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Pfarrer Steinmann holte sich im Bildungsurlaub Impulse

Statt in der Kirche von Grüningen zu predigen, besuchte Rudolf Steinmann Chicago und arbeitete bei einer Dampfbahn sowie als Spitalseelsorger.

Von Martina Gradmann Grüningen &endash Er habe nach seinem Bildungsurlaub ein gutes Gefühl und sei um viele Erfahrungen reicher, sagt Pfarrer Rudolf Steinmann. Seit Anfang November ist er wieder in Grüningen an der Arbeit &endash nach einem halben Jahr Pause. Diese stand ihm laut Kirchenrecht zu: Nach zwölf Dienstjahren kann ein reformierter Pfarrer im Kanton Zürich ein halbes Jahr Bildungsurlaub beziehen. Das Ziel dabei: studieren und auftanken. Für dieses «Sabbatical» hatte der Grüninger Pfarrer ein Studiengesuch eingereicht und es jetzt von Mai bis Oktober eingezogen. Er sei dankbar und erachte es als Privileg, dass er sich in diesem halben Jahr intensiv mit theologischen, kirchlichen und existenziellen Grundfragen habe auseinandersetzen können, sagt Steinmann. Das sei etwas, was unter den Anforderungen des pfarramtlichen Alltags leider oft zu kurz komme. Der heute 48-jährige Steinmann ist in Amerika aufgewachsen und zur Schule gegangen. So war es naheliegend, dass er einen Teil seines Bildungsurlaubs in seiner alten Heimat verbringen wollte. Ende Mai bis Anfang Juli nahm Steinmann darum an einem interkulturellen und interreligiösen Austauschprogramm für Theologen in Chicago teil. «Im zweiwöchigen Kurs ‹Cross Cultural Urban Ministry› ging es um das Engagement der Kirchen in Bereichen wie Rassismus, Immigration, kulturelle Konflikte, Bandenwesen, Verslumung und mehr», sagt der Theologe. Das sei für ihn eine grenzüberschreitende Erfahrung gewesen. Die Kirche als Unternehmen Die sprichwörtliche «Kirche im Dorf», die, mit Steuergeldern finanziert, für alle da sei, gebe es in den Staaten nicht. «In den USA sind die Kirchen ein Geschäft wie jedes andere. Wenn es eine Gemeinde nicht schafft, genügend zahlungsfähige Mitglieder zu gewinnen, geht sie in Konkurs.» Fundraising und Sponsoring seien ebenso wichtige Themen wie das Evangelium selbst. Ein solches Modell komme für seine eigene Kirche nicht infrage, sagt Steinmann. Und dennoch habe das amerikanische System in Zeiten von zunehmend leeren Kirchenbänken auch etwas Positives: «Die Menschen müssen sich auf dem Markt nach einer Kirche umsehen, die zu ihnen passt, wenn sie kirchliche Dienste wie Gottesdienst, Seelsorge und Unterweisung bekommen wollen», sagt er. «Und sie müssen sich aktiv darum bemühen, sich irgendwo anschliessen zu können.» Im zweiten Teil seines Bildungsurlaubs machte Steinmann einen kleinen Bubentraum wahr und arbeitete bei der Furka-Dampfbahn mit &endash im UNO-Jahr der Freiwilligen als Freiwilliger. «Neben dem Bahntechnischen faszinierte mich die Freude und Begeisterung, mit der Freiwillige aus der ganzen Schweiz Zeit und Kraft in ihre Bahn investieren. So müsste auch die Kirche funktionieren.» Auch die vielen eindrücklichen Begegnungen in einem Alters- und Pflegeheim, in der Psychiatrischen Klinik Schlössli und im Spital Uster hätten positive Spuren bei ihm hinterlassen, ist Steinmann überzeugt. Diese wolle er wenn immer möglich in die Kirchgemeinde Grüningen einbringen. Urnenwahl steht bevor Am 11. März des kommenden Jahres steht Steinmanns Wiederwahl als Grüninger Pfarrer an, denn neu müssen alle reformierten Pfarrpersonen im Kanton nach vier Jahren an der Urne bestätigt werden. Für Steinmann und seine Familie hängt viel davon ab, denn würde er nicht bestätigt, würden auch seine vier Kinder ihr Heim verlieren. Der Studienurlaub habe ihm ein gutes Gefühl gegeben und damit wolle er jetzt weitermachen, sagt er. «Es braucht sicheren Boden unter den Füssen, um anderen Halt geben zu können», ist der Dorfpfarrer überzeugt. Selbstgefällig wolle er nicht werden, sondern seine Aufgaben einfach nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen. Bei seiner Arbeit will er vermehrt auf die «Ausgewogenheit von Kopf und Herz» achten &endash mit besonderem Akzent auf dem Herz. Rudolf Steinmann Der 48-Jährige ist Dorfpfarrer in Grüningen.

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