stammtischgespräch geworden. Von den Kritikern hat ihn keiner direkt angesprochen, das stört ihn. «Würde es nicht mehr tun» Mit der Gruppe von Fahrenden hat der Belper bisher gute Erfahrungen gemacht. Doch Gasser ist nicht naiv, er weiss, es hätte auch anders kommen können: «Ich hatte einfach Glück.» Er hat ihnen spontan für 300 Franken seine Wiese, Wasser und Strom für eine Woche zur Verfügung gestellt. Er habe täglich Kontakt zu den Fahrenden, es gebe interessante Gespräche in seiner Stube. Mit Abfällen und Fäkalien hatte Gasser bisher nicht zu kämpfen. Heute Samstag wird sich zeigen, ob der Besuch ein Happy End hat. Denn die Frist für die Abreise läuft ab. Ebenfalls angeschwärzt wurde Landwirt Thomas Rutsch in Dieterswil. Er beherbergt seit Sonntag eine dreimal grössere Gruppe als Jörg Gasser (wir berichteten). Dass die Fahrenden zuerst ihren Abfall herumliegen liessen und die Wiese nach wie vor als Freiluftklo benützen, bescherte Rutsch schlaflose Nächte. Doch am Donnerstag liessen die Fahrenden den Abfall entsorgen. 350 Franken haben sie für die Woche bezahlt, sagen sie. Obschon er wieder ruhig schlafen kann,sagt Rutsch:«Ein zweites Mal würde ich nicht mehr Ja sagen.» Dies vor allem wegen der negativen Reaktion der Leute im Dorf. Er hofft nun, dass die Gäste mit ihren 20 Wohnwagen morgen wie vereinbart weiterreisen. Fäkalien im Maisfeld Viele Berner Landwirte kennen die Situation von Jörg Gasser und Thomas Rutsch. Manche von ihnen wenden sich an den Rechtsdienst der Lobag (Landwirtschaftliche Organisation Bern und angrenzende Gebiete). «Die Problematik ist immer sehr ähnlich», sagt Donat Schneider, Lobag-Geschäftsführer. Wenn er Pech hat, hat der Landwirt nach der Abreise Schäden, für die niemand aufkommt: Landschaden durch Fahrzeuge, Abfalldepots, verkotete Wiesen. Schneider kennt einen extremen Fall, zu dem er wegen eines laufenden Verfahrens keine näheren Angaben macht. Die Fahrenden haben jenem Landwirt einen tadellosen Platz hinterlassen. Aber: Als der Bauer einen Monat später sein Maisfeld mähte, fand er dort grosse Haufen mit Fäkalien und Abfällen. Die Gäste hatten ihre mobilen Toiletten unbeobachtet entsorgt. Schneider rät den Bauern: «Auf jeden Fall am Anfang eine Kaution vereinbaren.» 300 Franken für eine Woche findet er «eher zu wenig». Katharina Merkle >

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