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Laut Gericht fehlen die Beweise für einen brutalen Angriff

Ein Security-Mitarbeiter soll 2007 am Bülacher Pubfestival einem Besucher mehrere Zähne ausgeschlagen haben. Gestern wurde er vom Bezirksgericht Bülach freigesprochen.

Bülach. - War es der wuchtige Fusstritt eines brutalen Angreifers oder ein selbst verschuldeter Sturz unter Alkoholeinfluss? Das Bezirkgericht Bülach hatte gestern über einen Fall zu urteilen, der sich im April 2007 am Bülacher Bar- und Pubfestival ereignete. Für einen jungen Mann aus dem Zürcher Unterland, Anfang 20, endete das feuchtfröhliche Fest mit bleibenden Zahnschäden. Kurz vor drei Uhr lag er vor dem Eingang und blutete aus dem Mund. Laut Staatsanwältin soll ein Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma den Kopf des Geschädigten «wie einen Fussball» getreten haben, als dieser bereits wehrlos am Boden lag. Das grenze an versuchte schwere Körperverletzung. Die Tat sei zumindest als vorsätzliche einfache Körperverletzung zu beurteilen und mit 21 Monaten Gefängnis zu bestrafen.

In der Befragung durch den Gerichtspräsidenten Olivier Bertschy war zu erfahren, dass der Angeklagte wegen mehrfachen bewaffneten Raubes mehrere Jahre im Gefängnis sass. Vor den Schranken des Gerichts stand ein Mann Anfang 30, der an Silvester Stallone erinnerte. Klein gewachsen, den Kopf komplett rasiert bis auf dünne Koteletten und Bart, dazu trug er eine schwarze Stretchhose und klobige Halbschuhe. Unter dem engen weissen Leibchen spannten sich eindrückliche Muskelpakete, die Arme waren tätowiert.

Sicherheitsfirma der Hells Angels

Wegen einer psychischen Erkrankung sei er heute zu 100 Prozent arbeitsunfähig. Einzige Beschäftigung sei der Kraftsport, so der IV-Rentner. Und er verbringe die meiste Zeit mit seiner kleinen Tochter und der arbeitslosen Lebensgefährtin in der gemeinsamen Wohnung. «Ich vermeide es, aus dem Haus zu gehen», sagte er.

Nur «vage» könne er sich an die fragliche Nacht im April 2007 erinnern. Er sei für den Eingangsbereich zuständig gewesen. Eine Arbeit, die er auch schon früher unentgeltlich gemacht habe. Das sei so üblich bei der Red & White Security, die mit 18 Mitarbeitern vor Ort war. Tatsächlich gehörte die Sicherheitsfirma den Hells Angels, der Name stammt von den Klubfarben der berüchtigten Rockergang.

Er könne sich die ausgeschlagenen Zähne nicht erklären, sagte der Angeklagte. Das Opfer müsse unglücklich auf den Sockel eines Absperrgitters gestürzt sein. Der junge Mann und seine Begleiterin seien sturzbetrunken gewesen. «Sie konnten sich kaum auf den Beinen halten.» Dass es vorgängig im Halleninnern zu verbalen Auseinandersetzungen mit anderen Security-Mitarbeitern gekommen sei, habe er nicht mitbekommen, sagte der Angeklagte. Ihm sei lediglich mitgeteilt worden, dass die beiden das Festivalgelände nicht mehr betreten dürften.

Der Pflichtverteidiger liess in seinem Plädoyer kein gutes Haar an der Arbeit der Staatsanwaltschaft und der Polizei. So seien Zeugen zu wenig genau vernommen und vom Ort des Geschehens gebe es keine aussagekräftigen Fotos.

Dem folgte das Gericht und sprach den Angeklagten aus Mangel an Beweisen frei. Er erhält eine Umtriebsentschädigung von 600 Franken. Abgelehnt sind auch die zivilrechtlichen Ansprüche des Opfers von knapp 4000 Franken. Die Zahnbehandlungskosten hatte die Suva bezahlt.

Ob die Staatsanwaltschaft das Urteil vor Obergericht anfechten wird, ist offen.

Der Organisator des Bar- und Pubfestivals erklärt, dass er schon länger nicht mehr mit der Sicherheitsfirma der Hells Angels zusammenarbeite. Seit 2008 gelte für den Anlass das Eintrittsalter 18.

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