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Steuererhöhung ist kein Tabu

Die Finanzvorsteher von Zollikon, Erlenbach und Meilen trafen sich zum Gedankenaustausch.

Von Linus Schöpfer Zollikon – Wenn die Qualität des Moderators den Wert eines Podiums widerspiegelt, dann war die Veranstaltung vom Donnerstag zweifelsohne bedeutsam: SF-Dompteur Reto Brennwald vertauschte für einmal «Arena» mit Aula und leitete im Schulhaus Buchholz eine Gesprächsrunde zum Thema «Arme reiche Gemeinde». Brennwald erachtete seinen unbezahlten Einsatz als Freundschaftsdienst an die Gemeinde Zollikon, in der er seit wenigen Jahren wohnt. Zum Podium eingeladen hatte das Forum 5W, gekommen waren die Finanzvorsteher Martin Byland (FDP, Zollikon), Beatrix Frey-Eigenmann (FDP, Meilen) und Ferdy Arnold (CVP, Erlenbach) sowie gut 50 Zuhörer. Anlass der Veranstaltung war die vertrackte Finanzsituation der Goldküsten-Gemeinden, die sich trotz hoher Steuerkraft ums Geld sorgen, weil die Ausgaben des Finanzausgleichs den eigentlich doch so potenten Ortschaften schwer auf der Tasche liegen. In Zollikon ist dieses Problem besonders ausgeprägt, weil die Gemeinde in den Jahren 2002 bis 2006 ihren finanziellen Spielraum mit einem ungewöhnlich tiefen Steuerfuss stark ausreizte. «Ausgeblutetes» Zollikon Eröffnet wurde der Abend mit einer Präsentation von Jürgen Schütt, der das Forum 5W auf dem Podium vertrat und ansonsten im Zolliker Gemeinderat als Bauvorstand wirkt. Schütt legte dar, weshalb Zollikon seiner Meinung nach schwerlich um eine Steuererhöhung herumkommt. Mehrmals bezeichnete Schütt die Gemeinde als «ausgeblutet». Zollikon liege bezüglich des Nettovermögens nur knapp über dem kantonalen Durchschnitt und sei somit klar die ärmste Gemeinde der Goldküste. Ein Aufbau von Reserven sei nun dringend angeraten. «Der Steuerfuss war zu lange viel zu tief, und jetzt stehen im Bildungsbereich und bei der Alterspflege grosse Investitionen an», mahnte Schütt. Sein Gemeinderatskollege Martin Byland, seit 2006 Hüter der Zolliker Finanzen, räumte ein, dass die Gemeinde Probleme habe und die Situation nicht so strahlend sei «wie in den Glanzprospekten». Auch Byland sah in einer Steuerhöhung eine valable Lösung, zumal er die Forderung des Parteikollegen und FDP-Ortspräsidenten Marc Raggenbass nach einer millionenschweren Effizienzsteigerung als unrealistisch taxierte. Eher kritisch gegenüber einer Erhöhung zeigte sich die Meilemerin Frey-Eigenmann. Sie gab zu bedenken, dass die Lebenshaltungskosten an der Goldküsten schon sehr hoch seien. Ferdy Arnold warnte die Zolliker vor Kurzschlusshandlungen. «Jetzt nicht das Tafelsilber verscherbeln», mahnte Arnold mit Hinblick auf den überhitzten Liegenschaftsmarkt. Vielmehr gelte es, die bestehenden Ressourcen zugunsten einer tragfähigen Gemeindestruktur einzusetzen. Für Arnold hat eine verbesserte soziale Durchmischung grössere Priorität als steuerliche Optimierungs-massnahmen. «Superreiche gehen nicht in die Feuerwehr», meinte Arnold und wies neuerlich darauf hin, dass mehr Reiche für die hiesigen Gemeinden derzeit paradoxerweise vor allem mehr Abgaben an den Finanzausgleich bedeuteten.

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