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Streit um 30 Franken eskalierte

Ein notorischer Gewalttäter soll in Adliswil einen Drogenkranken fast erwürgt haben – wegen 30 Franken, die ihm dieser schuldete.

Von Anja Müller Horgen – Von zwei Polizisten wurde der 44-jährige Deutsche gestern in Handschellen und Fussfesseln in das Horgner Gerichtsgebäude geführt. Angeklagt ist er wegen versuchter Tötung. Seit knapp 500 Tagen sitzt er im Gefängnis Dielsdorf in Untersuchungs- und Sicherheitshaft. Er soll in der Nacht auf den 1. August 2010 in Adliswil einen Bekannten derart massiv gewürgt haben, dass dieser kurzzeitig das Bewusstsein verlor – obwohl er wusste, dass sein Opfer schwer herzkrank ist. Laut Anklageschrift kam auch die Wohnungsbesitzerin nicht ohne Verletzung davon. Als sie mit vollem Körpereinsatz in den Streit eingreifen wollte, soll ihr der Deutsche Faustschläge ins Gesicht verpasst haben. Den Streit ausgelöst haben 30 Franken, die der Geschädigte – offenbar ein Drogenkonsument – dem Deutschen schuldete. «Alles gelogen», behauptete der Beschuldigte gestern vor Richter Bruno Derungs. Er habe seinem Schuldner lediglich eine Ohrfeige verpasst, um ihm die Leviten zu lesen. 12 Jahre in Gefängnissen Der Beschuldigte ist kein unbeschriebenes Blatt. Von 1983 bis 2007 wurde er in seinem Heimatland 15-mal wegen verschiedener Delikte verurteilt, unter anderem wegen Raub und gefährlicher Körperverletzung. Insgesamt 12 Jahre sass er in deutschen Gefängnissen in Haft. Ein psychiatrisches Gutachten schreibt ihm eine erhöhte Gewaltbereitschaft und geringe Frustrationstoleranz zu – vor allem nach Alkoholkonsum. Sein Verteidiger versuchte, das Gericht davon zu überzeugen, dass sein Mandant nicht «das Schlag- und Würgemonster sei», als das er von der Anklage beschrieben werde. Er verlangt einen Freispruch. Der «Drogenjunkie» habe sich die Verletzungen selber zugefügt. Anders sieht es der Staatsanwalt: «Dass der Geschädigte nicht starb, lag alleine am Eingreifen der Frau.» Mehrere ärztliche Befunde würden das lebensbedrohliche Würgen klar bestätigen. Er fordert 11 Jahre Gefängnis unbedingt wegen versuchter Tötung. Das Gericht wird am Donnerstag ein Urteil fällen.

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