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Männer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

Der Tod einer Frau wegen eines Stromschlags wäre vermeidbar gewesen. Das Bezirksgericht Dielsdorf sprach gestern zwei Baufachleute schuldig.

Von Markus Rohr Dielsdorf – Beim Umbau eines Mehrfamilienhauses an der Gumpenwiesenstrasse in Dielsdorf war im Juli 2004 eine damals knapp 69-jährige Hausbewohnerin durch einen Stromschlag tödlich verletzt worden. Sie wollte bei ihrem Gartensitzplatz ein Drahtgitter von der eisernen Gussabdeckung des Lichtschachtes nehmen. Die Abdeckung war unter Strom geraten, weil das provisorische Stromversorgungskabel verletzt worden war. Mutmasslich ist das bei der nachträglichen Montage eines Baugerüstes unbemerkt passiert. Die Staatsanwaltschaft erhob schliesslich Anklage gegen den Gerüstbauer und der Gerüstbaukontrolleur, aber auch den Filialleiter der Elektrofirma, den Elektrokontrolleur, den Bauführer und den Architekten (der TA berichtete). Gestern nun wurde der Filialleiter eines Unterländer Elektrofachgeschäfts vom Bezirksgericht Dielsdorf wegen fahrlässiger Tötung zu einer bedingten Geldstrafe von 22 500 Franken (90 Tagessätze à 250 Franken) verurteilt. Der zuständige Elektrokontrolleur wurde ebenfalls zu einer bedingten Geldstrafe von 25 200 Franken (120 Tagessätze à 210 Franken) verurteilt. Beide haben der Tochter der Getöteten zusammen eine Genugtuung von 20 000 Franken und eine Prozessentschädigung von 16 000 Franken zu bezahlen. Zudem müssen die Verurteilten je ein Sechstel der Gerichtsgebühr von 6300 Franken übernehmen. Höhere Geldstrafen «Ihr Verhalten wiegt nicht leicht», sagte die Gerichtsvorsitzende anlässlich der mündlichen Urteilsverkündung zu den beiden Männern. Der Unfall hätte bei mehr Sorgfalt vermieden werden können. Die Richterin bemängelte, dass ein falsches Kabel verwendet worden respektive dieses nicht gegen äussere Einflüsse besser geschützt worden war. Die ausgefällten Geldstrafen sind in beiden Fällen höher ausgefallen als von der Staatsanwaltschaft beantragt. Hingegen verzichtete das Gericht auf die beantragte Busse von je 1000 Franken. Vom Anklagepunkt der fahrlässigen Tötung freigesprochen wurden der Gerüstbauer, der Gerüstkontrolleur, der Bauführer und der Architekt des Umbaus. Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft kam das Gericht zum Schluss, ihnen könne keine Sorgfaltspflichtverletzung nachgewiesen werden. Drei der vier Freigesprochenen erhalten aus der Staatskasse eine Prozessentschädigung in der Höhe von 15 000 respektive 16 000 Franken. Der Bauführer erhält keine Prozessentschädigung, weil er sich ohne Anwalt selbst verteidigt hat. Ob die betroffenen Parteien die Urteile akzeptieren werden, ist offen.

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