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Merkel und Sarkozy raufen sich zusammen

Deutschland und Frankreich wollen die Querelen um die Euro-Rettung beilegen – und die Banken ins Gebet nehmen.

Von David Nauer, Berlin Liebe, auch Freundschaft sieht anders aus; nicht so ernst, nicht so sachlich und kühl. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy haben gestern in Berlin dennoch ein Signal ausgesandt: Einigkeit. Deutschland und Frankreich, die beiden grössten Staaten der Euro-Zone, wollen bei der Rettung der Gemeinschaftswährung künftig an einem Strick ziehen. Noch steht der Plan für das zweite Griechenland-Hilfspaket nicht in allen Einzelheiten. Die deutsche Kanzlerin und der französische Präsident einigten sich aber auf zentrale Eckpunkte. So sollen die privaten Gläubiger an den Bemühungen beteiligt werden. «Auf freiwilliger Basis», wie Merkel mehrmals betonte. Als Vorbild dient das sogenannte Wiener Modell, benannt nach einer einst in der österreichischen Hauptstadt beschlossenen Rettungsaktion für ost- und mitteleuropäische Staaten. Damals willigten zahlreiche Banken ein, auslaufende Staatsanleihen zu verlängern (siehe Box rechts). Gut austarierter Kompromiss Ein ähnliches Vorgehen könnte im Fall Griechenland französische und deutsche Interessen unter einen Hut bringen – als gut austarierten Kompromiss. Sarkozy war zunächst wenig angetan gewesen von der Idee, die privaten Gläubiger Athens zur Kasse zu bitten. Einer der Gründe: Französische Banken haben Milliarden investiert in Griechenland – es drohen schmerzhafte Verluste. Zudem befürchtet Sarkozy, eine Zwangsumschuldung könnte zu Schockwellen auf den Märkten führen, weil Anleger sämtliches Vertrauen in die Märkte verlieren. Merkel dagegen braucht ein Engagement der Banken, um das Paket durch den Bundestag zu bringen. In der Regierungskoalition gibt es zahlreiche Stimmen, die weitere Hilfen für Griechenland nur unter strengsten Bedingungen akzeptieren. Auch in Boulevard-Medien wird seit Monaten gegen die «Pleite-Griechen» Stimmung gemacht. Der deutsche Unwille, weitere Milliarden zu überweisen, hat zuletzt in Europa für Missstimmung gesorgt. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte sich mit Berlin an. Auch aus Paris kam Kritik. Die Querelen haben Rettungsmassnahmen immer wieder verzögert und an den Märkten nervöse Zuckungen ausgelöst. Damit soll jetzt Schluss sein. «Deutschland und Frankreich haben dieselben Positionen. Es gibt keine Zeit zu verlieren», betonte Sarkozy. Auch werde die Entscheidung eng mit der EZB abgestimmt. Merkel beteuerte ebenfalls, eine «schnelle Lösung» anzustreben. Schliesslich diskutiere man schon seit zwei Monaten immer wieder dieselben Fragen, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Das nun skizzierte Vorgehen soll weiter ausgearbeitet werden. Ab morgen Sonntag treffen sich die Euro-Finanzminister, am Donnerstag und Freitag tagt der Europäische Rat. Merkel und Sarkozy ist es immerhin gelungen, die nervösen Märkte fürs Erste zu beruhigen. In den Stunden nach dem Treffen von Berlin legte der Euro gegenüber Dollar und Yen leicht zu. Auch gegenüber dem Schweizer Franken machte die europäische Gemeinschaftswährung etwas Boden gut. Analysten erklärten, die Blicke richteten sich jetzt auf Griechenland. Sollten die griechische Regierung und die Bevölkerung die neuen Sparmassnahmen nicht akzeptieren, dann gebe es keinen anderen Weg, als dass Griechenland als Schuldner ausfalle. Dies hätte fatale Folgen für andere Euro-Staaten, die unter einer zu grossen Schuldenlast ächzen – etwa Portugal, Irland oder Spanien. Engagierte Wirtschaftsführer Angesichts der anhaltenden Unsicherheit haben mehrere Dutzend Wirtschaftsführer aus Deutschland und Frankreich beschlossen, sich für das Image des Euro einzusetzen. Geplant sind grossformatige Zeitungsanzeigen, die für die Einheitswährung und mehr Solidarität unter den Euro-Staaten werben, wie das «Handelsblatt» berichtete. «Ein Scheitern des Euro wäre ein fataler Rückschritt für Europa», heisst es in den Inseraten. Dank des Euro habe die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft deutlich zugenommen. Es wäre falsch, jetzt einzelne Länder aus der gemeinsamen Währung auszuschliessen oder die Euro-Zone in einen Süd- und einen Nordteil aufzuspalten. Hinter der Werbeaktion stecken die Chefs von zahlreichen namhaften Konzernen – darunter BMW, Daimler, Siemens und die deutsche Telekom. In Frankreich beteiligen sich die obersten Manager von Total, EADS, Renault und zahlreiche andere. Aus den Unternehmen verlautete, die Initiative für die Kampagne stamme von Angela Merkel persönlich. Im Kanzleramt wurde diese Information dementiert: Die Wirtschaftsbosse seien selber auf die Idee gekommen, hiess es. Wichtiger Fingerzeig für den Euro: Angela Merkel und Nicolas Sarkozy wollen eine schnelle Lösung für den Grossschuldner Griechenland. Foto: Michael Kappeler (Keystone)

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