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Oberländer Bauern fürchten um ihr Ackerland

Der Kanton Zürich muss im Lauf der nächsten 80 Jahre auf einer Länge von 400 Kilometern die Gewässer revitalisieren. Die Landwirte sind nicht einverstanden und haben beim Bauernverband Beschwerde eingereicht.

Von Werner Gubser Hinwil – Das Interesse an der diesjährigen Regionalversammlung der Oberländer Bauern war gross: Weit über hundert Landwirte strömten in den Hirschen in Hinwil. Grund für den Zulauf war ein umstrittenes Thema: die Umsetzung des neuen eidgenössischen Gewässerschutzgesetzes. Als Gegenvorschlag zur eidgenössischen Renaturierungsinitiative genehmigten sowohl der National- als auch der Ständerat vor zwei Jahren den neuen Erlass. Dieser sieht vor, im Lauf der kommenden 80 Jahre 27 Prozent der stark verbauten Gewässer in der Schweiz zu revitalisieren.Der Zürcher Bauernverband (ZBV) lud zwei Vertreter des Kantons nach Hinwil ein. Jürg Suter, Chef des kantonalen Amtes Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) und Gerhard Stutz von der Abteilung Wasserbau erläuterten die Konsequenzen des neuen Gesetzes. Für den Kanton Zürich ist vorgesehen, an den insgesamt 1750 Kilometern kanalisierten oder eingedolten Gewässern auf einer Länge von 400 Kilometern natürliche Ufer anzulegen. Dies hat im Verlauf von 80 Jahren zu geschehen. Nur 20 Jahre Zeit bleibt indes, um die ersten 100 Kilometer Bäche wiederzubeleben. Laut Gerhard Stutz hat der Kanton Zürich einen weit grösseren Anteil verbauter Gewässer als die übrige Schweiz. Vorschriften zu Hochwasser Im neuen Bundesgesetz erfahren auch die geschützten Ufer von Seen und Flüssen eine andere Regelung. Einschränkungen sind vor allem bei der Düngung vorgesehen. Neue Strassen und Wege dürfen nur noch ausserhalb der Uferzonen erstellt werden. Hinzu kommen neue Vorschriften zum allgemeinen Schutz vor Hochwasser. Während der detaillierten Ausführungen der beiden Verwaltungsprofis war unter den Zuhörern hie und da ein Murren zu vernehmen. «Wir können kaum etwas dagegen unternehmen. Wir dürfen nur nicken, Ja und Amen sagen. Die Landwirtschaft wird mehr und mehr beschnitten», hiess es etwa. Wasserbauspezialist Gerhard Stutz versuchte zu beschwichtigen: «Die Auswirkungen für die Landwirtschaft werden kaum spürbar sein, denn 90 Prozent der Gewässer sind vom neuen Gesetz gar nicht betroffen.» Es werde sich für die Bauern nicht viel ändern, beruhigte er. Dass sich die Landwirte überrumpelt fühlen und bei ihnen das neue Gesetz auf Skepsis stösst, machten verschiedene Votanten deutlich. «Bäche, die durch erstklassiges Ackerland fliessen, dürfen doch nicht revitalisiert werden», wandte ein Landwirt ein. Er wurde lauter und bezeichnete es als dicke Post, dass in den neuen Bestimmungen davon nichts erwähnt werde. «Viele Hektaren bestes Ackerland werden so geopfert.» Ein weiterer Votant hatte Bedenken, dass wegen des breiten Uferstreifens viel mehr Agrarland verschwendet werde, als man sich jetzt vorstelle: Die revitalisierten Bäche würden ja nicht mehr geradeaus fliessen. Ob der Kanton die Art des Uferschutzes festlegen werde und ob die Gemeinden nichts zu sagen hätten, wollte ein anderer wissen. Awel-Chef Suter glaubt, dass da von Fall zu Fall abgewogen werde. Möglicherweise werde auch einmal eine Verlegung des Gewässers ins Auge gefasst. Regierungsrat in der Kritik In der Kritik stand auch das Vorgehen des Zürcher Regierungsrats. Dieser habe am 6. Januar eine Verordnung über den Hochwasserschutz und die Wasserschutzpolizei erlassen und dabei die Beschwerdefrist auf 10 Tage verkürzt, sagte der Präsident des Zürcher Bauernverbandes, Hans Staub. Gerade noch rechtzeitig aber habe der Verband beim Zürcher Verwaltungsgericht eine Beschwerde eingereicht. «Wir dürfen zu diesem Gesetz nur nicken und Ja und Amen sagen. Die Landwirtschaft wird mehr und mehr beschnitten.» Ein Oberländer Bauer

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