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Mit dem Ausflugsschiff nach Lindau

Eine Schiffstour auf dem See, Künstler auf der Strasse und Sehenswürdigkeiten en masse. Das deutsche Lindau ist eine Touristenstadt.

Oberländer Gemeinden und ihre Namensvettern, Serie Teil 4 Von Sandro Zappella Lindau – Der Fahrtwind kühlt die hochsommerlichen Temperaturen etwas ab. «Wir verlassen jetzt den Hafen von Lindau», ertönt es aus den Lautsprechern auf dem Schiff. Ein Mann auf dem Schiff gönnt sich ein grosses, kaltes Weissbier. Als die Fahrt nach einer guten Stunde zu Ende ist, läuft das Schiff in den Hafen von Lindau ein. Rechts thront ein Löwe, links ein 33 Meter hoher Leuchtturm. Aber wie bitte? Ein Hafen, Touristen und gar ein Leuchtturm in Lindau? Ein Schild im Hafen löst auf: «Willkommen in Lindau, am Happy End von Deutschland». Der Namensvetter des Dorfes im Zürcher Oberland befindet sich am östlichen Ufer des Bodensees, im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben. Im zürcherischen Lindau gibt es jedoch statt des Bodensees ein Schwimmbad und statt Touristen einen Bademeister. Wer im 5000-Seelen-Dorf ans Wasser will, findet im Bassin seine Abkühlung. Statt eines 33 Meter hohen Leuchtturms erhebt sich hier nur ein Dreimeter-Sprungbrett in den Himmel. Es ist ruhig. Das Freibad ist nicht sonderlich stark bevölkert, das Beachvolleyballfeld leer. Zwei Buben vertreiben sich die Zeit beim Tischtennis. Die Holzbrücke, welche über das Schwimmbad führt, knarrt, als der Bademeister sie überquert. Mit dem Auto auf die Insel In Lindau am Bodensee wäre ein Knarren der Brücken ein schlechtes Zeichen. Gleich zwei davon verbinden die Lindauer Insel mit dem Festland. Im Sekundentakt fahren hier die Autos vorbei – und nicht nur sie: Auch Eisenbahnzüge müssen auf die 68 Hektaren grosse Insel hinüber, denn dort befindet sich der Lindauer Hauptbahnhof. Kaum aus dem Zug gestiegen, drücken einem dort dienstbare Geister eine Karte von der Insel in die Hand. Mit dicken, schwarzen Punkten sind darauf die Sehenswürdigkeiten gekennzeichnet. Pulverturm, Diebsturm, Peterskirche, das alte Ratshaus sowie der grosszügige Stadtgarten. Die Insel bietet einiges Sehenswertes. Das Epizentrum für Touristen ist aber der Hafen mit dem Mangturm, dem grossen Löwen und dem 1856 erbauten Leuchtturm. Vom Turm aus überblickt man die Dächer der Insel. In der Altstadt reihen sich Souvenirläden an Restaurants. Alles ist hier auf Touristenanstürme eingerichtet. Auf den Strassen stehen Künstler. Ein Zeichner versucht, ein Pärchen zu einem Porträt zu überreden. Diese lehnen dankend ab. Einige Meter weiter steht ein etwas älterer Mann mit Handorgel. «Irish Music» steht auf seinem Köfferchen, das sich zunehmend mit Münzen füllt. Die Strassen im schweizerischen Lindau wirken hingegen geradezu leer. Wer etwas Interessantes erleben oder lernen will, begibt sich auf den Kemptweg. Auf diesem Wanderweg wird Industriekultur präsentiert. Der Höhepunkt ist die in den Wanderweg integrierte Fabrikanlage von der aus Julius Maggis Produkte einst ihren Siegeszug rund um den Globus antraten. Heute produziert Givaudan dort allerlei feine Düfte und Aromen. Neben der Maggi-Fabrik kennt man Lindau vor allem durch die Landwirtschaftsschule Strickhof. Nicht am Rand des Kemptweges liegt der Strickhof – die Berufsfachschule des Kantons Zürich für die Bereiche Landwirtschaft, Ernährung, Natur und Gesundheit. Junge Landwirte und Landwirtinnen werden hier ausgebildet. Weg mag, kann auch rund um den Strickhof zu Fuss unterwegs sein: Im Jahr 2007 hat die Schule einen Naturlehrpfad angelegt. Er soll den Besuchern ein positives Bild der Landwirtschaft vermitteln. In Lindau am Bodensee ist alles etwas grösser. Es hat mit 25 000 Einwohnern fünfmal mehr als das Oberländer Dorf. Mit rund 33 Quadratkilometern ist es auch dreimal so gross. Trotzdem möchte der Lindauer Gemeindepräsident Fritz Jenzer nicht mit dem Bürgermeister von Lindau am Bodensee tauschen: «Ich bin so stark in Lindau verwurzelt, es gefällt mit hier sehr gut», schwärmt er. Ein bisschen eifersüchtig ist Fritz Jenzer lediglich auf den Bodensee: «Das Schwäbische Meer vor der Haustüre zu haben, wäre natürlich sehr verlockend», sagt er und fügt hinzu: «Dafür ist unser Lindau mit guter Infrastruktur erschlossen und liegt zwischen den grossen Zentren Zürich und Winterthur.» Ein ruhiges, kleines Dörfchen auf der einen, eine mit Touristen übersäte Kleinstadt auf der anderen Seite. Gemeinsam haben die beiden Ortschaften eigentlich nur den Namen. Das deutsche Lindau hat Anstoss an den Bodensee. Im hiesigen dominiert die Maggi-Fabrik. Foto: David Baer

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