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Nicht nur ein Auto, ein Lebensgefühl

Am Wochenende trafen sich in Dübendorf «Dööschwoo»-Fahrer und zelebrierten den Charme ihrer liebevoll restaurierten Wagen und das Freiheitsgefühl, das ein Picknick-Fährtchen vermittelt.

Von Annette Saloma-Huber Dübendorf – Rot, blau, gelb, grün, orange, braun, mit Blumen bemalt, mit Sternen beklebt. Die 130 Citroëns bringen Farbe in den grauen Samstagnachmittag. Auf dem Gelände der Schiessanlage Werlen in Dübendorf haben sich die Anhänger des Citroën 2CV zum dreitägigen Pfingsttreffen versammelt. Korrekt wäre das französische «Deux Chevaux», im Volksmund nennt man ihn lautmalerisch «Dööschwoo», «Ente» heisst er in Deutschland. Rot-Weiss ist derjenige von Theres Halter aus dem Kanton Obwalden, die gerade ihr Zelt aufstellt. Die Hippiefrau mit den langen Ohrringen fährt ihn seit 36 Jahren. «Ein anderes Auto kommt gar nicht infrage», sagt sie lachend. Das gilt hier für die meisten. Rund 350 Personen aus der Schweiz, Deutschland, Belgien und Österreich haben sich mit ihren Wagen zum dreitägigen «Dööschwoo»- Pfingsttreffen eingefunden, das Durchschnittsalter liegt laut den Organisatoren bei 45 Jahren. Nicht ganz alle haben einen echten 2CV dabei, es sind auch andere Modelle wie der legendäre Kleinbus Citroën HY vertreten. Extravaganz, Freiheit, Spass Auch wenn der Citroën 2CV seit rund zwanzig Jahren nicht mehr hergestellt wird, hat er bis heute eingefleischte Fans. Unter ihnen der Dübendorfer SVP-Gemeinderat Patrick Walder, der das Treffen mitorganisiert hat: «Der ‹Dööschwoo› ist einfach Kult. Er steht für Extravaganz, Freiheit und Spass», sagt der junge Mann. Sein Vater, Ruedi Walder, Präsident des «Dööschwoo-Clubs Zürisee», doppelt nach: «Er ist nicht nur ein Fortbewegungsmittel, er schafft auch ein Zusammengehörigkeitsgefühl.» Dieses pflegen die «Dööschwoo»-Fans, indem sie sich auf der Strasse zuwinken und Treffen organisieren, zu denen Fahrer aus ganz Europa kommen. Den typischen «Dööschwoo»-Fahrer gebe es nicht, vom Direktor bis zum Gastarbeiter, vom Althippie bis zum Jung-Yuppie sei alles vertreten. In der Schweiz gibt es jährlich acht Treffen, das grösste ist dasjenige über Pfingsten. 250 Kilometer weit fuhr Günther «Günne» Neuffer, um in Dübendorf dabei zu sein. Der stattliche Mann mit den grauen Locken aus dem Raum Stuttgart sitzt mit seinem Kollegen an einem Campingtisch, vor sich fünf gekochte Eier, Brot und Kaffee. «Viele hier kenne ich seit über zwanzig Jahren», meint er und fügt begeistert hinzu: «Der ‹Dööschwoo› ist einfach einzigartig; bin ich mit ihm unterwegs, schaut man mir hinterher.» Am 40. Pfingsttreffen in Dübendorf steht das gesellige Zusammensein im Vordergrund. Um die einzelnen Campingtische sitzen Grüppchen, diskutieren, lachen. Auf einem Gasgrill köchelt Kaffee, Kinder spielen mit einem Ball. Neben einem grossen Zelt werden Würste grilliert, an einem Stand findet man kleine «Dööschwoo»-Modelle, an einem anderen Ersatzteile für 2CV, zwei Männer fachsimpeln vor einem offenen Motor. Ein grosses Programm wird nicht geboten, ein Konzert am Samstagnachmittag, die Ansprache des Dübendorfer Stadtpräsidenten Lothar Ziörjen am Sonntagvormittag. Jedes Auto hat seine Geschichte Trotzdem: Über das ganze Wochenende sind rund tausend Schaulustige gekommen, sie bestaunen die «rollenden Museen», wie sie die Organisatoren nennen. Hobbyspengler liessen ihrer Fantasie freien Lauf, haben ihr Auto in liebevoller Arbeit bemalt, umgebaut, die Motorhauben durch solche anderer Citroën-Modelle ersetzt. Es hat «Dööschwoos» in Polizei- oder Feuerwehrfarben, jemand hat an sein Auto einen Miniwohnwagen mit Doppelbett und Küche angehängt. Auf manchem Heck steht auf Französisch: «Dies ist kein Auto, sondern ein Lebensstil.» Und hinter jedem dieser Autos steht eine Geschichte. Eine solche Geschichte ist diejenige von Bernd Heide aus dem Sauerland, der als Teenager an die Côte d’Azur trampte und von einem Mann mitgenommen wurde, der einen 2CV fuhr. «Das Auto war so bequem, dass ich die ganze Fahrt verschlief. Danach wollte ich unbedingt auch so ein Modell.» Heute hat er sogar zwei der Wagen in der Garage stehen, fährt damit bis nach Portugal oder Finnland in die Ferien. Nach drei Tagen fahren die bunten Autos am Sonntag wieder in alle Himmelsrichtungen davon. Bis zum nächsten Treffen bleibt den «Dööschwoo»-Fahrern Zeit, an ihrem Auto zu basteln und sich auf der Strasse zuzuwinken. Wenn ein 2CV als Sattelschlepper taugt, muss was am Motor gemacht worden sein. Das weiss ein rechter Fan. Foto: Anette Saloma-Huber

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