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Scharfe Attacke gegen kleines Gestüt

Pferde putzen, reiten,

Martin Graf und Andrea Käser führen in Heiligenschwendi den Pferdezuchtbetrieb Le Vainqueur. Und wo Pferde sind, sind immer auch junge Mädchen, die die grossen Tiere umsorgen wollen. Bis jetzt sind sie jeweils am Mittwoch Nachmittag auf den Hof gekommen, haben im Stall und bei der Pferdepflege mitgeholfen und durften dafür ausreiten. Doch das passt einer Einwohnerin (Name der Redaktion bekannt) nicht. Sie reichte beim Regierungsstatthalteramt eine Aufsichtsklage ein und monierte, dass Graf und Käser einen gewerbemässigen Reitbetrieb führen, ein Pensionspferd hätten und einen Reitplatz unterhalten würden. Dies alles geschehe auf Landwirtschaftsland und sei in ihrem speziellen Fall verboten. Das Statthalteramt spielte den Ball an die Gemeinde weiter, diese wies Graf/Käser mit einer Wiederherstellungsverfügung an, den Reitbetrieb einzustellen, das Pensionspferd loszuwerden und die Weide nicht als Reitplatz zu benutzen. Ohne Bezahlung «Dass wir ein gewerbemässiger Reitbetrieb sein sollen, ist lächerlich», sagt Andrea Käser. «Wir haben keine Halle, keinen Reitplatz, und die Ausritte mache ich mit den Mädchen, ohne daran zu verdienen.» Käser hat Jugend&Sport-Kurse besucht und betreut im Kavalleriereitverein Thun die Junioren. «Die Arbeit mit den Mädchen verstehe ich als Jugendförderung. Ich biete den Mädchen eine Möglichkeit, ihre Freizeit sinnvoll zu nutzen.» Nicht alle Pferde auf dem Hof gehören Graf/Käser. Eines ist im Besitz einer jungen Bekannten von ihnen. «Sie bezahlt das Futter und hilft im Stall mit», sagt Martin Graf. Für ihn ist ebenfalls klar: «Von einer gewerbemässigen Pferdepension kann bei uns keine Rede sein. Eine solche wollen wir auch gar nicht.» Graf und Käser widersprechen auch der Darstellung, dass sie einen Reitplatz hätten. «Wir haben lediglich ein Stück Weide abgezäunt, damit wir dort mit unseren jungen Pferden an deren Grundausbildung arbeiten können», sagt Andrea Käser. «Ab und zu dürfen auch die Mädchen dort reiten.» Nicht nur zum Schlachten Martin Graf hat den landwirtschaftlichen Betrieb 2006 von seinen Eltern übernommen. Er vermarktet seither diverse Produkte wie Fleisch direkt ab Hof. «Ich will aber auch Tiere halten, die nicht für die Schlachtbank bestimmt sind, und suchte nach einer Alternative.» Andrea Käser und er sind beim selben Arbeitgeber in Thun angestellt und kennen sich schon lange. Deshalb konnte er Pferde von der Familie Käser übernehmen. Er kaufte noch Stuten dazu, und seither züchten die beiden Warmblüter und Ponys. Anwalt eingeschaltet Dass besagte Einwohnerin ihnen nun Knüppel zwischen die Beine werfen will, nehmen sie nicht hin, sondern haben den Thuner Rechtsanwalt Daniel Iseli mit ihrer Angelegenheit betraut. «Wir prüfen nun die Wiederherstellungsverfügung auf dem Beschwerdeweg auf ihre Rechtmässigkeit», sagte dieser gegenüber dieser Zeitung. «Wir fragen: Ist das Reitenlassen von Kindern auf dem Pferdezuchtbetrieb tatsächlich gewerblich? Nach unserer Ansicht nicht – aber es fehlen klare Präzedenzfälle.» Nach Iselis Ansicht sollten Graf/Käser auch das Pferd ihrer Bekannten beherbergen dürfen, da sie dadurch keinen Gewinn erzielen. Was den sogenannten Reitplatz betrifft, würden sie die Verfügung akzeptieren: «Wir werden nun auf ordentlichem Weg ein Baugesuch einreichen, um einen richtigen Ausbildungsplatz bauen zu können.» Und die andere Seite? Der Gemeinderat äussert sich in dieser Angelegenheit nicht: «Unsere Meinung in dieser Angelegenheit hat nichts mit dem rechtlichen Verfahren zu tun. Da dieses zurzeit noch läuft, geben wir keine Stellungnahme ab», sagte Vizegemeindepräsident und Bauvorsteher Christian Zwahlen auf Anfrage. Auch die Bürgerin, welche die Aufsichtsklage eingereicht hat, ist nicht gerade das, was man auskunftsfreudig nennt. Sie verweigerte jegliche Stellungnahme und beendete das nur wenige Sekunden dauernde Telefongespräch mit dieser Zeitung, indem sie ohne Vorwarnung den Hörer auflegte. Marc Imboden>

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