Zum Hauptinhalt springen

Reichle & de Massari nutzt die Erde als Energiespeicher

Unter dem neu erstellten Kubus der Firma Reichle & de Massari befindet sich modernste Technologie. Sie speichert Wärme für den Winter in der Erde.

Von Nina Santer Wetzikon – Mit dem kubischen Monolith sichert die Technologiefirma Reichle & de Massari 300 Arbeitsplätze in Wetzikon. Gestern hat sie den neuen Firmensitz an der Binzstrasse 32 offiziell eingeweiht. «Es ist möglich, in der Schweiz zu produzieren, aber nur mit einer effizienten Logistik», sagte Geschäftsleiter Peter Reichle. Der Neubau vereinigt Büros, Produktion und Logistik des Verkabelungsspezialisten unter einem Dach. Die frühere Aufteilung auf die Standorte Aawiesen und Binz habe oft zu logistischen Leerläufen und sinnlosem Mail-Verkehr geführt, so Reichle. Diese Probleme gehören nun der Vergangenheit an. Dem Kubus ist ein vollautomatisches Hochregallager angegliedert, das über 4500 Palettenplätze verfügt. Nun können logistische Arbeiten auf einem Raum von wenigen Quadratmetern verrichtet werden, die früher lange interne Transportwege mit sich brachten. 60 Sonden in der Erde Doch nicht alle Geschäfte kann Reichle & de Massari (R&M) von Wetzikon aus tätigen. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 600 Angestellte und verfügt über Hubs in Osteuropa, Singapur und Dubai. 2009 erwirtschaftete es einen Umsatz von 192 Millionen Franken. R&M setzt aber nicht allein auf Effizienz, sondern auch auf Nachhaltigkeit und beim Energiebedarf in ihrem Neubau auf modernste Technologien. Begünstigt durch seine Form ist der Bedarf an Energie im Kubus gering. Den Rest deckt R&M mit einer Energie- und Anlagentechnik ab, welche die Erde als Speicher nutzt. Ein Gesamtsystem aus Haus und Speicher sorgt dabei rund um die Uhr für Ausgleich. Über 60 Sonden, die bis zu 250 Meter tief ins Erdreich ragen, werden Abwärme, die Menschen und Maschinen täglich produzieren, im Erdspeicher unter dem Gebäude einlagern. Dabei wird ein Raum im Umkreis von fünf Metern rund um eine Sonde erwärmt. Im Winter wird 18 Grad warmes Wasser aus dem Erdreich heraufgepumpt, um mit Wärmepumpen eine höhere Raumtemperatur zu erreichen. Modernstes Low-Energy-Haus «Hier wird ein neues Zeitalter in der Energietechnik eingeläutet», ist Thomas Gautschi, Geschäftsleiter beim Ingenieur-Unternehmen Amstein + Walthert, überzeugt. R&M könne so den Verbrauch von Primärenergie um 90 Prozent und den CO2-Ausstoss um 80 Prozent reduzieren. Auf Erdgas oder Heizöl wird im Kubus gänzlich verzichtet. Die Erde kann aber nur dort als Wärmespeicher genutzt werden, wo keine Grundwasserströme fliessen. In Wetzikon ist laut Hans Hess, Präsident des R&M-Verwaltungsrats, das «grösste und modernste Low-Energy-Gebäude in der Schweiz» entstanden. Auch die ETH Zürich will beim Bau der Science City auf dieses Energiekonzept setzen. Gekostet hat der Neubau rund 50 Millionen Franken – die grösste je getätigte Investition in der 46-jährigen Firmengeschichte. Dass R&M auch während der Wirtschaftskrise investiere, sei für das Familienunternehmen typisch. «Hier denkt man langfristig», sagte Hess, «in Generationen, nicht in Quartalsabschlüssen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch