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Mit Bräuchen durch das Jahr

Peter Ziegler hat während mehr als 50 Jahren das Brauchtum am Zürichsee im Wandel der Zeit studiert. Jetzt legt er eine Buchpublikation dazu vor.

Von Gabrielle Boller Gerade in unübersichtlichen Zeiten sehnen sich viele Menschen wieder nach alten Traditionen, die als unverrückbare Rituale immer ein Stück Halt vermitteln. So kennen noch manche Gemeinden den Brauch der Sternsinger: Am Dreikönigstag ziehen Kinder als Kaspar, Melchior und Balthasar verkleidet von Tür zu Tür und überbringen den Haussegen. Der beliebte Dreikönigskuchen ist übrigens schon aus dem Jahr 1311 bekannt. Die Zürcher Handwerker feierten den 6. Januar in ihren Trinkstuben mit einem Kuchen, in dem eine Bohne versteckt war – wer sie fand, durfte wie heute einen Tag lang König sein. 1945 wurde der zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der Schweiz verschwundene Brauch von einem Volkskundler wiederbelebt. Seither gibt es ihn wieder in allen Bäckereien, den Dreikönigskuchen, in dem heute natürlich keine Bohne, sondern ein kleiner Plastikkönig zu finden ist. Laut und leise Andere, besonders lokale Bräuche konnten sich praktisch immerwährend halten. Beispielsweise der Haageri-Brauch in Samstagern, bei dem junge Männer am Abend des 30. Dezember mit einem aus Karton gebastelten, an einer langen Stange befestigten Rosskopf durch die Gassen ziehen, um mit dem klappbaren Pferdekiefer, mit Kuhglockengeläute und Peitschenknallen die bösen Geister zu vertreiben und um milde Gaben zu betteln. Das Heischen und Lärmen ist Bestandteil vieler Bräuche – so etwa des Schulsilvesters, eines inzwischen domestizierten oder ausgestorbenen Zürcher Altjahresbrauchs. Schulklassen zogen dabei einst am 31. Dezember, später am letzten Schultag vor Weihnachten mit Gebrüll und Rasseln durch die Gegend. Doch natürlich gibt es auch ruhige Bräuche wie etwa die in vielen Gemeinden im November stattfindenden Räbeliechtli-Umzüge, von denen der grösste und bekannteste jeweils am zweiten Samstagabend im November in Richterswil durchgeführt wird. Viele Traditionen, wie die Viehschauen, stammen aus dem bäuerlichen Umfeld. Am Chrähaane tafelten und feierten die Winzer zum festlichen Abschluss der Weinlese, bis der Hahn in den frühen Morgenstunden krähte. Peter Ziegler führt in seiner Sammlung ausführlich die kleinen und grossen Bräuche rund um den Zürichsee auf und verfolgt ihre Entwicklung bis in die Gegenwart. Sogar die Street-Parade findet dabei Eingang in den Reigen des Brauchtums. Immerhin kann man da schon auf ein 20-jähriges Bestehen zurückblicken – und irgendwie folkloristisch mutet der Umzug auch an. Peter Ziegler: «Bräuche im Jahreslauf am Zürichsee». Th.-Gut-Verlag, Stäfa. 48 Fr.

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