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Qualität – auch in schwierigen Zeiten

Die Beschäftigung von Lehrlingen bei Kurzarbeit bedeutet erheblich mehr Aufwand. Für die Maschinenbauer Studer AG

Kurzarbeit bei Lehrlingen ist gesetzlich verboten. Von der Krise gebeutelte Unternehmen wie die Studer AG in Steffisburg müssen sich deshalb so einiges einfallen lassen, um die Ausbildung ihrer jüngsten Mitarbeiter weiterhin zu gewährleisten. «Für uns bringt dies einen zusätzlichen organisatorischen Aufwand mit sich», erklärt Geschäftsleitungsmitglied Stephan Nell. War in guten Zeiten ausreichend Arbeit einfach da, müsse diese heute im Betrieb gesucht werden. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Auftragseingang bei Studer um 50 Prozent zurückgegangen. 85 bis 90 Prozent der Mitarbeitenden sind von der Kurzarbeit betroffen – allerdings nicht alle im selben Ausmass. «Der Einbruch betrifft in erster Linie den technischen Bereich», erklärt Nell. Mühlen statt Hightech Die Auswirkungen spüren somit vorab die Polymechanikerlehrlinge. Gibt es nicht genügend Aufträge aus der Produktion, erhalten sie alternative Aufgaben wie beispielsweise die Restauration der rund 90-jährigen Rundschleifmaschine (siehe Artikel oben). «Wir lassen die Lehrlinge auch Arbeiten ausführen, darunter technische Kundengeschenke, die wir früher extern in Auftrag gegeben hätten», sagt Geschäftsleitungsmitglied Nell. Statt an Hightech-Maschinen arbeiten einige an Pfeffermühlen oder bauen Veloputzstationen. Den Lehrlingen würde aber auch in Zeiten der Kurzarbeit das ganze Wissen vermittelt, das ihre Ausbildung vorsehe. «Die momentane Situation hat keine Auswirkung auf die Qualität der Ausbildung», betont Nell. Zeit für andere Aufgaben Motivationsschwierigkeiten oder Verunsicherung gibt es laut Stephan Nell kaum. Das sehen auch die Lehrlinge des Restaurationsprojekts so: «Die aktuelle Lage bringt für uns auch gewisse Vorteile mit sich», betont der 18-jährige Polymechanikerlehrling Christoph Rothen. Die Stifte hätten heute Zeit für Projekte, die sonst kaum möglich wären. Wie lange diese Situation in der Studer AG anhält, ist noch unklar. «Wir werden die Kurzarbeit sicher auch 2010, dann allerdings in etwas geringerem Ausmass, fortsetzen», sagt Geschäftsleitungsmitglied Stephan Nell. An der Anzahl Ausbildungsplätze soll sich nichts ändern. «In der Studer AG gilt der Grundsatz, dass 10 Prozent der Belegschaft Lehrlinge sind. Das möchten wir beibehalten.» Abteilungen wechseln In einer ganz ähnlichen Situation wie die Studer AG ist auch der Maschinenbauer Schleuniger AG in Thun. Mitte September musste er den Abbau von 30 Stellen in Thun bekannt geben. Kurzarbeit herrscht beim Unternehmen, das Maschinen für die Kabelverarbeitung produziert, bereits seit Anfang Jahr (wir berichteten). Wie bei der Studer AG spüren die Auswirkungen in erster Linie die Polymechanikerlehrlinge, aber auch die Logistik-Stifte. «Wenn es zu wenig Arbeit gibt, organisieren wir jeweils einen Wechsel in andere Abteilungen», erklärt Susanne Lüthi, Leiterin Personalwesen. Die Lernenden würden aber noch immer alle mit «produktiven Tätigkeiten» beschäftigt. Projekte wie die Maschinen-Restauration bei Studer gebe es bei der Schleuniger AG nicht. «Die Ausbildung der Lehrlinge wird durch die Ausbildner normal sichergestellt», so Lüthi. Eine Lehrstelle zusätzlich Momentan sind etwa die Hälfte der Schleuniger-Mitarbeiter, das sind rund 70 Personen, von der Kurzarbeit betroffen. Mit einem Aufschwung rechnet man erst 2011. «Die Lage in unseren Märkten hat sich leider noch nicht verbessert», sagt Susanne Lüthi. Die Kurzarbeit werde weitergeführt, so lange es die Situation erfordere. Für den Maschinenbauer ist aber klar, dass er trotz schwieriger wirtschaftlicher Lage weiter in die Ausbildung junger Leute investieren will. 14 Lehrlinge beschäftigt das Unternehmen momentan. 2010 will Schleuniger voraussichtlich eine zusätzliche Lehrstelle anbieten.Lilly Toriola >

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