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Protestmarsch der Fluglärmgeplagten

Die Befürworter eines Ausbaustopps für den Flughafen haben am Samstag den Abstimmungskampf lanciert. Am Ende der Piste 28 legten Politiker von SP bis SVP dar, warum die Wachstumspläne Unsinn seien.

Von Joëlle Andres Rümlang &endash Kurz nach Mittag stiegen Hunderte blaue und weisse Luftballons in den grauen Himmel. «Diese Ballons stehen symbolisch für die Kosten von 2,4 Milliarden Franken, die sprichwörtlich in die Luft gehen, falls der Ausbau der Piste 28 in Angriff genommen wird», sagte Heinz Rauch von Rigel 28, einer Interessengemeinschaft gegen die Verlängerung der Piste. Mit seiner kritischen Haltung war er nicht allein: Aus Osten, Westen, Süden und Norden waren an diesem Samstag etwa 150 Fluglärmgeplagte nach Rümlang gepilgert. Ihr Ziel: In der Abstimmung vom 27. November einen Ausbaustopp der Pisten zu erreichen. Nach der Begrüssung durch Thomas Hardegger, den Rümlanger Gemeindepräsidenten und Neu-Nationalrat (SP), stand der Gang zur Piste 28 an. Mit Transparenten und Flugblättern bewaffnet, ging es zum Glattufer und weiter den Pistenzaun entlang in Richtung Kartbahn. Fluss und Häuser sind bedroht Drei grosse blaue Ballone in 18 Meter Höhe direkt neben der frisch sanierten Flughofstrasse visualisierten das Ausmass einer allfälligen Pistenverlängerung. Da die Piste eine leichte Neigung habe, müsste die Pistenrampe 18 Meter hoch sein, sagte Ralph Weidenmann. Der Experte von der Vereinigung Bürgerprotest Fluglärm Ost (BFO) erläuterte die Folgen: Die Glatt müsste umgeleitet werden, die Flughofstrasse ebenfalls. «Ausserdem müsste sicher ein Grossteil des Gewerbes weichen», sagte er, «und vielleicht sogar einige Wohnhäuser.» Die Demonstranten marschierten am Samstag nicht nur gegen die Verlängerung der Piste 28: Mit einem Ja an der Urne könnten die Bürger auch der Verlängerung von Nord- und Parallelpiste einen Riegel vorschieben. 8 Redner argumentierten nach dem Protestmarsch für einen solchen Ausbaustopp. Immer wieder donnerten Flugzeuge über ihre Köpfe hinweg, doch davon liessen sich die Empörten kaum beeindrucken. «Wir sind klar für den Flughafen, aber nicht auf Kosten der Gemeinden und deren Bürger», stellte Ursula Moor, Gemeindepräsidentin von Höri (SVP), mit lauter Stimme klar. Der Winterthurer Stadtrat Michael Künzle (CVP) wies darauf hin, dass das bestehende Pistensystem 350 000 Flugbewegungen im Jahr zulasse. Bei heute 250 000 Flügen sei also noch genug Wachstumspotenzial vorhanden. Grosse Kosten, kleiner Nutzen Künzle kritisierte einen Ausbau der Pisten auch deshalb, weil damit die Flugkapazität nur in geringem Masse gesteigert werden könne. Hardegger nahm dieses Argument auf: «2,4 Milliarden Franken in ein System ohne Nutzen zu investieren ist dumm», sagte er. Die Ausbaupläne würden nur Wachstumsfantasien befriedigen und gleichzeitig grossen Schaden für Menschen und Gemeinden in der Umgebung verursachen. Die Klotener Stadträtin Priska Seiler Graf (SP) ergänzte, die Abstimmung sei die letzte richtige Chance, auf den Sachplan Luftfahrt Einfluss zu nehmen. Sie würde den Gemeinden eine endgültige Planungssicherheit geben. «Jetzt gehts endgültig um die Wurst», sagte sie. Apropos Wurst: Diese gab es dann vom Grill, während die Teilnehmer noch einmal singend klarstellten, dass sie zweimal Ja stimmen werden &endash mit ihrem Abstimmungslied «Det äne am Hägli». Der Marsch der 150 Empörten entlang der Piste, angeführt von Rümlangs Gemeindepräsident Thomas Hardegger (mit Bart). Foto: Daniel Zannantonio

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