Zum Hauptinhalt springen

Tibetische Firma ist eine Exotin

Die Firma Padma in Wetzikon produziert als Einzige in Europa tibetische Medikamente. Nun hat sie Millionen in eine neue Produktionsanlage investiert. Wachsen kann sie aber nur, wenn ihre Medikamente in EU-Ländern zugelassen werden.

Von Michael von Ledebur Wetzikon – Nelkenpfeffer, Akeleikraut, Gips, Ringelblumenblüten, Kardamom, Gartenlattich, Sandelholz, Isländisches Moos: Die Liste der Inhaltsstoffe von Padma 28 ist lang. Das wichtigste Medikament aus dem Hause Padma verspricht Hilfe bei Durchblutungsstörungen. Wie in der tibetischen Medizin üblich, soll eine Kombination von zahlreichen pflanzlichen und mineralischen Wirkstoffen Heilung bringen. Trotz der langen Liste – sie umfasst insgesamt 22 Wirkstoffe – ist die Herstellung simpel: mahlen, mischen und in Kapseln pressen. Komplex und zugleich einfach: Der scheinbare Widerspruch prägt die Firma Padma, die asiatische Heilmittel nach europäischen Standards produziert. Das einzigartige Unterfangen macht eine an sich einfache Produktion aufwendig und teuer. Jeder Wirkstoff wird zwischen jedem Arbeitsschritt im Labor geprüft. «Fünfmal ins Labor und zurück», umschreibt Geschäftsführer Herbert Schwabl die Prozedur. Würde Padma auf die Tests verzichten, könnte die Firma die Medikamente zu einem Zehntel des Preises herstellen, sagt er. Dann allerdings würde eine Produktion in Wetzikon kaum Sinn machen. Die Konkurrenz in Indien, Nepal, Russland und den USA fertigt tibetische Medizin ohnehin günstiger an. Bei diesen Produkten könne man aber nie wissen, ob sie Schwermetalle oder andere Verunreinigungen enthielten, sagt Schwabl. Arbeitsschritt neu in Wetzikon In den letzten Wochen hat Padma eine weitere Etappe auf dem Weg zum modernen Pharmaunternehmen zurückgelegt. Bisher wurden in Wetzikon lediglich die Wirkstoffe gemischt; gepresst wurden die Tabletten in Deutschland. Nun hat Padma diesen Arbeitsschritt ins Haus zurückgeholt und zugleich von Tabletten auf Kapseln umgestellt. Für zwei Millionen Franken wurde eine der modernsten Kapselabfüllanlagen der Schweiz angeschafft. Einzig das Mahlen der Stoffe wird weiterhin an ein Unternehmen in St. Gallen gegeben. Die gesamte Investition – inklusive Lüftungssystems nach Pharma-Standard sowie einer neuen Stromleitung – beläuft sich auf vier Millionen Franken. Kein Pappenstiel für das KMU, das jährlich elf Millionen Franken umsetzt und 40 Personen beschäftigt. Der Umbau wurde mit einem klaren Wachstumsziel vor Augen angepackt. Derzeit stellt Padma jährlich 20 Tonnen Medikamente oder 70 Millionen Kapseln her. Mit der neuen Produktionsstätte ist die dreifache Menge möglich. Wachstum will Geschäftsführer Schwabl im Ausland erzielen: «In der Schweiz ist der Markt gesättigt.» Der Exportanteil von 35 Prozent sei ausbaufähig, die Nachfrage vorhanden. Doch nicht nur die Gesetze des Markts entscheiden über Padmas Erfolg. Der Kampf um die Medikamentenzulassung erfordert Ausdauer, Zeit und Geld. In der Schweiz ist einzig Padma 28 als Medikament anerkannt, im Kanton Appenzell Ausserrhoden hingegen sind zehn Medikamente zugelassen. Schwabl, welcher der Präsident des Schweizerischen Verbands für Komplementärmedizinische Heilmittel ist, lobbyiert seit Jahren dafür, dass die kantonal anerkannten Medikamente schweizweit zugelassen werden. Erfolg in Österreich Ganz ähnlich verläuft der Kampf auf der europäischen Ebene. Weil die EU-Verträge den Gesundheitsbereich ausschliessen, muss Schwabl bei der Behörde jedes einzelnen Landes vorstellig werden. Vergangenen Dezember konnte er einen Erfolg verbuchen: Padma 28 wurde in Österreich als erstem EU-Land als Medikament anerkannt. Der Entscheid sei das Resultat von fünf Jahren Arbeit – wobei Schwabl im Austausch mit den Behörden seine Wiener Herkunft entgegenkam. Nun erhofft er sich eine Signalwirkung. Besonders interessant wäre der deutsche Markt. Was die Zulassung der tibetischen Medikamente erschwert, ist der Umstand, dass sie sich aus Dutzenden von Wirkstoffen zusammensetzen. Es sei schwierig aufzuzeigen, wie diese Stoffe zusammenwirkten, sagt der ausgebildete Biophysiker. «Anders als in der Schulmedizin kann man die Wirkung nicht auf ein einzelnes Molekül zurückführen. Ich kann nicht erklären, warum das Medikament wirkt.» Dass es wirke, sei hingegen durch Tests an Patienten belegt. Mit der neuen Kapselabfüllungsanlage hat die Firma Padma in ihre Zukunft als Pharmaunternehmen investiert.Foto: Nicolas Zonvi

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch