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Stäfa sind Glasfasern zu teuer

Während Meilen für teures Geld ein flächendeckendes Breitbandnetz baut, hat sich die Stäfner Werkbehörde nach einer Umfrage dagegen entschieden, da die Nachfrage zu klein ist und ein solches Projekt zu viel Geld kosten würde.

Von Petra Schanz 600 DVDs in 1 Sekunde über eine Distanz von 250 Kilometern übermitteln. So etwas ist in einem Glasfasernetz heute technisch möglich. «Das braucht kein Mensch», sagt René Holzer, Betriebsleiter der Stäfner Gemeindewerke (GWS). In der neusten Nummer des «Flash», dem Publikationsorgan der Werke, sind die Resultate einer Umfrage über ein Breitbandnetz in Stäfa veröffentlicht. Rund 250 Antwortkarten, etwa 3 Prozent, seien zurückgekommen. Die Analyse habe gezeigt, dass der grössere Teil der Bevölkerung mit den Übertragungskapazitäten der Telecomanbieter zufrieden sei und nicht dringend mehr Leistung beanspruche. Die GWS habe ausserdem eine Grobstrategie bezüglich Breitbandnetz ausgearbeitet. Mit dem Resultat, dass dafür Investitionen von 15 Millionen Franken nötig wären. Es bestehe ein Risiko, weil man nicht einschätzen könne, bis wann das investierte Geld wieder eingenommen werde, sagt Holzer. Die Werkbehörde sieht daher zurzeit keinen Grund, in die Breitbandtechnologie zu investieren. «Auch im Gemeinderat diskutiert man derzeit nicht über ein Breitbandnetz in Stäfa», sagt Gemeinderat Beat Salvisberg. Keine Quersubventionierung Ganz anders in Meilen. Die Gemeinde hat als erste am rechten Zürichseeufer vor eineinhalb Jahren den Bau eines flächendeckenden Glasfasernetzes in Angriff genommen. Fertig sein soll dieses in acht Jahren. Auch Meilen hatte eine Umfrage gemacht. 200 Meilemer wurden telefonisch kontaktiert. «Die Antworten haben uns darin bestärkt, das Breitbandnetz zu erstellen», sagt Christoph Eberhard, Geschäftsführer der Energie und Wasser Meilen (EWM) AG. Was das Glasfasernetz die EWM AG – die zu 100 Prozent der Gemeinde Meilen gehört – kostet, will Eberhard nicht sagen. Es sei aber im Rahmen dessen, was die Stäfner ausgerechnet hätten, also rund 15 Millionen. Allerdings herrsche in jeder Gemeinde eine etwas andere Ausgangslage. Könne man bestehende Rohre nutzen, durch die bereits die Stromleitungen führten, komme es günstiger. «Meilen verlegt schon seit etwa 20 Jahren Rohre bis in die Häuser hinein», sagt Eberhard. Das Geld für den Bau eines Breitbandnetzes darf nicht aus den Bereichen Strom oder Wasser stammen. «Quersubventionierungen sind gesetzlich verboten», sagt Renato Tami, Leiter der Elcom, der Eidgenössischen Elektrizitätskommission. So steht es im Stromversorgungsgesetz. Die EWM AG verwendet für den Bau ihres Breitbandnetzes eigene Reserven. Diese stammen zwar aus den Bereichen Strom, Wasser und Liegenschaften. Es handle sich aber nicht um eine Quersubventionierung, sondern um ein Darlehen, sagt Geschäftsführer Eberhard: «Das Geld muss wieder in die jeweilige Sparte zurückfliessen.» Wenn das Glasfaserprojekt zum Misserfolg würde, müsste die EWM AG die Investitionen abschreiben. Letztlich trägt der Aktionär das unternehmerische Risiko – also die Gemeinde Meilen. «Weil man damit rechnen kann, dass die Breitbandtechnologie tatsächlich kommt, ist das Risiko nicht so gross», sagt Eberhard. Ausserdem könnte die EWM AG die Abschreibung einer Investition in dieser Grössenordnung selber tragen. Stromversorgung unter Druck Obwohl die EWM AG zu 100 Prozent der Gemeinde gehört, entschied die EWM AG über den Bau des Netzes. Der Konzessionsvertrag erlaubt dies gemäss Eberhard. Entschieden hat der Verwaltungsrat, dessen Präsident der ehemalige Gemeindepräsident Hans Isler ist, nach Konsultation des Gemeinderats. In Stäfa bräuchte die Werkbehörde einen Auftrag des Gemeinderats, und über den Kredit für den Bau würden die Stimmbürger an der Urne abstimmen. So geschehen auch in Herrliberg. Eberhard findet das Vorgehen in Meilen in Ordnung: «Wir bauen das Netz ja nicht einfach zum Spass.» Man rechne damit, dass die Stromversorgung in naher Zukunft finanziell unter Druck komme. Deshalb sei das Glasfasernetz auch eine Möglichkeit, wirtschaftlicher zu werden. Keine «goldene Nase» Natürlich könne heute nicht gesagt werden, wie viele Breitbandnetzkunden man in Zukunft gewinnen könne. Aber Analysen aus grösseren Städten zeigten, dass die Investitionen in 15 bis 20 Jahren amortisiert werden könnten. «Eine goldene Nase kann man sich mit dem Bau eines Glasfasernetzes aber nicht verdienen», sagt Eberhard. Deshalb sei es auch sinnvoll, dass ein EW ein solches erstelle und allen Interessierten zugänglich mache. Die Energie und Wasser Meilen (EWM) AG ist derzeit mit der Swisscom in Verhandlungen, damit diese auch das Meilemer Glasfasernetz nutzt. Das ist möglich, weil Meilen ein vierfasriges Netz baut. Für die Swisscom ist es nur interessant, wenn sie eigene Glasfasern nutzen kann. Bei einem einfasrigen Netz müsste die Swisscom ihre Angebote – zum Beispiel der Geschwindigkeit des Netzes – der jeweiligen Gemeinden anpassen. «Das ist für uns schlicht unmöglich», sagt Swisscom-Mediensprecher Olaf Schulze. «Der Kunde erwartet von uns das gleiche Angebot, auch wenn er mal umzieht.» Wettbewerb sei deshalb nicht nur bei den Providern, sondern eben auch bei der Infrastruktur wichtig.(ps) Die Gemeinde Meilen lässt derzeit ein Glasfasernetz mit Anschlüssen in allen Haushalten verlegen.Foto: Keystone

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