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Umstrittene Urlaubsreisen

Frankreichs Premier Fillon und Familie flogen privat auf Kosten Ägyptens.

Von Oliver Meiler, Marseille Privatferien, so erfahren die Franzosen mit Verwunderung und einiger Empörung, kommen die Damen und Herren Minister der Republik deutlich weniger teuer zu stehen als die einfachen Bürger. Zumal dann, wenn es sich um Ferien in Ländern handelt, zu denen die Minister von Amtes wegen eine freundschaftliche Verbindung pflegen: Tunesien und Ägypten etwa – die beiden Länder des arabischen Frühlings. Von Aussenministerin Michèle Alliot-Marie und ihrem Gatten Patrick Ollier, dem Minister für die Beziehungen zum Parlament, wurde letzte Woche bekannt, dass sie während der Jasminrevolution in Tunesien Ferien machten. Die blutigen Schauplätze der Revolte überflogen sie an Bord eines Privatflugzeugs, das einem Vertrauten des nunmehr geschassten Herrschers Ben Ali gehörte. Illegal war das zwar nicht, aber zumindest moralisch fragwürdig. Die Opposition fordert deshalb den Rücktritt der Ministerin. Nun berichtet die Wochenzeitung «Le Canard Enchaîné», dass zwischen Weihnachten und Neujahr auch Premierminister François Fillon mit Familie in den Ferien war: in Ägypten, auf Einladung von Hosni Mubarak. Für einen Ausflug zu einer schönen Tempelanlage charterte die Familie eine Maschine der Flotte der ägyptischen Regierung; für eine Bootsfahrt auf dem Nil war ebenfalls gesorgt. Alle Hotels und Essen waren bereits gebucht. Präventive Stellungnahme Fillon bestätigte den Bericht bereits am Dienstag – «aus Sorge um Transparenz», heisst es im Communiqué. Die Zeitung erscheint heute Mittwoch. Die Reise nach Ägypten, und darauf legt Fillon besonders Wert, erfolgte zwar mit einer Maschine des französischen Staatsdienstes. Er erwarte aber eine Rechnung dafür, deren Höhe dem Tarif der Luftwaffe entspreche. Konkreter wurde er nicht. Und zum Inlandflug in Ägypten schwieg er auch. Wahrscheinlich ist die präventive Stellungnahme der Geniertheit des Regierungschefs geschuldet. In den französischen Talkshows wird seit dem Fall der Aussenministerin animiert darüber debattiert, ob es den Ministern nicht verboten werden sollte, Geschenke dieser Art anzunehmen. Und ob die Grosszügigkeit der Geber nicht die Befangenheit der Beschenkten steigere – auch in politischen Belangen.

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