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Probleme der Königin

Die Königin der Lüfte fliegt über die Goldküste, TA vom 8. 8.

In den 50er- und 60er-Jahren war mein Vater - ein Gerne- und Vielflieger - oft an Bord der Super-Constellation unterwegs. Die «Königin der Lüfte» war bekannt für ihre Probleme beim Ausfahren des Fahrwerks. Es musste öfters «herausgeschüttelt» werden. Mit diesem speziellen Manöver versuchte der Pilot, das Fahrwerk zum Einrasten zu bringen. Das Ausfahren bzw. «Herausschütteln» übten etwa Piloten der Lufthansa in der Nähe von Mainz. Einmal sackte die Maschine bei solch einer Übung ab, die Besatzung überlebte nicht. Auf einem Flug meines Vaters in die USA hatte der Pilot das Auftanken im irischen Shannon unterlassen, um Zeit zu sparen. Die Maschine befand sich über dem Atlantik, als meinem Vater plötzlich kalt wurde. Er fragte nach einer Decke und der Ursache für die Kälte. Weil sie in einen Schneesturm geraten seien, flögen sie tiefer, und um Treibstoff zu sparen, sei die Heizung ausgeschaltet, erklärte man ihm. In Gender in Neufundland konnte die Maschine zwischenlanden und auftanken. Zu Beginn der 60er-Jahre flog mein Vater - einmal mehr mit einer Super-Constellation - in die USA. Wieder gab es Probleme. Beim «Herausschütteln» des Fahrwerks konnte mein Vater abwechselnd links und rechts die Landebahn sehen. Da die Maschine fast leer war, gelang das Kunststück. Kurze Zeit später passierte dasselbe auf einem anderen Flug von den USA nach Europa. Es war derselbe Pilot und dieselbe Besatzung wie beim Flug meines Vaters. Die Maschine war vollbesetzt, an Bord befand sich auch die tschechische Eislauf-Nationalmannschaft. Beim Landeanflug auf Brüssel-Zaventem sackte die Maschine ab - niemand überlebte das Unglück. Seit diesen Erlebnissen weigerte sich mein Vater, nochmals zu fliegen. Er sagte: «Zweimal in meinem Leben habe ich Glück gehabt, ein drittes Mal möchte ich mein Schicksal nicht herausfordern.» Udo Adrian Essers, Küsnacht Ihre Meinung interessiert uns. Senden Sie Leserbriefe zu aktuellen Themen aus dem Bezirk Meilen an die folgende Adresse: staefa@tages-anzeiger.ch, oder per Post an: Redaktion Tages-Anzeiger, Elit Park, Grundstrasse 4, 8712 Stäfa. Die Chancen für eine Publikation sind grösser, wenn Sie sich kurz halten (maximal 2000 Zeichen).

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