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Und plötzlich spinnen alle

Die Laienschauspieler des Dramatischen Vereins Uetikon haben das Publikum mit dem Schwank «Pension Schöller» an der Premiere am Samstag oft zum Lachen gebracht.

Von Bettina Zanni Uetikon – «Verruckt si», «spinne» oder «en Stich ha» – das sind die meist gesagten Worte im Stück «Pension Schöller». Kein Wunder: Im Lustspiel von Carl Laufs und Wilhelm Jacobi, das der Dramatische Verein Uetikon unter der Regie von Walter Bachmann am Samstag erstmals aufführte, dreht sich alles um vermeintlich Verrückte. Kaputte Nerven seien das Einzige, was heute noch Zukunft habe, meint der wohlhabende Junggeselle Philipp Klapproth (Paul Streuli). Deshalb plant er, seine geerbte Villa in ein Nervensanatorium umzubauen. Damit er weiss, mit welcher Art Leute er es künftig zu tun hat, soll ihm sein Neffe Alfred (Marco Landolt) eine solche Anstalt von innen zeigen. Als Alfred seinen Freund, den Kunstmaler Richard Wagner (Gege Kunz), um Rat fragt, empfiehlt dieser, den Onkel in die Stadt zur Pension Schöller zu führen, da deren Gäste meist ziemlich exzentrisch seien. Dass Alfreds Onkel den Schwindel aufdecken könnte, befürchtet Wagner nicht. Schliesslich meint er: «Es isch im normale Läbe scho schwierig gnueg, z’unterscheide, wer verruckt isch und wer nöd.» Als Alfred mit seinem Onkel die Pension besucht, glaubt Klapproth, sich tatsächlich in einer Irrenanstalt zu befinden. Schliesslich legen die vier Pensionäre auch ein ziemlich schräges Verhalten an den Tag: Während Prof. Federico Bernardy (Oscar Gasparini) von seinen Abenteuern als Löwenjäger in Afrika schwärmt, verzichtet Oberst Holger Muntz (Carl Camin) auch ausserhalb seiner Dienstzeiten nicht auf seinen Kasernenton. Zur «Pension Schöller» gehört auch Eugen Schöller (Hubert Basler), der Bruder des Pensionsinhabers Fridolin Schöller (Erich Bachmann). Seltsam an ihm ist, dass er den Buchstaben L stets durch ein N ersetzt. Trotz Sprachfehler träumt er von einer Karriere als Schauspieler. So sorgt Eugen Schöller im Publikum für grosses Gelächter, wenn er inbrünstig etwa «Hamnet» (Hamlet) oder «Otenno» (Otello) rezitiert. In der Pension werden Klapproth, Bernardy und Muntz zudem von der «verrückten» Schriftstellerin Josephine Caroline Meienberg «umzingelt». Für Meienberg, die Inspiration für einen verrückten Roman sucht, sind die drei Pensionäre gefundenes Fressen. Auch Klapproth weckt Meienbergs Neugier, indem er ihr zu seiner Belustigung eine verrückte Vergangenheit vorgaukelt. Klapproth, der sich über die schrulligen Gäste prächtig amüsiert, hat aber nicht nur zu lachen. Schliesslich tauchen die vermeintlichen Irren eines Tages bei ihm zu Hause auf. Damit das Ganze nicht ausartet, schliesst Klapproth die ungebetenen Gäste in Zimmer ein. Noch glaubt Klapproth, den seltsamen Besuch schnell wieder los zu sein: Er habe Fridolin Schöller ein Telegramm geschrieben. Gleich komme er mit Wärtern und Zwangsjacke, um die Patienten zurückzuholen, beruhigt Klapproth seine überraschte Schwester Anna Spross (Margrit Zollinger). Spätestens nachdem Fridolin Schöller aber kundtut, dass er weder von Wärtern noch von Zwangsjacken etwas wisse, ist das Chaos perfekt: Wer spinnt hier eigentlich? Obwohl ausschliesslich Laiendarsteller spielen, verkörpern sie ihre Rollen äusserst glaubwürdig. Die Szenen wirken nie bemüht lustig. Die weiteren Vorstellungen und Infos zum Vorverkauf: www.dvuetikon.ch. Philipp Klapproth (Paul Streuli) gaukelt Josephine Meienberg (Susanne Böckli) eine verrückte Vergangenheit vor.Foto: R. Schneider

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