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Streit unter Fischern artet aus Oberweninger Fahne sorgt für rote Köpfe

In Meilen verhedderten sich die Angelschnüre zweier Fischer, worauf einer den anderen über die Ufermauer stiess, floh und seither alles abstreitet.

Flaggenstreit?In Murten FR hängt eine Fahne mit einem Mohrenkopf. Einheimische stören sich am Oberweninger Wappen. Von Fahrettin Calislar Von Lorenzo Petrò Meilen – Es war ein schöner Tag im Frühsommer des vergangenen Jahres, als es am Meilemer Schiffsteg zu einem unschönen Streit kam. Abends kurz nach 19 Uhr schnitt der 45-jährige Ignacio Fernandes Alvarez* eine Angelschnur durch die sich mit der Schnur seiner Rute verheddert hatte. Was er nicht wusste: Es handelte sich dabei keineswegs um ein im See dahintreibendes «leeres Silch», wie Angler es nennen. Alvarez hatte eben die Angelschnur von Vater Valmir und Sohn Xhemajl Milovic* durchtrennt, die wenige Meter weiter ebenfalls ihrem Hobby frönten. Opfer ging bereits an Krücken Mehrere Zeugen können bestätigen, dass der folgende Streit zwischen den dreien eskalierte. Der jüngere Kosovare versetzte dem Spanier einen Schlag an die Schläfe oder zumindest einen derart starken Stoss, dass der Mann – er ging wegen einer Hüftoperation an Krücken – von der Hafenmauer hinunter in den See stürzte, genauer auf die dort im Wasser liegenden Bollensteine. Mit einer Gehirnerschütterung und Quetschungen an der Wirbelsäule blieb er liegen. Anstatt dem Verletzten zu helfen, verliessen Vater und Sohn den Tatort Richtung Dorfkern. Deshalb hatte sich der Sohn gestern Montag vor dem Bezirksgericht Meilen nicht nur wegen einfacher Körperverletzung, sondern zusätzlich auch wegen unterlassener Nothilfe zu verantworten. Seine Familie hatte dem 20-jährigen, Teilzeit in einem Recyclingunternehmen tätigen Angeklagten einen Anwalt zur Seite gestellt. Dieser wollte dem Gericht weismachen, dass Sohn Xhemajl zur Tatzeit gar nicht am Meilemer Schiffsteg gewesen sei. Genauso wenig wie Vater Valmir. Es müsse sich um einen anderen Täter gehandelt haben. Weder Opfer noch Zeugen hätten eine Täterbeschreibung abgeben können. Sein Mandant sei deshalb freizusprechen. Der Sohn hatte bereits bei seiner Einvernahme auf dem Stäfner Polizeiposten angegeben, zur Tatzeit mit seinen Schwestern am Markt auf dem Helvetiaplatz in Zürich gewesen zu sein. Ein Alibi, dass beide Schwestern stützten. Der Vater sei wegen eines Lungentumors auf eine Sauerstoffflasche angewiesen und könne deshalb die 500 Meter von der Wohnung der Familie an der Seestrasse bis zum Schiffsteg unmöglich zurückgelegt haben, erklärte der Anwalt. Ein Zeugnis des behandelnden Arztes, das dem Gericht vorlag, widerlegte diese Aussage jedoch: Der Gesundheitszustand des Vaters hätte dies durchaus erlaubt. Zeugin hörte Jugoslawisch Der Anwalt des Spaniers, der an einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet und deshalb selber nicht zur Verhandlung erschienen war, sprach von einer kaltblütigen Tat. Es sei bedauerlich, dass der Vater den Angeklagten decke, und erschreckend, dass man die Schwestern als falsche Zeugen zu Mittätern mache. Dies, obwohl mindestens fünf Zeugen übereinstimmend von einem Männerpaar vom Balkan, vermutlich Vater und Sohn, gesprochen haben. Eine Zeugin slawischer Herkunft hatte die Sprache der beiden als Jugoslawisch erkannt, einer der Zeugen konnte sich sogar an den Ohrring des Jüngeren erinnern. Weiter hatte das Opfer den Angeklagten und dessen Vater, den er vom Sehen her kannte, zweifelsfrei anhand von Fotos identifiziert. Es sei auszuschliessen, dass jemand anders die Tat ausgeübt habe, so der Anwalt des Opfers. «So viel Zufälle kann es nicht geben.» Die Tatsache, dass alle Zeugen die Vorfälle genau so schilderten, wie es das Opfer getan habe, würden dessen Glaubwürdigkeit unterstreichen. Ganz anders die Glaubwürdigkeit des Angeklagten und seines Umfeldes. So