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Nur der Broccoli ärgert ihn Herr Berg und die stillen Freuden des Kleingärtners

Der Männedörfler Rentner Peter Berg beschliesst seine zwanzigste Saison als Kleingärtner. Dass auch dieses Jahr nicht alles so gewachsen ist wie erhofft, stört ihn bloss ein kleines bisschen. Diese Woche geht für Peter Berg die zwanzigste Saison als Schrebergärtner zu Ende. Dass nicht alles so wuchs wie erhofft, stört ihn bloss ein bisschen.

Von Linus Schöpfer Männedorf – Peter Berg steht vor dem kleinen Holzhäuschen, lässt den Blick über seine 14 Gartenbeete schweifen, kneift die Augen zusammen und sagt: «Wissen Sie, hier in unserem Schrebergarten sollte man vorsichtig sein.» Dann fügt der 77-Jährige Männedörfler mit verschwörerischer Stimme an: «Gleich dort gegenüber haben wir ja das Altersheim. Da muss man halt Rücksicht nehmen und ab und zu etwas leiser sein als gewohnt.» Im Sommer veranstaltet der lebenslustige Rentner hier Grillpartys für seine Familie und für Freunde. Dass er selber dort, im Altersheim Allmendhof, wohnen könnte, das scheint Berg nicht einmal in den Sinn zu kommen. Eine lustige Gesellschaft Aufgewachsen ist Berg nahe Karlsruhe, nach Männedorf gezogen ist er 1960. Seit 20 Jahren hegt und pflegt der ehemalige Disponent mit seiner Frau Gisela eine Are Land im Schrebergarten Allmendhof. Die Bergs teilen das Areal mit 42 anderen Hobbygärtnern; rundherum hacken Schweizer, Deutsche, Italiener und Portugiesen ihre Beete. Der Allmendhof sei eine lustige Gesellschaft, schwärmt Berg. «Man unterhält und man hilft sich; wenn einer eine Flasche Wein oder ein paar Cervelats übrig hat, lädt er die anderen ein.» Verschimmelte Beeren Und natürlich tauschen sich die Kleingärtner über die anstehenden Pflanzungen und über nützliche Tipps und Tricks aus. Und man teilt die Enttäuschung, wenn etwa – wie dieses Jahr geschehen – ein Grossteil der Beeren dem Schimmel zum Opfer fällt. Die Gartensaison 2010 sei im Vergleich zu früheren Jahren eher durchwachsen ausgefallen, sagt Berg, zumal die Monate April und Mai mit Wetterkapriolen aufgewartet hätten. «Neben den verschimmelten Beeren hat mich vor allem der Broccoli geärgert», resümiert Berg. Zwölf Stück habe er davon gepflanzt, und kein einziger sei gewachsen. Im nächsten Jahr will der Rentner auf das Gemüse verzichten. Grosse Freude machten ihm dagegen der Sellerie («wunderbar gewachsen») und der Randen, dessen Knollen «gross wie kleine Fussbälle» geworden seien. Kleingärtner statt Weinbauer Berg ist ein Kriegskind, das Bombardement seiner Heimatstadt ist ihm noch in sehr lebhafter Erinnerung. Seine Familie habe sich während der Zeit komplett aus dem eigenen Garten versorgt, erinnert sich Berg. Sein Vater, ein erfolgreicher Schuhmacher, begann nach dem Krieg als Hobbywinzer zu arbeiten. «In Sachen Gartenarbeit bin ich da natürlich erheblich vorbelastet», sagt der Pensionär und lacht. Obschon Berg die Möglichkeit hatte, selbst als Winzer tätig zu werden, verzichtete er. «Die harte, mir gut bekannte Arbeit im Weinberg schreckte mich ab.» Mit dem Schrebergarten fanden Berg und seine Frau dann ihre liebste Freizeitbeschäftigung. Für Berg bedeutet gärtnern immer auch experimentieren. 14 verschiedene Kartoffelsorten hat er schon gepflanzt, seine Frau probiert eine Zierblume nach der andern aus. Der bergsche Schrebergarten entsteht jedes Jahr neu als eine Mischung aus Planung und Intuition: Peter Berg entwirft im Winter eine Skizze, die den 14 Beeten ihre Bepflanzung zuteilt. Dieser Plan wird durch spontane Entscheidungen modifiziert, etwa wenn Berg von Kollegen, vom Gartenbauer oder aus einem Fachmagazin von neuen Anbaumöglichkeiten erfährt. Kommende Woche, nachdem er die letzten Salate abgedeckt hat, verstaut Peter Berg die Gartengeräte für dieses Jahr in seinem kleinen Schuppen. Wie immer entflieht der Kleingärtner daraufhin dem anbrechenden Winter für zwei Wochen, es geht nach Gran Canaria. «Die wohlverdienten Ferien eines Kleingärtners», sagt Peter Berg und lacht. Die Gartensaison 2010 verlief durchzogen für den Schrebergärtner Peter Berg. Foto: Daniel Kellenberger

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