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Leere Wälder, leere Pfannen

eil es in den Wäldern rund um Bern viel zu

dieu Eierschwämme, bye bye Pilzragout. Die diesjährige Schwümmeler-Saison ist «katastrophal». Harry Beyeler sagt das. Er war 30 Jahre lang Pilzkontrolleur in Zollikofen und hat diese Aufgabe im vergangenen Sommer abgegeben. Beyeler nennt Zahlen: In den letzten Jahren hat seine Kontrollstelle im Schnitt pro Saison jeweils rund 200 Kilos überprüft. Jetzt, 2009, hatten die Zollikofer Experten bisher praktisch nichts zu tun. Region Bern leidet mehr Harry Beyelers Kollegen und Kolleginnen bestätigen den traurigen Befund. Die Wälder rund um Bern sind leer. Kontrolleur Adolf Nyffenegger aus Belp: «miserabel», Kontrolleurin Monika Christen aus Bremgarten: «dramatisch». Und Yngvar Cramer aus Muri: «sehr viel weniger als sonst». Den Pilzen geht es schlecht, während wir Menschen uns über einen schönen Spätsommer und prächtigen Frühherbst freuen. Es hat in den letzten Wochen zu wenig geregnet, der Waldboden ist zu trocken. Der goldene Herbst leuchtet zwar auch anderswo. Doch in der Region Bern hemmt die Trockenheit das Gedeihen der Pilze besonders stark. Viele Wälder liegen auf durchlässigem Moränengrund. Hier fliesst das Wasser schneller ab als etwa im Berner Oberland, wo der Lehmboden die Feuchtigkeit zurückbehält. Der Moränengrund ist dieses Jahr der Feind, sonst aber ist er der Freund der Pilze und Pilzler. Auf solchen Böden ist die Artenvielfalt im Wald überdurchschnittlich gross. Diese Biodiversität bedeutet, dass besonders viele Pilzsorten gedeihen. Die Region Bern sei für Schwümmeler ergiebig, sagt Monika Christen. Die Bremgartner Kontrolleurin erteilt an der Migros-Klubschule Kurse und lobt dort die hiesigen Wälder. «Sie geben was her, sind aber anspruchsvoll», sagt sie. «Wer mit einem vollen Korb heimkehren will, muss mehr Sorten kennen als anderswo.» Verschwiegene Pilzler Pilzler vertrauen Fremden eher die Kreditkarten-Nummer an, als dass sie Fundorte verraten. Monika Christen macht eine klitzekleine Ausnahme: Oft finde man in der Nähe der Wege mehr als mitten im Wald. «Weil viele Leute meinen, dass hier schon eh alles leer sei», sagt sie. Auch für die nächsten Tage sagen die Meteorologen keinen Regen voraus. Irgendwann wird es aber wieder schütten. Um wenigstens die späten Sorten zu retten, sind zwei bis drei wirklich nasse Tage nötig. Würde dies geschehen, wäre die Bremgartner Kontrolleurin Monika Christen für Oktober und November gedämpft optimistisch: «Das könnte die Totentrompete, den durchbohrten Leistling und den nackten Röttelritterling retten.» Peter Steiger Pilzkontrollen: www.vapko.ch>

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