habe eine einfache Nachfrage bei der Zürcher Stadtpolizei ergeben, dass am Samstag zur Tatzeit auf dem Helvetiaplatz gar kein Markt stattfinde. Schweinerei, nicht Bagatelle Das Meilemer Bezirksgericht kam gestern noch zu keinem definitiven Urteil. Es stehe aber ausser Zweifel, dass es sich beim Angeklagten um den Täter handle, sagte der Einzelrichter. Weshalb er und seine Schwestern sich bald wegen der falschen Zeugenaussage wieder vor Gericht zu verantworten hätten. Die Tat sei keine Bagatelle, «sondern eine Schweinerei», ergänzte der Richter. Der Angeklagte müsse mit einer «empfindlichen» Strafe rechnen. Denkbar, dass das Gericht sich für eine härtere Strafe ausspricht als für die bedingte Geldstrafe von 1600 Franken, die die Staatsanwaltschaft verlangt hat. * Alle Namen von der Redaktion geändert. Das Sujet des Kopfes eines Afrikaners ist im In- und Ausland weit verbreitet. Die Wappenkundler sprechen vom «Mohrenkopf». So haben die Gemeinden Avenches, Möriken-Wildegg AG, Flumenthal SO und Mandach AG den «Mohr» im Wappen. Das Sujet schmückt auch den Siegelring des aktuellen Papstes Benedikt oder die Fahne der Insel Sardinien.Das Oberweninger Wappen zeigt «in Gold einen Mohrenkopf mit roten Lippen». Die Gemeindeversammlung hatte es im Jahr 1928 gut geheissen. Wahrscheinlich ist es auf das Wappen der Herren von Mandach zurückzuführen, die bedeutende Grundbesitzer in Oberweningen gewesen waren. Die Figur auf dem Mandacher Wappen soll den christlichen Märtyrer Mauritius darstellen, welcher der Anführer einer afrikanischen Legion der römischen Armee war. (fca) Oberweningen/Murten – Der Oberweninger Gemeindeschreiber Kaspar Zbinden kann den Ärger nicht nachvollziehen, den die Fahne seiner Gemeinde – zusammen mit einigen anderen – im Westschweizer Städtchen Murten ausgelöst hat. Doch Fragen zum Motiv seien ihm nicht unbekannt, allerdings nur von Auswärtigen. «Für die Einheimischen ist es nichts Ungewöhnliches oder Anstössiges – es ist einfach unser Gemeindewappen», sagt er auf Anfrage. Seit Wochen streiten die Murtener in den lokalen Zeitungen über das, was an ihren offiziellen Gebäuden hängen darf. Der Streit erreichte seinen Höhepunkt am Samstag, als die Fahnen-Gegner zu einer Demonstration in der Altstadt aufriefen. An die Kundgebung kamen aber nur fünf Personen und sie endete – typisch Romandie – in der Beiz bei einem «Ballon» Wein. Zurzeit läuft im Murtener Ortsmuseum eine Ausstellung zu Fremdem in der Schweiz. In diesem Rahmen erlaubte der Gemeinderat den Machern das Aufhängen von Fahnen von Schweizer Gemeinden, die eines gemeinsam haben: einen «Mohrenkopf» (Kasten). Nun prangt am Rathaus eben die Fahne von Oberweningen. Daran störte sich nun ein aus einem Nachbarort stammender Bürger mit dem klingenden Namen Olivier Kämpfer. Die Fahnen hätten ihn «befremdet», gab er der Lokalzeitung zu Protokoll. Sie seien ein Symbol einer Kultur, die mit der «unsrigen» nichts zu tun habe. In der Folge rief er in Inseraten zum Protest auf. Auf den Aufruf folgte eine zum Teil harsche Diskussion in den Leserbriefspalten. Die Reaktionen hätten ihr gezeigt, dass die Murtener ihren Symbolen Wert beimessen, sagte die Stadtpräsidentin in der Presse. Die Kritik einzelner Bürger habe ihn nicht überrascht, erklärt dazu der Museumsleiter Ueli Fiechter: «Das Andersartige gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen, was an sich gut und gewollt ist.» Die Mehrheit habe sich über die Ausstellung gefreut. Bald ist der spätsommerliche Wirbel vorbei. Ende Monat, wenn die Ausstellung beendet ist, wird in Murten wieder der traditionelle Löwe auf den drei Stadthügeln im Wind wehen. «Jemand anderes als der Angeklagte kommt als Täter nicht infrage. Soviele Zufälle kann es einfach nicht geben.» Der Anwalt des Opfers Die Oberweninger Fahne hat Gastrecht am Murtener Rathaus. Foto: Fahrettin Calislar

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