Zum Hauptinhalt springen

Regensberg sitzt auf dem grössten Schuldenberg

Im Unterland sind nur sechs Gemeinden schuldenfrei. Gemeinsam steht die Region mit einer halben Milliarde in der Kreide.

Von Florian Schaer Für das Jahr 2009 weist die Gemeinde Regensberg mehr als 5,5 Millionen Franken Fremdkapital aus. Geld, das geliehen, auf Kredit bezogen oder sonst wie mit Zinsen belastet ist. Die Regensberger, die von ihrer Burg aus sonst stolz den Rest des Bezirks überblicken, leben in demjenigen Dorf, das kantonsweit am zweithöchsten verschuldet ist: Der sogenannte Bruttoverschuldungsanteil beträgt laut dem statistischen Amt knapp 155 Prozent. Das heisst: Was Regensberg an Darlehen den Banken und anderen Gemeinden schuldet, beläuft sich auf mehr als das Anderthalbfache dessen, was das Dorf pro Jahr einnimmt. Dieser Wert bringt dem Dorf die Wertung «schlecht» ein, nimmt man die Tabelle des Kantons zur Hand. Das Gemeindeamt taxiert in seinem Übersichtspapier nur Bruttoschulden bis 100 Prozent als «gut». Als «kritisch» werden Raten von über 200 Prozent betrachtet. Die Schulden sind gedeckt «Die Verschuldung ist zwar hoch, aber für uns stellt das kein Problem dar», sagt indessen Regensbergs Finanzchef Heinrich Schwenk. «Wir haben zusammen mit der Schulgemeinde noch immer ein Eigenkapital von 4,8 Millionen Franken, und die Schulden sind durch Liegenschaften gedeckt.» Im Klartext: Die Gemeinde könnte mit dem Verkauf der Gebäude, die sie besitzt, sämtliche Schulden wieder tilgen &endash rein theoretisch. «Zudem sind die Liegenschaften eher zu tief bewertet», schätzt der Finanzer. Und da ist auch der Steuerfuss ein Instrument dazu. «Weil wir vom neuen Finanzausgleich nicht profitieren, ist derzeit eine Erhöhung der Steuern kaum abzuwenden.» Schulden fallen da an, wo eine Gemeinde grössere Summen investieren muss, also etwa, wenn sie ein Schulhaus oder eine Sportanlage saniert. Die Kommune leiht sich Geld von einer Bank oder von einer anderen Gemeinde. In absoluten Zahlen ist Opfikon am höchsten verschuldet; im Jahr 2009 mit 96,2 Millionen Franken an Darlehen, die alle Zinsen kosten. Goldene Regel befolgen Doch auch Opfikons Leiter Finanzen und Liegenschaften, Thomas Mettler, wiegelt ab: «Vergleicht man bloss die schlichten Zahlen, haben wir verhältnismässig viel Geld aufgenommen. Eine Bilanz macht aber nur ein Foto von einem bestimmten Tag X.» Schulden sind für Mettler nicht a priori ein Problem, vielmehr gehe es um eine Art goldene Regel: «Das Finanzvermögen sollte stets grösser sein als das Fremdkapital», sagt er &endash und meint damit dasselbe wie sein Kollege aus Regensberg. Der Begriff Finanzvermögen umfasst insbesondere Grundstücke und Liegenschaften im Besitz der Gemeinde, die nicht zwingend für den Betrieb benötigt werden. Würden sie veräussert, könnte man die Schulden tilgen. Derzeit beläuft sich das Finanzvermögen der Stadt Opfikon auf knapp 127 Millionen Franken, das Fremdkapital nur auf etwas über 125 Millionen Franken. Damit gelten die Schulden als gedeckt. Bis auf die Gemeinden Bachs und Oberglatt halten sämtliche Unterländer Gemeinden diese «goldene Waage». Teilt man die Schuldensumme durch die Anzahl Einwohner, liegt Regensberg mit über 10 000 Franken auf Rang 1, Opfikon mit knapp 6400 Franken auf Rang 4 im Unterland. Demgegenüber ist Otelfingens Schuldenhügelchen von 36 000 Franken eher bescheiden: Es würde in der Theorie genügen, wenn jeder Otelfinger 15 Franken im Jahr einzahlte, damit die Gemeinde schuldenfrei dastände. Schaut man sich die «Schuldenbüechli» aller Zürcher Gemeinden an, so fällt das Unterland vor allem am Tabellenende auf: Nur 5 der 171 Kommunen weisen für die Jahre 2006 bis 2009 durchgehend eine Bruttoverschuldung von 0,0 Prozent aus &endash ganze 4 davon liegen im Unterland: Hüntwangen, Wasterkingen, Boppelsen und Embrach. «Das kommt daher, dass wir grosse Investitionen entweder durch einen Landverkauf oder durch zusätzliche ausserordentliche Steuererträge finanzieren konnten», sagt Embrachs Finanzsekretär Bruno Feldmann. «Auf diese Weise mussten wir in den vergangenen Jahren nie mehr ein Darlehen aufnehmen.» Der Schlüssel zur Schuldenfreiheit liegt also zumindest teilweise darin, die Mittel anderweitig zu beschaffen. Allerdings wird Embrach den Nullerkurs nicht mehr halten können. Bereits fürs laufende Jahr hat man sich auf dem Kapitalmarkt Geld geholt. Wieso geben die Embracher ihre Schuldenfreiheit preis? «Derzeit sind die Zinsen tief, da lohnt es sich wieder, ein Darlehen aufzunehmen. Vor zehn Jahren war das anders.»Über die letzten vier Jahre haben sich viele Gemeinden bemüht, ihre Schulden abzubauen &endash mit einem gewissen Erfolg. Tatsächlich ist es den Unterländern in der Summe gelungen, die Bruttoverschuldung von 572 Millionen auf 510 Millionen Franken zu senken. Auch die Bruttoverschuldung der Regensberger ist gesunken: von 179 auf 155 Prozent, in Zahlen von 5,5 auf 4,8 Millionen Franken. Übrigens: Schon in der Geschichte hatten es die Regensberger nicht immer leicht mit ihren Finanzen. So mussten sie im Jahre des Herrn 1303 das Lägerenstädtchen samt den Ländereien in der Umgebung an das Haus Habsburg verkaufen &endash wegen Zahlungsunfähigkeit, wie es in den Büchern heisst. «Derzeit sind die Zinsen tief, da lohnt es sich wieder, ein Darlehen aufzunehmen. Vor zehn Jahren war das anders.» Bruno Feldmann, Finanzsekretär in Embrach Das Städtchen Regensberg ist seinen Nachbarn auch im Schuldenmachen weit entrückt. Foto: David Baer

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch