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Postkartengrüsse vom Schloss

Auf der Kyburg sind Erinnerungen an frühere Schlossbesuche ausgestellt. Von den Erlebnissen zeugen Fotos und Postkartengrüsse in Schnörkelschrift.

Von Werner Gubser Kyburg – Nachdem der Winterthurer Kaufmann Matthäus Pfau 1865 das Schloss Kyburg gekauft hatte, bezog er mit seiner Familie und seiner Kunstsammlung die Gemächer des Schlosses. Sein Anliegen war, die Bevölkerung «für alles Edle und Schöne» zu begeistern. Darum machte er Kunstwerke und Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich, verfasste einen Museumsführer und verlangte 50 Rappen Eintritt. Seither zieht das Schloss Kyburg Ausflügler, Schulklassen, Vereine, Geschichtsinteressierte und Heiratsgesellschaften an, die sich an der Romantik, der geschichtsträchtigen Gemäuer, der erhöhten Lage im Grünen oder an der prächtigen Aussicht erfreuen. «Der Besucherstrom reisst fast nie ab», sagt Ueli Stauffacher, der Museumsleiter. «Es gab schon Tage mit zwanzig Schulreisen.» «Ausflug hat Glück gebracht» Die kleine Sonderausstellung in der unteren Ritterlaube, die noch bis Ende Oktober gezeigt wird, hat für einmal wenig Kulturhistorisches zum Thema. Vor allem Fotos und Ansichtskarten, die von privaten Ausflügen auf die Kyburg zeugen, liegen auf. «Der Verein Museum Schloss Kyburg hatte in den Medien dazu aufgerufen, private Erinnerungsstücke aus alter oder jüngerer Zeit für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen», sagt Stauffacher. Allzu viele Fotos sind aber nicht zusammengekommen – möglicherweise trauten sich etliche Besucher nicht, ihre Bilder auszustellen. Anders das Brautpaar Bucher, auf der Kyburg anlässlich ihrer Hochzeit am 13. August 1955. «Dieser Ausflug hat uns Glück gebracht», sagt Berti Bucher, «denn wir sind nach 55 Ehejahren immer noch zusammen.» Früher sei man nicht so viel gereist, ergänzt sie. «So eine Reise im Car von Hallau auf die Kyburg war für uns zwei schon etwas Besonderes.» «Vor mir ist keine Burg und keine Ruine sicher», bekennt wiederum Margrit Keller aus dem glarnerischen Engi. Sie hat ihren Ernst vor 22 Jahren geheiratet und wollte ihren Hochzeitsfotos einen romantischen Anstrich geben. Darum musste das Schloss Kyburg als Kulisse herhalten. Staubbelästigung wegen Autos 1965 feierte der Trupp Kyburg der Winterthurer Pfadfinder sein 30-Jahr-Jubiläum auf der Kyburg. An der Ausstellung werden Fotos eines Ritterspiels gezeigt, in dem offenbar auch ein Burggeist sein Unwesen trieb. Andere Bilder zeigen, wie man in früheren Jahren zum Schloss gelangte. 1905 zogen zwei Pferde die Postkutsche zweimal täglich von Effretikon auf die Kyburg hinauf. Dreissig Jahre später verrichtete der Postautochauffeur Leo Wildhaber den Post- und Passagierdienst mit einem Autobus, der wie selbst gebastelt aussah. Wegen des starken Reiseverkehrs an Sonntagen war die Staubbelästigung beträchtlich, denn bald erschienen die Besucher im eigenen Auto. Zahlreich sind die französisch geschriebenen Kartengrüsse. Andere erreichten die Adressaten in Deutschland und in Holland oder in der näheren Umgebung wie Winterthur oder Wila. Einige Postkartengrüsse sind wenig aufschlussreich. So schrieb jemand nur einen Namen auf die Karte, nämlich «Nelly», und auf einer anderen steht: «Wir kamen in den Regen, aber Papa hatte einen Schirm.»

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