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Schafroths Unterschriften sind ungültig

In Gurzelen ist die Wahl eines Mitglieds der Rechnungsprüfungskommission verschoben worden. Weil der einzige Kandidat einen unüberlegten Fehler machte, sind die Unterschriften, die er für sich gesammelt hat, ungültig.

In Gurzelen ist es nicht schwierig, Leute zu finden, die sich im Gemeinderat oder einer Kommission engagieren wollen – es ist extrem schwierig. So gelang es etwa Ende des letzten Jahres nur mit Ach und Krach, den Gemeinderat neu zu bestellen. Unter diesen Umständen, sollte man meinen, sind alle heilfroh, wenn sich jemand freiwillig für ein Amt meldet. Doch dem ist nicht so. Für Sonntag, 27. September, war in der kleinen Gemeinde nordwestlich von Thun die Ersatzwahl eines Mitglieds der Rechnungsprüfungskommission angesetzt. «Dieser Posten reizte mich sehr», sagt Erwin Schafroth (Bild). Erfahrungen mit Finanzen sammelte er während zehn Jahren als Kassier eines Vereins, und die Kommissionsarbeit kannte er ebenfalls, schliesslich war er früher bereits Mitglied der Baukommission gewesen. Die kalte Dusche Schafroth holte auf der Gemeindeverwaltung eine Liste und sammelte die Unterschriften von 50 Bürgerinnen und Bürgern, die ihn unterstützten – nötig gewesen wären lediglich zehn. Doch nachdem er die Liste eingereicht hatte, kam die kalte Dusche. Die Gemeinde teilte ihm mit, dass seine Unterschriften ungültig seien und die Ersatzwahl in die RPK auf den 29. November verschoben werde. Doch was war passiert, dass Erwin Schafroth nicht still gewählt werden konnte, da kein anderer Wahlvorschlag eingegangen war? Nichts Böses gedacht «2003 kam der damalige SVP-Präsident zu mir und fragte mich, ob ich, obwohl nicht Mitglied, für seine Partei in die Baukommission wolle. Ich sagte Ja, wurde gewählt und war bis zum Ende der Legislatur in der Kommission», erinnert sich Schafroth. Aufgrund dieses Engagements machte Schafroth heuer den verhängnisvollen Fehler, der ihn das Amt kostete. Er ging nämlich davon aus, dass die SVP noch immer hinter ihm steht und überschrieb die Unterschriftenliste für die RPK mit SVP parteilos. «Ich gehöre der Partei zwar nicht an, vertrete aber ihr Gedankengut und dachte mir nichts Böses dabei, als ich die Abkürzung über die Liste schrieb.» Doch leider dachte er auch nicht daran, die örtliche SVP-Spitze um grünes Licht zu bitten. Beschwerde angedroht Der SVP-Vorstand wandte sich an die Gemeindepräsidentin. «Sie erklärten, Erwin Schafroth habe die SVP nie angefragt und diese unterstütze die Kandidatur auch nicht», sagt Erika Kaufmann (SVP). «Man drohte uns sogar eine Wahlbeschwerde an.» Die Gemeinde holte Rat beim kantonalen Amt für Gemeinden und Raumordnung. Dieses erklärte gemäss Erika Kaufmann, dass die Unterschriften auf Schafroths Liste ungültig seien. «Ein Rückenschuss» «Das ist die Höhe, das lasse ich mir nicht bieten», sagte Schafroth gegenüber dieser Zeitung. Im Dorf gehe das Gerücht um, er habe «bschisse». Dabei habe er sich wirklich nichts Böses dabei gedacht, sagt Schafroth immer wieder. Er verteilte ein Flugblatt in der Gemeinde und suchte das Gespräch mit dieser Zeitung. «Dass der SVP-Präsident sich gegen meine Kandidatur sperrt, empfinde ich als klaren Rückenschuss.» Andere Vorstandsmitglieder der SVP Gurzelen seien derselben Meinung. «Was ich gar nicht verstehen kann, ist folgendes: Zuerst signalisierte SVP-Präsident Hodler, es komme dann schon gut. Warum er seine Meinung geändert hat, weiss ich nicht.» «Solche Signale habe ich nie ausgesandt», kontert Hodler. «Das dürfte ich von mir aus gar nicht, dazu wäre ein Entscheid der Partei nötig.» Im Vorstand sei die Entscheidung mit 3:1 Stimmen gegen Schafroths Kandidatur gefallen. Doch der Beschluss sei nicht gegen Schafroth als Person gerichtet. «Wir haben bereits ein Mitglied in der RPK, deshalb besteht für uns kein Handlungsbedarf, jemanden zu nominieren.» Zudem gehe es ums Prinzip: «Man darf einfach nicht im Namen einer Partei kandidieren, ohne es mit ihr abgesprochen zu haben!» Nicht noch einmal Erwin Schafroth steht es frei, auf der Gemeinde einen neuen Unterschriftenbogen zu holen und bei denselben 50 Leuten noch einmal anzuklopfen. Doch daran denkt er im Moment nicht: «Es ist nicht lustig, alle noch einmal abzuklappern und ihnen den ganzen Sachverhalt zu schildern.» Trotzdem will er die Sache nicht auf sich beruhen lassen. Gegen die Ungültigkeitserklärung der Gemeinde hat er beim Regierungsstatthalteramt Belp Einsprache erhoben. Marc Imboden>

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