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Osi Inglin, Sie waren schon Spartentrainer bei den Männern und Chef bei den Frauen. Jetzt kehren Sie erneut zu Swiss Ski zurück. Weshalb?

Der neue Männer-Chef über seine harte Vergangenheitund seine viel versprechende Zukunft bei Swiss Ski.

Osi Inglin, Sie waren schon Spartentrainer bei den Männern und Chef bei den Frauen. Jetzt kehren Sie erneut zu Swiss Ski zurück. Weshalb? Vor neun Jahren wollte ich unbedingt Männer-Chef werden. Es klappte nicht. Deshalb bin ich doch ein wenig überrascht, dass ich jetzt berücksichtigt wurde. Normalerweise wechselt man die Trainer aus, wenn es nicht läuft. Ich aber übernehme ein sehr starkes Team, was eine grosse Herausforderung ist. Können Sie als Nachfolger von Martin Rufener nicht nur verlieren? Er hinterlässt deutliche Fussspuren. Ich werde genau hinschauen, woher sie kommen und wohin sie führen. Ich werde sicher nicht unendlich lange in diesen Spuren weitergehen, was aber nicht heisst, dass ich jetzt alles über den Haufen werfen werde. Wenn immer möglich, möchte ich mit dem bestehenden Personal weiterarbeiten. Auf Stufe Weltcup sind wir hervorragend aufgestellt; wir arbeiten mit relativ kleinen Gruppen, was mir schon vor Jahren vorschwebte und Rufener realisiert hat. Welches ist in Ihren Augen die grösste Baustelle? Es ist bei den aktuellen Erfolgen schwierig, von Baustellen zu reden. Im Speedbereich noch besser zu werden, wird schwierig sein. Kritisch betrachtet, lässt sich festhalten, dass wir im Riesenslalom zwar immer Fahrer hatten, die um den Sieg mitfuhren, uns aber etwas die Breite fehlte. Hier gibt es Verbesserungspotenzial. Im Slalom haben wir eine Aufwärtstendenz, auch wenn sie vielleicht noch nicht so klar ersichtlich ist. Sagen wir es so: Die Vorarbeit war so gut, dass es im Weltcup nur noch ums Maximieren geht – im Europacup ums Optimieren. Vor fünf Jahren verliessen Sie nach nur einer Saison den Posten des Frauen-Chefs. Hat sich seither so viel verändert, dass Swiss Ski für Sie wieder interessant wurde. Ich habe viele Gespräche geführt, auch mit Urs Lehmann, dem Präsidenten, und dem ganzen Präsidium von Swiss Ski, zu dem auch Urs Winkler gehört, mein Arbeitgeber im Skigymnasium Davos. In den letzten fünf Jahren wurden in der Schweiz enorme Anstrengungen unternommen, um die Basisarbeit breiter und spezifischer abzustützen. Die nationalen Leistungszentren haben sich gut entwickelt, die Trainingsmöglichkeiten sind viel besser geworden, weshalb es auch längerfristig gute Perspektiven gibt. Sie traten bei den Frauen auch deshalb zurück, weil Sie das Gefühl hatten, zu sehr mit administrativen Aufgaben beschäftigt zu sein. Sie forderten eine Sekretärin. «Sekretärin» ist nicht das richtige Wort. Ich sprach von einem Teammanager. Und so etwas ist auch jetzt nicht vom Tisch. Wir werden sicher noch darüber reden. Es sollte nicht die Aufgabe des Cheftrainers sein, unzählig viele Stunden in das Kontrollieren von Quittungen und andere Büroarbeiten zu investieren. Seine Kernaufgabe muss sein, sich von der Nationalmannschaft bis zum C-Kader um die Athleten zu kümmern. Halten Sie diesmal länger durch? Es ist meine feste Absicht, bis und mit Sotschi am Ruder zu stehen. Und ich bin überzeugt, dass es diesmal ein längerfristiges Engagement ist. Nach Sotschi wird man eine Analyse machen und über die weiteren Schritte entscheiden. Michael Bondt, der auch zu den Kandidaten gehörte, sagte ab. Er wollte sich den Stress nicht zumuten. Der Stress war ein Kriterium. Doch ich lasse mich nicht auf etwas ein, das ich nicht kennen würde. Ich war von 2000 bis 2002 Trainer der Kombigruppe mit Leuten, die alles fuhren von Abfahrt bis Slalom, ich war Chef der Frauen… Meine Batterien sind wieder voll geladen. Sie geben nach fünf Jahren Ihre Stelle als Cheftrainer im Skigymnasium Davos auf. Können Sie stolz sein auf das, was Sie dort erreichten? Das Skigymnasium ist der ältere sportliche Partner des Nationalen Leistungszentrums (NLZ) von Davos, das es ja noch nicht so lange gibt. Ich darf von mir behaupten, dass ich dem Baby NLZ Ost auf die Beine geholfen habe. Mittlerweile marschiert dieses Baby flott vorwärts und manchmal sogar aufwärts. Ich kann also auf konstruktive Jahre zurückblicken. Jetzt sind wir bemüht, eine saubere Lösung für die Zukunft zu finden. Die Gespräche laufen.(Aufgezeichnet mb.)

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