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Raubüberfall war nur vorgetäuscht

Ein Mitarbeiter einer Tankstelle in Adliswil gab sich als Opfer eines Überfalls aus. Das Obergericht glaubte ihm kein Wort.

Von Attila Szenogrady Zürich/Adliswil &endash Es war am 25. Dezember 2008, als in Adliswil angeblich eine Tankstelle überfallen wurde. Als die Polizei am Tatort eintraf, fand sie einen an Händen und Füssen gefesselten Angestellten vor. Das Opfer gab an, von zwei ihm unbekannten Männern geschlagen und gefesselt worden zu sein. Danach habe das Duo die Kasse und den Shop geplündert. 25 000 Franken Bargeld, ein Computer sowie Zigaretten im Wert von 8000 Franken waren damals abhandengekommen. Zunächst tappte die Polizei im Dunkeln. Doch im Mai 2009 erzielten die Fahnder einen Durchbruch. Sie nahmen einen jungen Kosovaren aus Adliswil fest. Der Mann legte schon bald ein umfassendes Geständnis ab. Mit der Folge, dass das vermeintliche Opfer plötzlich zum Mittäter wurde. So gab der Adliswiler bei der Polizei an, dass der Angestellte der Tankstelle den Raubüberfall selbst eingefädelt habe. Bei der Fesselung hätten sie sogar beide laut gelacht. Der Tankstellen-Angestellte aus Horgen wurde darauf festgenommen und verbrachte mehrere Wochen in Untersuchungshaft. Dort gab er zu, dass er den Räuber schon vor dem Überfall gekannt habe. Dieser und dessen Bruder hätten alles organisiert. Das Duo habe ihn schon Wochen vor dem Coup unter Druck gesetzt und gefragt, ob er mitmachen würde. Er habe das jedoch abgelehnt und sei danach tatsächlich überfallen worden &endash womit er alle Schuld auf seinen früheren Kollegen abschob. In Widersprüche verstrickt Schon das Bezirksgericht Meilen glaubte dem Angestellten kein Wort. Es verurteilte den heute 26-jährigen Serben wegen Diebstahls, Sachbeschädigung sowie Irreführung der Rechtspflege zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 50 Franken. Das Gericht stufte die Aussagen des Angeklagten als widersprüchlich ein. Die zuständige Richterin konnte nicht nachvollziehen, dass der Beschuldigte schon vorgängig vom Räuber über den geplanten Überfall unterrichtet worden sei, aber dennoch niemanden darüber informiert habe. Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte vor dem Zürcher Obergericht einen vollen Freispruch. Der unschuldige Mandant sei eingeschüchtert worden und von der Intelligenz her nicht in der Lage, einen fingierten Überfall zu planen. Er habe zudem nichts von der Beute erhalten. Der Angeklagte sagte, dass er von den Adliswiler Brüdern in «die Pfanne gehauen» worden sei. Das Obergericht hat in seinem nun eröffneten Entscheid den Schuldspruch aus Meilen umfassend geschützt. Es sprach den Angeklagten aufgrund der glaubhaften, belastenden Darstellungen der Mittäter erneut schuldig. Auch die Oberrichter sahen den Raubüberfall als vorgetäuscht an. Sie gingen davon aus, dass der Angestellte seine Vertrauensstellung vorsätzlich missbraucht und seinem Komplizen geholfen hatte, eine fette Beute zu machen. Einzig bei der Strafzumessung kam das Obergericht dem Hilfsarbeiter ein wenig entgegen und senkte die Strafe infolge eines verschlechterten Einkommens auf 180 Tagessätze zu 30 Franken auf Bewährung. Allerdings muss der erneut unterlegene Mann für die Berufungskosten von 3000 Franken aufkommen.

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