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Mit Tofu aus Rüti auf Wachstumskurs

Um 20 Prozent steigert die Rütner Firma Noppa ihren Tofuabsatz jedes Jahr. Aus Platzmangel steht dem jungen Unternehmen bald der dritte Umzug bevor.

Von Stefan Krähenbühl Rüti – Tofu geniesst einen zweifelhaften Ruf. Da das Sojaprodukt vor allem bei Vegetariern beliebt ist, wird es oft spöttisch als Fleischersatz betitelt. Wer bei der gemütlichen Grillparty sein Tofuwürstchen neben brutzelnde Cervelats und Schweinswürste legt, riskiert nicht selten, belächelt zu werden. Es scheint, als sei der Sojakäse dazu verflucht, eine Existenz als Nischenprodukt zu fristen. Das will Jörg Helbling ändern. Der Rütner und seine Ehefrau Noppa betreiben am Rande des Industriequartiers Würzhalde in Rüti seit drei Jahren eine Tofufabrik. Eine Tofurei, wie es Kenner nennen. «Das Potenzial von Tofu ist gewaltig», ist Helbling überzeugt. «Noch bewegen wir uns zwar in einer Nische, aber das wird sich bald ändern.» Tatsächlich ist Tofu nicht mehr nur ein Verkaufsschlager in Reformläden und vegetarischen Restaurants. Lebensmittelriesen wie Coop und Migros haben das Naturprodukt längst für sich entdeckt und verkaufen mit jeder Packung Tofu ein Stück Lifestyle und Gesundheit mit. Auf die Trendwende hin zu einer stärker vegetarisch denkenden Gesellschaft scheint die Noppa AG vorbereitet. Im Lager des Unternehmens liegen rund 20 Tonnen Sojabohnen. Genug für 30 Tonnen Tofu. «Das ist ja das Schöne an der Tofuproduktion», sagt Helbling. «Aus einem Kilo Sojabohnen machen wir eineinhalb Kilo Tofu.» Ein weiterer Vorteil: Bis aus dem Rohstoff ein fertiges Produkt wird, dauert es höchstens eine Stunde. Nachbars Kühe profitieren Noch schneller ist der Prozess erklärt: Nachdem die Bohnen in einem Wasserbad aufgeweicht wurden, werden sie in ein Pürierwerk gesaugt. Portionenweise verarbeitet die Maschine die Sojabohnen zu einer weichen Masse. Mit einer Walze wird die Sojamilch – der eigentliche Rohstoff für die Tofuproduktion – aus der Masse gepresst. Zurück bleiben trockene Überreste. «Sojakuchen» nennt Helbling sie. Dank der Noppa AG steht dieser Kuchen inzwischen auf dem Speiseplan von Nachbars Kühen. Eine nicht optimale Lösung, wie Jörg Helbling einräumt. «Schliesslich wollen wir den Kreislauf der Nutztierhaltung nicht auch noch fördern.» Die restlichen Produktionsschritte erinnern stark an die Herstellung von Käse. Erst wird die Sojamilch mithilfe eines Magnesiumchlorids gebrochen. Nach 10 bis 15 Minuten ist der chemische Prozess abgeschlossen. Dann wird die Molke separiert, die feste Tofumasse zu Würfeln gepresst und schliesslich zugeschnitten. Fertig ist der Rohtofu. Rund drei Tonnen Tofu produziert die Noppa AG pro Woche. Tendenz steigend. Als Noppa Helbling das damals in Oetwil am See domizilierte Unternehmen vor sieben Jahren übernahm, lag der wöchentliche Output noch bei 100 Kilogramm. «Wir verzeichnen ein jährliches Wachstum von 20 Prozent», so Helbling stolz. «Und verdoppeln den Umsatz alle drei bis vier Jahre.» Wegen des starken Wachstums musste die Firma seit der Übernahme schon zweimal den Standort wechseln. Und bereits droht der Platz auch in Rüti knapp zu werden.Denn der Erfolg des Rütner Tofus spricht sich herum. Nebst den renommierten Restaurants Hiltl und Tibits zählt auch das Kinderspital Zürich zu den Kunden der Noppa AG. Laufend würden zudem neue Abnehmer dazukommen, so Helbling. Als Konsequenz könne man nicht mehr als kleiner Familienbetrieb produzieren, sondern müsse sich zu einem gut strukturierten Unternehmen wandeln. Coop hat angebissen Seit längerer Zeit beliefert die Noppa AG ausserdem den Grossisten Coop. Eine Partnerschaft, die erst kürzlich mehr Gewicht erhalten hat. Es war auf einer Lebensmittelmesse, als die Produkte bei einem Coop-Delegierten auf so viel Begeisterung stiessen, dass er die Firma für eine neue Kollektion verpflichtete. Der Mann war Coop-Marketingchef Jürg Peritz, de facto die Nummer zwei beim Lebensmittelriesen. «Seither beliefern wir Coop mit drei neuen Produkten», sagt Jörg Helbling. Die Tofukreationen werden seit rund einem Monat unter dem Label Délicorn verkauft, der vegetarischen Produktelinie von Coop. Heute macht die Coop-Produktion 25 Prozent aus. Für Jörg Helbling ist die Zusammenarbeit mit Coop ein Glücksfall. «Wenn wir Tofu salonfähig machen wollen, müssen wir mit Grossverteilern kooperieren», so der 55-Jährige. «Schliesslich wollen wir Tofu nicht nur für ein paar Fanatiker produzieren.»

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