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Schlaftrunkener zog Notbremse – und suchte das WeitePendler-Chaos: Schlaftrunkener zog Notbremse und brannte durch

Die SBB prüfen eine Anzeige gegen einen Fahrgast, der gestern die Notbremse zog und darum im Schienennetz ein Chaos anrichtete. Er hatte offenbar verschlafen.

Pendler-Chaos Von Silvio Temperli Zürich – Diese mutmassliche Schlafmütze dürfte nicht so bald wieder im Zugsabteil vor sich hindösen. Weil ein Reisender es am Dienstagmorgen kurz vor 8 Uhr versäumte, an der Endhaltestelle in Altstetten auszusteigen, brockte er Tausenden von Pendlerinnen und Pendlern erhebliche Verspätungen ein. Nachdem alle Fahrgäste den Zug verlassen hatten, wurde die leere S-Bahn mit ihm als einzigem Passagier von Altstetten Richtung Wettingen gezogen. In Schlieren, auf der Höhe des Bahnhofs, soll der müde Fahrgast erwacht sein. Er zog die Notbremse, sprang aus dem Wagen und machte sich über drei Nachbargleise auf und davon. «Unerkannt ist er abgehauen», sagte SBB-Sprecher Reto Kormann. Er dürfte dann über die Medien davon erfahren haben, welches Chaos er auf dem Streckennetz verursacht hatte.Der Zug stoppte ausgerechnet auf einem sogenannten Streckentrenner, einer Schutzstrecke zwischen Schlieren und Dietikon. Weil sich als Folge der Notbremsung der Stromabnehmer der Lokomotive senkte, entstanden ein sogenannter Plasmabogen und grosse Hitze, wie Kormann erläutert. Dadurch wurde ein Stück der Fahrleitung durchtrennt und stürzte auf den Boden. Dabei touchierte das Ende der Leitung einen Wagen, und der starke Stromfluss beschädigte den Zug. Hierauf schaltete das Sicherheitssystem den Strom aus. Wie teuer die SBB dieser folgenschwere Zwischenfall zu stehen komme, lasse sich noch nicht abschliessend beurteilen. Es gibt keinen fixen Bussentarif Bei den SBB ist nun eine Strafanzeige gegen unbekannt «in Prüfung», wie Kormann auf Anfrage sagte. Einen fixen Bussentarif für einen solchen Vorfall gebe es nicht, er richte sich nach den Folgen der Notbremsung: nach den Schäden am Material, nach der Anzahl Verspätungen, nach dem Imageverlust sowie nach allfälligen Regressforderungen Dritter. Das kann zu einer Busse von bis zu 10 000 Franken führen. Sollte ein Zugspassagier wegen der Streckenblockierung beispielsweise einen Flug verpasst haben, kann er Forderungen geltend machen. Als Folge des Zwischenfalls waren auf der Strecke Zürich–Olten bis 14.30 Uhr lediglich zwei von vier Gleisen befahrbar. Das vierte Gleis konnten die SBB gegen 20 Uhr wieder in Betrieb nehmen. Die Reisenden mussten in der morgendlichen Rushhour Verspätungen von bis zu einer halben Stunde in Kauf nehmen. Die S 3, die zwischen Aarau und Wetzikon verkehrt, fiel zwischen Schlieren und Dietikon aus. Von der Störung waren 470 Züge betroffen. Sie fuhren gemäss Kormann Verspätungen von insgesamt 3700 Minuten ein.

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