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Ordnung in die Unterwelt bringen

Aus der ehemaligen Sägerei in Oberrieden ist ein archaischer Ausstellungsraum geworden. Gezeigt werden Fotografien aus dem Gotthardtunnel.

Von Tobias Humm Oberrieden – Eine Neonröhrenkette spiegelt sich in einem See, der den Boden der Tunnelröhre bedeckt. Wie ein Gitterkleid umschliessen die Armierungseisen das Loch im Berg, bevor sie mit Beton ausgegossen werden. Der Gotthard ist Thema der Ausstellung von Silvio Maraini. Doch sie zeigen ihn nicht von seiner gebirgigen Seite, die einem begegnet, wenn man über den Pass fährt. Das Thema der Ausstellung sind die Orte, an denen mitten im Berg am neuen Eisenbahntunnel gebaut wird. Die grossen Bilder, schwarzweiss, im Panoramaformat, werden meist von einer starken Zentralperspektive bestimmt. Tief unter dem Gebirge findet Maraini zwischen Schienen, Bohrmaschinen, Werkzeugen und Tunnelröhren eine Ordnung aus Fluchten und Perspektiven, Licht und Dunkelheit. Im Schlamm und Staub der Baustelle fotografiert er mit einer unhandlichen Panoramakamera und Stativ auf Rollfilm im Format 6×17 cm. Dieser Film hat eine so hohe Qualität, dass selbst kleinste Details messerscharf abgebildet werden und sich feinste Grautöne unterscheiden lassen. Die Negative werden eingescannt und auf einem Tintenstrahldrucker zu Papier gebracht. Die Geister im Berg Die Belichtungszeiten sind meist länger als zwei Minuten, was dazu führt, dass selten Menschen auf den Bildern zu sehen sind. Was sich bewegt, verschwindet oder erscheint nur schemenhaft, fast geisterhaft, mehr als Ahnung von dem, was dort sein könnte, denn als erkennbares Objekt. Maraini ist von Haus aus Geophysiker. Er konnte sich mithilfe eines Studienfreundes, der in der Erdbebenwarte arbeitet, die zum Tunnelbau gehört, Zugang zu Orten verschaffen, die andern verschlossen sind. Später werden sie nie mehr so zu sehen sein. Die Panoramabilder Marainis dokumentieren den Baufortschritt am unterirdischen Bahnhof Faido über drei Jahre. Am Anfang sind es zwei kreisrunde Löcher, die sich von der Halle weg in den Berg bewegen. Zustand um Zustand hat Maraini fotografiert, und zuletzt zeigen die Bilder ein fast fertig ausgebautes Gebäude von innen. Der darüberliegende Berg ist kaum mehr zu erahnen. Die Bilder im Keller Der Ort, wo diese Fotos gezeigt werden, ist selber eine Baustelle. Seit fünf Jahren lebt Jeannine Bossert an der Tischenloostrasse 3 in Oberrieden nahe beim See. Das Gebäude war einst die Oberriedner Sägerei, später stellte dort Bootsbauer Stämpfli die schnellsten Ruderboote der Welt her. Dann fiel es in einen Dornröschenschlaf, bis Jeannine Bossert 2005 dort ihre Zelte aufstellte und begann, das Haus zu renovieren. Jetzt steht der altehrwürdige Raum mit seinen aus Bruchsteinen gemauerten Wänden als Atelier und Ausstellungsraum zur Verfügung. Die Ausstellung der Bilder aus dem Gotthard-Basistunnel ist die erste Veranstaltung in Oberriedens neustem Kulturraum Werft. «Gotthard», Fotografien von Silvio Maraini. Werftkeller, Tischenloostrasse 3, Oberrieden. Do 14–22 Uhr, Fr 17–22 Uhr, Sa 14–22Uhr, So 11–17 Uhr. Finissage: 12. Dez, 10–14 Uhr mit Brunch, Anmeldung: 043 443 58 33. Jeannine Bossert und Silvio Maraini im Werftkeller, der zum ersten Mal eine Ausstellung beherbergt.Foto: Sabine Rock

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