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Mode aus dem Morgenland

Eine saudiarabische Kleidermarke will vom Seefeld aus Europa erobern – mithilfe des Zürcher Models Racha Fajjari.

Von Beat Metzler Saudiarabien und Frauenmode: Das klingt so unvereinbar wie Nordsibirien und Bikinis. Umso erstaunlicher, dass «der Zara des Mittleren Ostens» aus der saudischen Hauptstadt Riad kommt. Die Marke heisst Femi9 (englisch für feminin), feiert dieses Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum und betreibt bereits über 50 Filialen im arabischen Raum. Nun wagt das Unternehmen den Schritt nach Europa. Die Expansion ins Abendland startet im Zürcher Seefeld. Hier, an der beschaulichen Reinhardtstrasse 5, wird Racha Fajjari ab Donnerstag die Femi9-Kollektion verkaufen. Wobei es gleich das nächste Vorurteil zu korrigieren gibt: Frauenkleider aus dem Geburtsland Mohammeds bestehen nicht zwingend aus Schleiern, schwarzen Umhängen oder Burkas. Die Femi9-Kollektion unterscheidet sich in Sachen Freizügigkeit kaum von hiesiger Mode. Im Katalog posieren luftig gewandete Damen auf weissem Maledivensand. «Das ist europäischer Stil, gestaltet von Araberinnen», sagt Fajjari. Orientalische Einflüsse gebe es kaum. Nur die Ausschnitte reichten nicht so tief wie bei westlichen Kleidern.Natürlich sei es nicht so, dass in Riad nun alle Frauen in kurzen Kleidchen über die Trottoirs flanieren. In arabischen Fernsehsendern treten auch Femi9-Sprecherinnen nur mit Kopftuch auf, ausser an Händen und im Gesicht zeigen sie keine Haut. «Femi9-Stücke tragen die Frauen an privaten Festen», sagt Fajjari. Schnuller durch Röcke ersetzt Die Marke habe trotzdem eine sanfte Revolution ausgelöst. Gegründet von Eyad Mashat, Sohn einer einflussreichen Geschäftsfamilie, habe sie sich von Beginn weg für die Frauenrechte eingesetzt. Das Label vergibt Stipendien an Studentinnen. Kürzlich hat es einen Monat der Frau ausgerufen, in dessen Rahmen der König öffentlich forderte, die weibliche Bevölkerung zu achten. Damit kann sich Racha Fajjari, Tochter einer Marokkanerin und eines Tunesiers, bestens identifizieren. «Mein Vater ist ein moderner Araber. Ich bin in Oberglatt aufgewachsen und sehe mich als halb Schweizerin, halb Araberin.» Femi9 vertrete genau ihre weltoffene Haltung. Doch selbst diese hat Grenzen: In ihrem Laden, der auch ein Café sein wird, schenkt Fajjari keinen Alkohol aus. «Das würden meine Partner nicht schätzen.» Kennen gelernt hat sie diese bei einem Fotoshooting auf den Malediven, zu dem sie von Femi9 als Model gebucht wurde. Die zuvorkommenden Umgangsformen der Saudis, die farbigen Entwürfe und günstigen Preise hätten sie sofort überzeugt. «Wir wurden schnell handelseinig», sagt Fajjari, die darauf ihre Pläne kippte, einen Babyartikel-Laden zu eröffnen. Schnuller, Umstandsmode und Kinderspielzeuge wurden durch saudische Röcke ersetzt. Schwanger Geschäfte machen Noch am Freitag vergangener Woche türmten sich die Kartonschachteln im Geschäft. Fajjari fütterte ihren einjährigen Sohn, bedauerte ihren Hund Jamie, den gerade ein Auto angefahren hatte (das Tier blieb unverletzt) und testete die neue Kaffeemaschine. Nervös sei sie kaum, schliesslich habe sie schon mehrere eigene Geschäfte aufgebaut. Die gelernte Kauffrau und Miss-Schweiz-Kandidatin 2002, übt sich seit fünf Jahren in der Selbstständigkeit, arbeitete als Eventmanagerin und konzipierte das Internetfernsehen Usgang.tv. Als sie und ihr Mann, der Münchner DJ Tom Novy, ein Kind erwarteten, wollte Fajjari trotz Schwangerschaft nicht «tatenlos herumsitzen». Weshalb sie die Internetplattform Babylicious.ch gründete, die sie von zu Hause aus verwalten konnte. Momentan führt die 27-Jährige die Geschäfte zusammen mit ihrer jüngeren Schwester. Spätestens nach einem Jahr will sie mit Femi9 expandieren, in Zürich und ganz Europa. «Das klappt. Schon im Vorfeld habe ich über Facebook so viele Kleider verkauft, dass ich nachbestellen musste.» Halb Schweizerin, halb Araberin: Racha Fajjari in ihrem Laden. Foto: Doris Fanconi

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