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Umstrittener Feuerplausch

Viele Gemeinden im Unterland halten am traditionellen Christbaumverbrennen fest. Obwohl offene Feuer seit 2010 verboten sind, drückt der Kanton Zürich ein Auge zu.

Von Fabian Boller Das Verbrennen von Christbäumen ist im Unterland weit verbreitet – aber nicht unumstritten. Oberembrach als Vorreiter führte das Verfeuern der Weihnachtstannen bereits vor zwanzig Jahren ein. Mittlerweile organisieren in mehr als jeder zweiten Unterländer Gemeinde ein Verein oder die Feuerwehr einen ähnlichen Anlass. «Das Fest ist beliebt und schwemmt den Vereinen noch ein wenig Geld in die Kasse», sagt Steinmaurs Gemeindeschreiber Urs Klingler. In seinem Dorf stellt der Feuerwehrverein den Anlass auf die Beine. Auf kantonaler Ebene hält sich die Freude an den zahlreichen Riesenfeuern in Grenzen. Denn eigentlich ist das Verbrennen von Garten-, Wald- und Feldabfällen per Verordnung von November bis Februar verboten. Das Verbot gilt seit dem 1. März 2010. Wer dagegen verstösst, kann bei der Polizei verzeigt und gebüsst werden. Grund ist die hohe Feinstaubbelastung in den Wintermonaten. Die feinen Partikel können sich unter dem zähen Hochnebel nicht verflüchtigen. Bei Hochnebel prekär Bei den Christbaumverbrennungen drückt der Kanton ein Auge zu. «Es ist sicher nicht sehr schlau, Christbäume zu verbrennen», sagt Wolfgang Bollack, Mediensprecher des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel). Doch man möchte nicht den Spielverderber spielen. Weil es sich bei den Dorfanlässen um Brauchtümer handle, seien diese weiterhin erlaubt. Dennoch rät der Kanton den Gemeinden, bei Hochnebel auf die Verbrennung zu verzichten. Die Gemeinde Neerach zum Beispiel hat diesen «Brauch» erst vergangenes Jahr eingeführt – dem Mahnfinger des Kantons zum Trotz. Damals sagte Gemeindeschreiber Martin Kurz, man werde darüber beraten, ob man das Verbrennen in Zukunft beibehalten wolle. Heute klingt es anders. «Ein Verbot war nie wirklich ein Thema», sagt Kurz. Man werde an diesem Anlass bis auf weiteres festhalten. Auch in Steinmaur hiess es letztes Jahr: «Der Anlass ist nicht in Stein gemeisselt.» Heute liegt ein Verbot in weiter Ferne. «Wir führen den Anlass traditionsgemäss durch», sagt Gemeindeschreiber Klingler. Skandinavische Tradition Blacky Betschart, Präsident des Motorradclubs Embrachertal Thors, kann sich nicht erinnern, das Christbaumverbrennen je wegen Hochnebels abgesagt zu haben. Regenwetter sei schon eher ein Problem, sagt Betschart. Sein Motorradclub führt den Anlass in Rorbas seit über zehn Jahren durch – mit grossem Erfolg. «Es ist jeweils ein Kommen und Gehen», so der Biker. Die 400 Würste, die sie anböten, seien im Nu weg. Die Tradition des Weihnachtsbaumverbrennens stammt ursprünglich aus Skandinavien. Dort werden die Bäume jeweils am 13. Januar, am sogenannten Knutfest, gemeinsam vom Weihnachtsschmuck befreit. Das ist vor allem für die Kinder ein Ereignis, da jeweils noch immer Süssigkeiten am Baum hängen. Anschliessend wird die Christtanne aus dem Fenster geworfen und dann oftmals eingesammelt und auf einem Haufen verbrannt. Wie es die Fernsehwerbung eines bekannten schwedischen Möbelhauses jeweils demonstriert. «Das fanden wir eine gute Idee», sagt Betschart von den Thors. Und da der Name ihres Motorradclubs ebenfalls aus dem Norden stamme, habe man sich entschieden, den Brauch zu übernehmen. Heute um 17 Uhr entfachen die Thors ihr Feuer bei der Boccia-Halle. Jeder darf seinen Baum vorbeibringen. Das Verbrennen von Garten-, Wald- und Feldabfällen im Freien ist im Kanton Zürich seit 2010 im Winter verboten. Erlaubt sind hingegen Brauchtumsfeuer und Grillfeuer im Freien. Auch der Schwedenofen und der Kamin zu Hause dürfen weiterhin eingefeuert werden, sofern getrocknetes Holz dazu verwendet wird. Den eigenen Christbaum im Cheminée zu verfeuern, ist laut Wolfgang Bollack, Mediensprecher des Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel), keine gute Idee. Wenn ein Grill- oder Brauchtumsfeuer im Freien entfacht wird, sollte ausschliesslich naturbelassenes Holz verbrannt werden ohne Verwendung von Brandbeschleunigern. (fab) Trotz Belastung der Umwelt werden auch heuer wieder Tannen verbrannt, wie hier in Eglisau vergangenes Jahr. Foto: PD

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