Zum Hauptinhalt springen

Reiche Leute gleich behandeln

Ausgabe vom 28.September «Verhaftung wirft Wellen» Ob die Verhaftung von Herrn Polanski rechtens oder rechtswidrig war und ob sie mit grösserem Feingefühl hätte vorgenommen werden können oder nicht, kann und will ich nicht beurteilen. Dazu reichen meine internationalen Rechtskenntnisse nicht aus. Mir fällt aber schon etwas recht Ausserordentliches bei den entsprechenden Reaktionen auf: Es sind vor allem Kunstschaffende und auch eher linksgrüne Kreise, welche die unverzügliche Freilassung Polanskis fordern und die eine Verhaftung eines geständigen Täters als schockierend und unverhältnismässig abkanzeln. Vor kurzer Zeit aber hatte das Schweizervolk darüber abzustimmen, ob Sexualverbrechen an Kindern lebenslänglich belangt werden sollen oder nicht. Dank der Unterstützung sehr engagierter Leute wurde diese Abstimmung gewonnen. Und wer waren diese engagierten Leute von damals? Es sind die gleichen Leute, die heute das genaue Gegenteil der Abstimmungsfrage fordern. Es sind aber auch immer die gleichen Leute, welche bei jeder sich bietenden Gelegenheit darauf bestehen, dass reiche und berühmte Leute gleich zu behandeln seien wie jeder andere Bürger auch. Das erscheint mir doch recht eigenartig. Gerhard HuberHerrenschwanden Es gibt leider zu viele Polanskis Es ist unglaublich, wie nun verschiedene Kreise versuchen, Polanski als Opfer darzustellen. Leider geschieht das in der Schweiz sehr oft, gerade im Zusammenhang mit der richterlichen Beurteilung von Pädophilen und Kinderschändern. Film- und Kulturschaffende, sonst im Anprangern von Ungerechtigkeiten richtigerweise an vorderster Front, finden nun, die Schändung eines 13-jährigen Mädchens durch einen Erwachsenen sei grundsätzlich schon zu verurteilen, aber nicht, wenn es sich beim Täter um einen «begnadeten Künstler» handelt. Auch ist es unglaublich, dass Herr Polanski, obschon seit vier Jahren mit internationalem Haftbefehl ausgeschrieben, weiterhin unbehelligt in seinem Chalet in Gstaad Ferien verbringen konnte. Begründung des Sprechers der Berner Kantonspolizei: «Tausende Personen werden per Haftbefehl gesucht. Wir können nicht allen nachspüren.» Da würde man bei der Polizei lieber schweigen, als eine so faule Ausrede zu bringen. Es gibt ja so viele Polanskis in der Schweiz! Michel WittwerKaufdorf >

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch