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Reich der Kabelrollen bleibt im Dorf

Die Weltfirma Huber + Suhner AG produziert weiterhin im Pfäffiker Industriequartier Witzberg. Der 30 Millionen Franken teure Neubau macht es möglich.

Die heutige Huber + Suhner AG nahm ihren Ursprung vor über 150 Jahren mit zwei Familienunternehmen. Die R + E. Huber AG in Pfäffikon produzierte ab 1882 Telegrafendraht und Kabel und fusionierte 1969 mit der in Herisau domizilierten Suhner & Co. AG, einem 1864 gegründeten Kunststoffpresswerk, das Kabel- und Kabelisolationen herstellte. Heute ist die Huber+Suhner- Gruppe eine weltweit tätige und führende Anbieterin von Komponenten und Systemen der elektrischen und optischen Verbindungstechnik. Sie bedient die Märkte Telekommunikation, Transport und Industrie auf den Gebieten von Hochfrequenztechnik, Fiberoptik sowie Kabel- und Polymertechnik, Von den 1500 Mitarbeitenden in der Schweiz arbeiten 700 am Standort Pfäffikon. Ein weiterer Standort befindet sich in Herisau. (fri) Von Gabriela Frischknecht Pfäffikon – Beim Gang durch die Produktionshalle von Huber + Suhner, die Mitten im Dorf steht, sticht als Erstes der Geruch von Kunststoff in die Nase. «Völlig ungiftig», sagt Patrick Riederer. Er ist Leiter des Geschäftsbereichs Niederfrequenz bei Huber + Suhner. Der Kunststoff sei ein zentraler Faktor in der Produktion von Industriekabeln: Die hochempfindlichen Drähte werden damit zum Schutz ummantelt. Die Pfäffiker Firma ist eine wichtige Zuliefererin der Eisenbahnindustrie, beispielsweise für Indien. Dabei war die Kundenanforderung derart, dass die Verkabelung zwischen den Wagen auch die Belastung von einem 80-Kilogramm-Sack Reis auszuhalten hat. Wer Indien kennt, weiss: Die Passagiere reisen gezwungenermassen häufig auch ausserhalb der Waggons mit. Da sind die Übergangskabel eine willkommene Aufstiegshilfe. Bei Huber + Suhner entstand daraus eine Systemlösung speziell für den indischen Bahnmarkt. Verschiedene Rezepte Der hochwertige Kunststoff für Industriekabel wird in entsprechenden Rezepturen von bis zu fünfzehn Komponenten – manchmal auch mehr – gemischt, getrocknet und granuliert. Und daraufhin wieder geschmolzen, um die rohen Kabel zu ummanteln. Das Kunststoffmischwerk ist nebst der stetig expandierenden Firma mit ein wichtiger Grund, warum die Huber + Suhner AG im Pfäffiker Industriequartier Witzberg einen 30 Millionen Franken teuren Neubau erstellt hat. Letzte Woche haben die Produktionsverantwortlichen im vierstöckigen, ganz in Alu gehüllten Bau die ersten Testläufe gemacht. Jetzt will man sich bis Ende Jahr Zeit nehmen, um jede einzelne Kunststoffmischung von der Produktion im Dorf ins neue Mischwerk im Witzberg zu überführen. Das Gebäude im Witzberg ist vier Stockwerke hoch, weil die gesamte Kunststoffproduktion von der Logistik her von oben nach unten laufen muss. Die Komponenten werden automatisch aus dem Hochregallager geholt und zusammengeführt bis zum fertigen Granulat. «Unser Bau ist in der Kabelindustrie einzigartig», sagt Riederer. «Damit können wir uns im Markt nachhaltig differenzieren und positionieren.» Produktion bleibt im Dorf Die chromblitzenden Apparaturen im Neubau bedeuten aber nicht, dass die Produktion im Dorf eingestellt wird. Im Gegenteil. «Auf die Gebäude im Dorf können wir nicht verzichten», sagt Patrick Riederer. «Dort produzieren wir weiter, der Maschinenpark wird eher noch dichter.» In den Gebäuden an der Tumbelenstrasse setzt die Huber + Suhner AG auf die Produktion kleinerer Kabel und kleinerer Volumen in verschiedenen Typen. Im Dorf befinden sich nach wie vor auch die Verwaltungsgebäude, die Spedition, wo die fertigen Kabelrollen in alle Welt verschickt werden, und eben die Produktion. Laut Riederer will man dort «die Substanz pflegen und die Infrastruktur in Schuss halten». Den südlichen Teil des alten Industrieareals hat die Firma an verschiedene Investoren verkauft (TA vom 22. 12.) Zuvor hatte die Bevölkerung einem privaten Gestaltungsplan zugestimmt. Nun entstehen dort Wohnungen in Seenähe. Mehr Kapazität und Qualität Der Standort Witzberg mit rund 20 000 Quadratmeter Produktionsfläche wiederum bietet laut Patrick Riederer zur angestrebten Grossproduktion zudem ein Mehrwert an Kapazität und Qualität und mehr Leistung. Auch dieses Jahr will die Kabelproduzentin wie schon im Vorjahr rund 50 Stellen aufstocken. Weil die Firma ständig wächst, war der Standort im Dorf auch von der Logistik her zu stark gefordert. «Gerade für den Warentransport ist der Standort Witzberg mit Lastwagen besser zu erreichen als das Areal im Dorf», sagt Riederer. Im Frühling wird die Grossanlage im Quartier Witzberg eingeweiht. Dazu öffnet die Huber + Suhner AG am Samstag, 16. April, die Tore auch für die Bevölkerung. Die fertigen Kabel werden auf Rollen gewickelt, in der grossen Speditionshalle an der Tumbelenstrasse gelagert und von dort in alle Herren Länder versandt.Foto: Nicolas Zonvi

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