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Thomas Hardegger muss in Bern erst noch ankommen

Der neu gewählte SP-Nationalrat aus Rümlang inspizierte am Montag erstmals seinen neuen Arbeitsort. An der heutigen Wahl der Bundesräte erwartet er keinen Wahlkrimi.

Von Fabian Boller Rümlang – Mit der heutigen Bundesratswahl beginnt der Parlamentsalltag des neuen Unterländer SP-Nationalrats Thomas Hardegger mit einem Knaller. Selber erwartet der 55-Jährige aber nicht unbedingt einen Wahlkrimi. «Ich gehe eigentlich davon aus, dass alle Bisherigen bestätigt werden und der Sitz von Micheline Calmy-Rey wieder durch die SP besetzt wird», sagt er. Ob er denn auch seiner Prognose entsprechend wählen werde, will er nicht sagen – unter Berufung aufs Wahlgeheimnis. «Doch es dürfte in diese Richtung gehen», fügt er schmunzelnd an. Die SVP hätte mit ihrem Theater rund um die Nomination Bruno Zuppigers und dessen Rückzug den Anspruch auf einen zweiten Sitz in der Regierung vorerst verspielt. Der Tag des einzigen aus dem Bezirk Dielsdorf verbliebenen Nationalrats beginnt normalerweise früh. Hardegger steht jeden Tag kurz nach fünf Uhr auf. Da aber heute Montag ist, beginnt die Sitzung im grossen Saal erst um 14.30 Uhr. So blieb ihm vor der Reise nach Bern noch genügend Zeit, um an einer Sitzung im Rümlanger Gemeindehaus teilzunehmen. Denn Hardegger bleibt weiterhin Gemeindepräsident seines Wohnorts. Nach dem Treffen in Rümlang muss er beruflich noch ins Limmattal wegen einer Liegenschaft – der Sozialdemokrat betreibt eine kleine Firma für Immobilienverwaltung. Um 11.30 Uhr besteigt er den Intercity nach Bern. Auf dem Perron begrüssen ihn bereits erste Nationalräte, die aus dem Glarnerland angereist sind. Zwar erkennen die Parlamentarier den Rümlanger, seinen Namen kennen aber noch nicht alle – Hardegger ist im Bundeshaus ein Neuling. Dies weiss er auch selber. «Ich muss mir meinen Platz innerhalb der Fraktion und im Parlament erst noch erkämpfen», sagt er. Das sei ein grosser Unterschied zu seiner vorangehenden Arbeit im Kantonsrat, wo er nach zehn Jahren Präsenz Kompetenz erarbeitet und Respekt genossen hatte. Neu ist der breitere Fokus Ein bisschen Wehmut ist Hardegger anzumerken. Doch auch ein gewisser Stolz. «Ich begegne dem Amt mit einer Mischung aus Freude und Respekt», sagt er. Neu im Vergleich zum Kantonsrat sei vor allem der breitere Fokus und die Mehrsprachigkeit im Parlament – statt ums Zürcher Weinland geht es jetzt vielleicht ums Waadtland und statt um den Waidhaldetunnel um die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (Neat) und den Gotthard. Mittlerweile trifft der Intercity in Bern ein. Hardegger steigt aus und stapft strammen Schrittes in Richtung Bundeshaus. «Hoi Thomas!», rufen ihm einige Genossen zu, die am Bahnhof Unterschriften sammeln. Ein paar Schritte weiter stösst Ex-Kantonsrats- und Parteikollege Ruedi Lais aus Wallisellen zu ihm. Er wird im Bundeshaus an einer Sitzung der Verkehrskommission der SP teilnehmen. Auch Hardegger setzt sich dazu und hört aufmerksam zu. Gemeinsam erörtern die Genossen die Verlagerungspolitik auf der Neat und weshalb ein zweiter Gotthard-Strassentunnel nicht notwendig sei. Dann erst gehts ins grosse Rampenlicht des Nationalratssaals. Es herrscht emsiges Treiben. In der Wandelhalle laufen Lobbyisten, Journalisten und Politiker durcheinander. SVP-Präsident Toni Brunner schäkert auf dem Gang vor dem «Zeitungsstübli» mit der Serviertochter, und der Nationalrat der Grünen, Bastien Girod, rennt auf dem Weg zur Toilette fast einen Kollegen um. Dass Bundesrätin Doris Leuthard im Saal etliche Anfragen von Nationalräten beantwortet, scheint fast niemanden zu interessieren – ausser Thomas Hardegger. Er sitzt an einem Platz in der vordersten Reihe neben dem Zürcher Parteikollegen Martin Naef und hört aufmerksam zu. Im Hotel statt zu Hause Leuthard erklärt der Zürcher FDP-Frau, Doris Fiala, weshalb in einigen Baustücken der Neat-Röhren Risse entstanden und dass diese nicht auf Materialfehler zurückzuführen seien. Der Eglisauer SVP-Nationalrat Hans Fehr sitzt unterdessen fast als Einziger seiner Fraktion an seinem Platz, liest Zeitung und schüttelt dazwischen Christoph Blocher die Hand. Der SVP-Vizepräsident zeigt sich nur kurz im Saal, um auch gleich wieder zu verschwinden. Der Sitzungstag endet für Hardegger erst, nachdem er noch die Budgetdebatte im Nationalrat hinter sich gebracht hat. Anschliessend wird über etliche parlamentarische Initiativen diskutiert und abgestimmt. Mittlerweile ist es nach 22 Uhr. Nach einem Bier zusammen mit einigen Fraktionskolleginnen und -kollegen gehts ins Hotel. Heute übernachtet Hardegger in Bern. Wenn immer möglich fährt er aber zurück nach Rümlang. Schliesslich endet nicht jeder Sitzungstag erst so spät, und die Zeit im Zug kann Hardegger zum Arbeiten nutzen. Wo er die Nacht der langen Messer – die Nacht vor der Bundesratswahl – verbringen wird, weiss Hardegger noch nicht. «Die Nacht wird von den Medien auch sehr hochstilisiert», sagt er. Nur einzelne Parteiexponenten seien dann allenfalls noch aktiv. Möglicherweise werde er sich zurückziehen – vielleicht verschlage es ihn aber doch noch in eine Beiz.

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