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Superreiche Drogensüchtige suchen Hilfe in Küsnacht

The Küsnacht Practice heisst die Anlaufstelle für prominente Alkohol- und Drogenkranke aus aller Welt. Die Therapie hier kostet mit allen Extras weit über 100 000 Franken pro Monat.

Von Daniel Fritzsche Küsnacht – Je dicker das Portemonnaie, desto grösser die Probleme. Diesen Eindruck erhält, wer mit den Leuten hinter der wohl exklusivsten Drogenentzugseinrichtung der Schweiz spricht. Zum Beispiel mit Jan A. Gerber. Der junge Mann ist Geschäftsführer von The Küsnacht Practice. Er begrüsst uns in den frisch bezogenen Büroräumlichkeiten der Firma in Zollikon. An den Wänden hängt moderne Kunst. Designermöbel stehen herum. Es ist ein schicker Ort. Ein Ort für die Upperclass und die VIPs – auch wenn Gerber bei diesen Begriffen die Nase rümpft. «Unser Zielpublikum sind Besserverdienende», sagt er. «VIP klingt etwas abschätzig.» Entzug für 1 Million Franken? In die Schlagzeilen geriet The Küsnacht Practice im letzten Juni, als die Pendlerzeitung «20 Minuten» spekulierte, ob der überdrehte britische Modeschöpfer John Galliano einen zweimonatigen Alkohol- und Drogenentzug am Zürichsee absolviert habe. Für einen Rundumservice inklusive Privatjet, Helikopter, Chauffeur, Koch und Sicherheitsteam soll Galliano laut dem Gratisblatt knapp eine Million Franken ausgegeben haben. Ob die Gerüchte stimmen oder nicht, lässt Gerber offen. «Über unsere Kunden sprechen wir nicht», sagt er. Nur so viel: Es seien Leute, die von weit her kämen und die schon in den teuersten Entzugskliniken der Welt gewesen seien. Viele von ihnen hätten die Hoffnung auf Heilung schon fast aufgegeben. Die Küsnacht Practice könne ihnen nicht nur helfen, sie gehe auch auf die Wünsche dieser Luxus gewohnten Kundschaft ein. «Wir können fast alles organisieren», sagt Gerber mit einem Lächeln. Die Behandlungen erfolgen nicht etwa in einer Klinik zusammen mit anderen Patienten, sondern einzeln in edel eingerichteten Appartements in Küsnacht und Umgebung. Wenn es der Gast bevorzugt, kann er auch im Dolder Grand in Zürich nächtigen, mit dem The Küsnacht Practice eine Partnerschaft eingegangen ist. Oder er residiert in einer Luxusvilla in St. Moritz. Die Therapie soll möglichst unauffällig über die Bühne gehen. «Viele unserer Patienten haben eine einflussreiche Stellung in der Gesellschaft», sagt Gerber. Deren Umfeld bekomme vom Entzug in der Schweiz oft gar nichts mit. Therapeut wohnt beim Kunden Während ihrer Zeit bei der Küsnacht Practice folgen die Patienten einem klar geregelten Tagesablauf. «Gerade Schauspieler, Politiker oder Unternehmer haben oft einen unsteten Lebenswandel: viel Stress und wenig Struktur», sagt Gerber. In einem solchen Umfeld sei es sehr schwierig, von einer Suchtkrankheit loszukommen. «Wir versuchen, den Lifestyle des Kunden zu ändern.» Während der Dauer der Behandlung wohnt ein Therapeut in derselben Wohnung wie der Patient und ist rund um die Uhr für ihn da – genauso wie eine Haushälterin und ein Butler. Psychotherapie ist nur eine von vielen Methoden, mit denen die Küsnacht Practice arbeitet. Suchttherapie sei eine komplexe Sache, sagt Gerber. Es gebe keine «magische Pille», mit der die Krankheit geheilt werden könne. Vielmehr würden verschiedene Wege zum Ziel führen. Eingriffe in die «Hirnchemie» Ein wichtiger Teil des Tagesablaufes sind Yoga, Akupunktur, Personal Training und andere komplementäre Therapien. Speziell auf die Fahne geschrieben hat sich die Institution am Zürichsee die «Hirnchemie», wie es Gerber nennt. «Wir möchten die chemische Balance im Körper des Drogenkranken wiederherstellen.» Dazu sind eingangs Blut- und Urintests nötig. Dann verabreicht ein Spezialist den Patienten Nahrungsmittelergänzungen, die ihm bei der Heilung helfen sollen. «Bereits nach Tagen oder sogar Minuten wird er sich besser fühlen», versichert Gerber. Lowell Monkhouse, der Spiritus Rector der Küsnacht Practice, nimmt für sich in Anspruch, solche Methoden zum ersten Mal weltweit ein- und zusammengeführt zu haben. Als der Kanadier vor 13 Jahren in die Schweiz zog, arbeitete er damals noch als Manager in einer grösseren Firma. Sein Interesse für die Suchttherapie entwickelte er erst später. Begonnen hat alles als Hobby Auslöser waren Freunde der Familie, die mit Drogenproblemen zu kämpfen hatten. Davon erzählten sie Monkhouse im Privaten. Dieser begann, seine suchtgeplagten Kollegen in seinem Wohnhaus in Küsnacht zu begleiten. «Du machst das gut», bekam er von ihnen zu hören – und so wurde aus einem Hobby mehr: Monkhouse begann Psychologie zu studieren und liess sich in den USA zum Suchttherapeuten ausbilden. Durch Mundpropaganda erarbeitete sich Monkhouse einen wachsenden Kundenstamm. Seit 2007 existiert die Firma The Küsnacht Practice. Angestellte und Businesspartner stiessen dazu. Heute arbeiten 14 Personen für die exklusive Entzugseinrichtung. Und diese läuft offenbar so gut, dass eine Expansion ansteht, wie Geschäftsführer Gerber verrät: «Wir sind gegenwärtig auf der Suche nach zusätzlichen luxuriösen Wohnungen in der Gegend.» In Appartements wie diesem finden die Behandlungen statt – Seesicht inklusive. Foto: PD

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