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Sechs riesige «Bälle» im Stadion Letzigrund

Aus dem Fussballstadion wurde letzte Nacht ein Ballonstartplatz. Nach den sechs Gasballonen folgten in der Morgendämmerung zwölf Heissluftballone.

Von Ruedi Baumann Zürich – Rauchen war gestern Abend im Letzigrund strikte verboten, und der Sicherheitsdienst filzte die Zuschauer mindestens so streng wie bei einem Fussballmatch. Die sechs traditionellen Gasballone – heute wird fast nur noch mit Heissluft geflogen – wurden ab Tanklastwagen mit leicht entzündlichem Wasserstoff betankt, 1050 Kubikmeter pro Ballon. Wasserstoffballone sind in den USA seit dem Brand des Luftschiffs Hindenburg im Jahr 1937 verboten. Die Hindenburg fuhr mit Wasserstoff, weil die USA Hitler kein Helium lieferten. Und warum werden die Ballone in Europa nicht mit Helium gefüllt? «Helium ist viel zu teuer», sagt Ballonveteran und Sicherheitschef Erich Zweifel (71), «fünfmal so teuer wie Wasserstoff.» Die heutigen Zeppeline dagegen fliegen mit Helium. Wasserstoff statt Zürichgas 1949, beim letzten Start im Letzigrund, wurden die Ballone noch mit Zürichgas aus dem Gaswerk Schlieren gefüllt. Doch das Kohlengas entsprach dem Grundbedürfnis «leichter als Luft» nur knapp: Zürichgas bringt 450 Gramm Auftrieb pro Kubik, Wasserstoff 1,3 Kilo, etwas mehr als Helium. Die damaligen Ballone waren deshalb zwei bis dreimal grösser. Warten auf den letzten Jet «Starten dürfen die Ballone erst, wenn sie den Flughafen reingenommen haben», scherzte Zweifel. Gegen Mitternacht schwebten sie lautlos mindestens 300 Meter hoch über Zürich Richtung Mondfinsternis, stiegen auf 2000 Meter und fuhren mit Tempo 20 Richtung Bodensee. Zweifel hatte bei der Flugkontrolle eine maximale Flugzeit von 18 Stunden eingegeben. Sein Tipp: Bei Sonnenaufgang sind sie im Allgäu. Bis zur Landung müssen die Passagiere ihre Blase nicht auf die Folter spannen. «Da steigt man auf einen Sandsack und schifft über die Korbkante», sagt Zweifel. Grosser Vorteil dieser Methode: Im Ballon herrscht grundsätzlich Windstille, Mann muss sich nicht einmal um die Windrichtung kümmern. Den Frauen bieten die Ballonfahrer übrigens einen Sandsack an. Sand wird zur Regulierung der Höhe verwendet. Die zwölf Heissluftballone, die 2500 bis 4000 Kubikmeter gross sind, starteten laut fauchend morgens um vier Uhr. Sie können wegen der Gasvorräte nur drei Stunden in der Luft bleiben, dürften es laut Zweifel aber auch bis in den Thurgau hinein schaffen. Warten, bis der Flughafen in Kloten um 23.30 Uhr schliesst – vor der Startfreigabe wurden die Gasballone mit je 1,5 Tonnen Sand am Boden gehalten. Foto: Nicola Pitaro

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