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«Schüler frisieren heute lieber Computer»«Schüler frisieren lieber Computer»

Paul Amslers Firma produziert seit 50 Jahren ein Gefährt, das praktisch aus Zürich verschwunden ist: das Töffli.

Töffli-Kult Mit Paul Amsler* sprach Marcel Reuss Es gibt sie noch: die motorisierten Zweiräder, die drei, vier Generationen von Jungen zu Töffli-Buben machten. Und: Sie werden noch immer hergestellt. Bei der Firma Amsler & Co in Feuerthalen, die heute als einzige Firma in der Schweiz noch Mopeds produziert. Herzliche Gratulation zum 50-Jährigen, Herr Amsler. Wie selbstverständlich ist das Jubiläum? Es ist es insofern nicht selbstverständlich, weil wir eine längere Durststrecke zu überwinden hatten. Lieferanten gaben auf, wir holten die Produktion zu uns nach Feuerthalen und sind heute wieder auf einem anständigen Niveau. Was heisst das in Zahlen? In den Sechzigerjahren verkauften wir bis zu 10 000 Mopeds im Jahr, in der Flaute waren es gerade noch um die 1000. Heute sind es wieder 1800. Wie kam es zum Einbruch? Der begann damit, dass wegen des Lärms die Handschaltungen verboten respektive Automaten Pflicht wurden. Dann kam 1988 die Katalysatorpflicht, welche die Preise um über 10 Prozent verteuerte, und als dritter Schlag das Helmobligatorium. Die Konkurrenz durch das neue Mountainbike half dann auch nicht. Dank unserer Marke Pony, die fast jeder Erwachsene kennt, konnten wir uns trotzdem halten. Auf dem Land? Ja, hauptsächlich. Weil die Arbeits- oder Schulwege hier oft querfeldein führen und Busse nicht in jede Siedlung fahren. Aus den Städten sind die Töffli weitgehend verschwunden? In ländlichen Städten und in der Romandie sind wir gut vertreten. Hilft ein Passfahrt-Event wie der von Red Bull? Kann schon sein, dass dadurch Leute das Moped als Freizeitvehikel neu entdecken, auch weil in der Verwandtschaft irgendwo noch eines rumsteht. Der Occasionsmarkt jedenfalls ist leer gefegt. Sehen Sie eine Chance, zurück nach Zürich zu kommen? Bei den reinen Städtern glaube ich nicht. Vielleicht bei Zuzügern. Unsere treuste Zürcher Kundin bleibt vorderhand die Securitas. Dort schätzt man das Moped, weil es preisgünstig ist, keinen Autoausweis erfordert und sich überall praktisch abstellen lässt. Was unterscheidet ein Pony von heute von einem von damals? Die Automatik, der Katalysator, moderne Federung. Im Grunde hat sich an der Grundausstattung aber wenig geändert, ausser dass wir optional noch Elektrostart und Blinkanlage anbieten. Und lässt sich das Pony von heute noch immer frisieren? Im Prinzip ja, nur interessiert das die Schüler von heute nicht mehr. Die frisieren lieber ihren Computer. * Paul Amsler, 50, ist Mitinhaber der Amsler & Co. und leitet die Geschäfte seit zwanzig Jahren.

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