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Rüschlikon will Stromleitungen anfechten

Der Bund hat die oberirdische Stromleitung zwischen Horgenberg und Zürich genehmigt. Das erzürnt die Gemeindepräsidenten.

Von Philipp Kleiser Rüschlikon – Die Gemeinde Rüschlikon will den Kampf gegen die oberirdische Hochspannungsleitung zwischen Thalwil und Kilchberg vor Bundesverwaltungsgericht weiterführen. «Wir werden mit grosser Wahrscheinlichkeit vor Gericht gehen. Unser Jurist eruiert allfällige Angriffspunkte, um den Entscheid des Bundesamtes für Energie umstossen zu können», sagt Gemeindepräsident Bernhard Elsener (CVP). Das Amt hatte letzte Woche das Freileitungsprojekt Horgenberg–Thalwil–Zürich genehmigt. «Das Vorhaben ist gesetzeskonform und wird vom Bundesamt für Energie als umweltverträglich eingestuft», sagt Erwin Schärer, Mediensprecher der Netzbetreiberin Axpo. Keine Einigung Unterstützung beim gerichtlichen Vorstoss erhält Rüschlikon von den anderen Bezirksgemeinden. Dass Hochspannungsleitungen in den Boden gehören, findet die Gemeindepräsidentenkonferenz (GPK) schon lange. Am Mittwoch haben die Behördenvertreter der Forderung erneut Ausdruck verliehen – persönlich. Die GPK lud Vertreter der Unternehmen SBB, EWZ und Axpo ein, um sich aus erster Hand über die projektierten Infrastrukturen im Bezirk Horgen zu informieren. Das Treffen fand zwar in «guter Atmosphäre» statt, bestätigen sowohl GPK-Präsidentin Christine Burgener (CVP) als auch Axpo-Mediensprecher Erwin Schärer auf Anfrage. Genützt hat es aber nichts. «Keine Einigung zu den projektierten Hochspannungsanlagen im Bezirk», heisst es unmissverständlich in der gestern versandten Medienmitteilung der GPK. Streitpunkt war auch bei diesem Treffen die Leitung Samstagern–Thalwil–Zürich und speziell das Teilstück zwischen Thalwil und Kilchberg. «Eine Freileitung mit bis zu 60 Meter hohen Betonmasten im Siedlungs- und vor allem im Erholungsgebiet von regionaler Bedeutung nehmen die Gemeindevertreter nicht einfach hin», sagt Thalwils Gemeindepräsidentin Christine Burgener. Dies umso mehr, als weder von den Netzbetreibern noch von den Bewilligungsinstanzen eine Verkabelung je ernsthaft geprüft worden sei. «Zumindest wurden die Ergebnisse einer solchen Vorprüfung den Gemeinden nie transparent offengelegt», sagt Christine Burgener. Im Boden ist es dreimal teurer Neben der mangelnden Transparenz kam beim Treffen auch die Kostenfrage ins Spiel. Eine im Auftrag der Gemeinde Rüschlikon verfasste Studie der Ingenieurfirma Ernst Basler + Partner, Zürich, hat gezeigt, dass eine Teilverkabelung der umstrittenen Strecke nur zwei- bis dreimal teurer als die Freileitung würde – und nicht zehnmal teurer wie propagiert. Die Netzbetreiber haben die Zahlen zur Kenntnis genommen. Die Kosten bei Kabel- oder Freileitungen seien aber nur ein Aspekt, sagt Harry Graf, Sprecher der Elektrizitätswerke der Stadt Zürich, die für das Projekt verantwortlich zeichnen. «Es sind auch die rechtlichen, baulichen, landschaftlichen und betrieblichen Gesichtspunkte zu berücksichtigen.» Auch Axpo-Sprecher Schärer betont, die Unternehmen seien bei einer ganzheitlichen Betrachtung zum Schluss gekommen, dass im Abschnitt eine Freileitung die richtige Lösung sei. «Vielleicht sollten heute andere Kriterien gelten als vor zehn Jahren», sagt dagegen Christine Burgener. Die GPK fordert deshalb, dass für Hochspannungsleitungen weiterhin eine Verkabelung unter Nachhaltigkeitskriterien geprüft wird, zum Beispiel mit einer Tripel-Budgetierung, die ökonomische, ökologische und soziale Verträglichkeit miteinbezieht. «Das Resultat sollte transparent dargelegt werden, um der Sensibilität der Bevölkerung Rechnung zu tragen.» «Die Betreiber haben eine Verkabelung derHochspannungsleitungennoch nie ernsthaft geprüft.» Christine Burgener, Präsidentin GPK

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