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Schorle, Eistee und Schirme sind am Thurella-Ausverkauf begehrt

Mit einem Rampenverkauf verabschiedete sich der Eglisauer Getränkehersteller am Samstag von seinem Standort am Rhein.

Von Ruth Gantner Dackermann Eglisau – Eigentlich soll der Rampenverkauf bei der Thurella in Eglisau erst um 8 Uhr beginnen. Doch am Samstagmorgen stehen Patrik Schibli und Ralph Hangartner bereits um 7.15 Uhr Schlange, um Sonnenschirme und Tischchen zu erstehen. Das frühe Aufstehen hat sich für die beiden 24-Jährigen nicht gelohnt, denn die wenigen zum Verkauf stehenden Schirme sind bereits nach wenigen Minuten weg. «Das ist nicht so schlimm», lacht Schibli. «Stattdessen haben wir halt Getränke für den Eigengebrauch gekauft – Eistee und sauren Most.» Die Sonnenschirme hätten sich gut für die Rhibühne Eglisau geeignet. «In einem neuen Stück geht es ums Campieren, da würden solche Requisiten gut passen», sagt Schibli, der im Laientheater für die Technik zuständig ist. Kollege Hangartner nimmt die Sache sportlich. «Wir sind zum ersten Mal an einem Rampenverkauf und keine Jäger. Schade ist aber, dass so ein renommierter Konzern wie die Thurella aus Eglisau verschwindet.» Weitere Verkäufe im März Auf Schnäppchenjagd sind auch Heidi und Martin Manser. Rechtzeitig aus den Skiferien zurückgekehrt, um den Rampenverkauf nicht zu verpassen, laden sie harassweise Apfelsaft ins Auto. Dazu kommen Gläser, je sechs Stück zu einem Franken, und als Überraschung für die Kinder drei Rucksäcke dazu. «Da werden sich unsere Mädchen freuen», ist Heidi Manser überzeugt. Bis jetzt sieht es gut aus», zieht Verkaufsleiter Yves Doutaz bereits um 9 Uhr Bilanz. «Obwohl ich noch keinen Kassensturz gemacht habe.» Dass auch er am Schluss des Tages nicht mit leeren Händen heimgehen will, weiss er bereits: «Eistee und Apfelschorle werde ich sicher noch kaufen.» Shorley und Rittergold seien der absolute Renner, sagt Kommunikationsleiter Peter Stephani. Der Rampenverkauf sei ein Schuss ins Blaue gewesen, doch der Ansturm ein Zeichen des Erfolgs. Er kündigt an, dass im März und im April wohl nochmals Rampenverkäufe stattfinden werden, bevor Ende Juni die Lagerhallen definitiv geräumt würden. Vier Fünftel der Anlage ungenutzt Man wolle mit der Aktion keinen Gewinn erzielen, sagt Stephani, aber die bestehende Ware solle noch unter die Leute gebracht werden. «Die eine oder andere Flasche Obi oder Rittergold wird als Erinnerung bestimmt auf einem Regal landen und einst Sammelwert haben», lacht er und schleppt für den nächsten Kunden mehrere Harasse an. In der 1924 gegründeten Mineralquelle Eglisau wurden jahrzehntelang die Flaschen der heutigen Kultmarken Orangina und Vivi-Cola abgefüllt. Thurella übernahm 2003 das Werk von Feldschlösschen, diese füllte aber weiterhin in Eglisau einen Teil ihrer Getränke ab. Noch vor rund vier Jahren prophezeite Thurella dem Werk in Eglisau eine goldene Zukunft und investierte 20 Millionen Franken in ein modernes Hochregallager. Kaum investiert, kam der Schock: 2009 verzeichnete Thurella einen Verlust von 57 Millionen. Dies vor allem, weil das Unternehmen nur ein Fünftel der neuen Abfüllanlage nutzen konnte. Fremdnutzer fanden sich kaum. Im März 2010 verkündete auch die Feldschlösschen Getränke AG, dass sie die Schweppes-Abfüllung künftig nicht mehr in Eglisau durchführen werde. Im Juli gab Thurella bekannt, dass sie den Standort in Eglisau per Ende 2010 aufgeben will. 81 Angestellte verloren ihre Arbeit.

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