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Selbst die Böen fand sie cool

Einmal mit Mami Helikopter fliegen – die Stiftung Wunderlampe machte diesen Wunsch einer geistig beeinträchtigten Bülacherin wahr.

Von Kathrin Morf Bülach – Immer höher schraubt sich der Helikopter in den wolkenlosen Himmel, und immer fröhlicher wird das Lachen von Melissa da Mota. Schliesslich erfüllt sich soeben der grösste Wunsch der Bülacherin, die mit einer geistigen Beeinträchtigung zur Welt kam: Endlich darf sie Helikopter fliegen, und das verdankt sie einer Freundschaft – einer Pendlerfreundschaft. Im Zug nach Winterthur, wo Melissa da Mota in einer geschützten Werkstatt Stühle zu flechten pflegt, lernte sie Lisbeth Casutt kennen, die im Auftrag der Stiftung Wunderlampe Wünsche erfüllt (siehe Kasten). Eines Tages blickte die Jugendliche sehnsüchtig in den Himmel, wo ein Helikopter seine Kreise zog. «In so einem will ich mit Mami fliegen», sagte sie – und Lisbeth Casutt schrieb sich das dick hinter die Ohren. Zum 20. Geburtstag ihrer Freundin, sagte sie sich, würde sie deren Traum vom Fliegen Realität werden lassen. Die Klotener Skymedia AG liess sich für die Idee begeistern, und Melissa da Mota strahlte übers ganze Gesicht, als sie erfuhr, dass sie bald abheben würde – wenn auch einen Tag später als geplant. «An ihrem Geburtstag war sie völlig ausgebucht», berichtet Lisbeth Casutt schmunzelnd. Melissa da Mota erzählt, dass ihr Bauch wie wild gekribbelt habe, als der Helikopter vor einer Woche startete. Herzsausen habe sie aber nie gehabt. Selbst dann nicht, als Böen den Heli schüttelten – «cool» fand sie das sogar. Bald liess der knatternde Eisenvogel das Unterland hinter sich, überflog die Stadt Zürich, Seen, winkende Spaziergänger. Am besten gefielen der 20-Jährigen die mächtigen Berge, die mit glänzendem Schnee überzogen waren wie Kuchen mit Zuckerguss. «Darum sind Helis besser als Flugzeuge», sagt sie. «Man sieht all das besser.» Gefallen fand sie aber auch an Pilot Sascha Fleischmann. Witzig und «herzig» sei er und habe seiner «Co-Pilotin» geduldig die unzähligen Schalter erklärt. «Mit Sascha würde ich gern noch einmal fliegen», meint sie. Ebendieser Sascha landete nach einer Weile auf dem Zugerberg, das Grüppchen gönnte sich eine Bratwurst im nahen Restaurant – und Melissa da Mota fiel ihrer Mutter Maria vor lauter Freude um den Hals. Nur kein Looping Ja, Mutter und Tochter verbindet eine innige Beziehung, haben sie doch gemeinsam viel durchgemacht. Als sie drei Jahre alt war, bemerkten die Ärzte, dass Melissa sich nicht entwickelte wie ihre Spielkameraden: Viel öfter war sie müde, brauchte für so manches länger. Erklärungen hierfür fanden die Mediziner trotz zahlreicher Untersuchungen aber nie. Dennoch meisterte die fröhliche Unterländerin ihr Leben prima – bis ihre Mutter vor sechs Jahren an Krebs erkrankte. Gross war Melissa da Motas Angst vor dem Verlust ihrer wichtigsten Bezugsperson. Mutter Maria gewann den Kampf gegen die Krankheit, verlor aber ihren Job. Seither schlagen sich die beiden mit einer kleinen Rente durchs Leben. «Dass sie gemeinsam diesen Flug erleben konnten, gibt ihnen die Kraft, nach vorne zu schauen», meint Lisbeth Casutt, und Maria da Mota nickt. Nach der Lunchpause flog Sascha Fleischmann übrigens zurück ins Unterland, wobei seiner jungen Passagierin das Lachen nur einmal verging – als ihr Fleischmann eröffnete, er wäre imstande, einen Looping zu vollführen. «Wenn du das machst», entgegnete Melissa da Mota, «fliege ich nie wieder in deinem Heli mit.»? «Dass Mutter und Tochter diesen Flug erleben konnten, gibt ihnen die Kraft, nach vorne zu schauen.» Lisbeth Casutt, Wunschbegleiterin Bevor sie wieder in den Helikopter steigt, fällt Melissa da Mota ihrer Mutter Maria um den Hals.Foto: PD

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