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Undichter Kamin wurde Jagdhaus zum VerhängnisPilzbefall im Samichlaus-Haus

Ein holzzerstörender Parasit hat sich im Forsthaus Buechhalde in Glattfelden eingenistet. Nach dem Brand des Jagdhauses Laubberg ist es der zweite «Totalausfall» eines gemeindeeigenen Gebäudes.Die Waldhütte auf dem Laubberg in Glattfelden soll wieder aufgebaut werden. Zahlen muss die Gemeinde.

Brandursache Glattfelden – Im Herbst 2011 soll das Jagdhaus Laubberg den Betrieb wieder aufnehmen können. Der Glattfelder Gemeinderat will das Gebäude, das an bester Aussichtslage oberhalb des Dorfes liegt, der Bevölkerung zurückgeben. Das Jagdhaus werde auf jeden Fall wieder aufgebaut, versichert Gemeindepräsident Pier-Luigi Quattropani. Da sich das Grundstück ausserhalb der Bauzone und in unmittelbarer Nähe einer Naturschutzzone befinde, seien vorgängig jedoch «zusätzliche Abklärungen mit verschiedenen kantonalen Fachstellen» notwendig. Diese Abklärungen sollten bald abgeschlossen sein. Im Anschluss daran erfolge das ordentliche Baubewilligungsverfahren. Ende April waren Teile des Jagdhauses nach einem Geburtstagsfest niedergebrannt. Die Erkenntnisse der Brandermittler sind eindeutig. Laut Rapport der Kantonspolizei handelt es sich wie vermutet um einen Defekt im gemauerten Cheminéeekamin. «Als Brandursache konnten altersbedingte undichte Stellen im Eternitrauchgasrohr und im gemauerten Kamin ermittelt werden», heisst es. Beim Befeuern des Cheminées sei die Hitze im Rohr durch offene Stellen im Eternit und wegen altersbedingter Undichtheiten im Kamin auf einen Holzbalken übertragen worden. Dieser Balken wurde über längere Zeit immer heisser, bis er sich schliesslich entzündete. Bis zu 200 000 Franken Seit 2002 ist die Gemeinde Glattfelden Eigentümerin des Jagdhauses Laubberg. Die Kosten für den Wiederaufbau variieren laut Gemeindepräsident je nach Umfang der Arbeiten zwischen 350 000 und 400 000 Franken. Die Gebäudeversicherung Kanton Zürich bezahlt pauschal 230 000 Franken an den Schaden. Den Rest muss die Gemeinde übernehmen. Der Gemeinderat könne das Wiederaufbauprojekt in eigener Kompetenz genehmigen, sagt der Gemeindepräsident. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass die Baukosten die Summe von total 430 000 Franken nicht überschreiten. Oder anders ausgedrückt müsste der geplante Wiederaufbau nur dann der Gemeindeversammlung unterbreitet werden, wenn die Kosten für die Gemeinde mehr als 200 000 Franken (Finanzkompetenz Gemeinderat) betragen. Von Daniel Schurter Glattfelden – Unzählige Kinder marschieren jedes Jahr im Schein von Fackeln und Taschenlampen zur einsamen Waldhütte, die abseits des bewohnten Gemeindegebiets liegt. Die Glattfelder Chlaus-Feier ist eine lieb gewonnene Tradition. Doch dieses Jahr müssen die Türen des Forsthauses Buechhalde geschlossen bleiben. Der Samichlaus hat Hausverbot. Er darf das Gebäude, in dem er traditionellerweise die Kinder empfängt, nicht betreten. Schuld an der Misere ist aber nicht der bärtige Weihnachtsmann selber. Schuld ist ein unscheinbarer Pilz. Denn das Häuschen, das überwiegend aus Holz besteht, ist von einem gefährlichen Parasiten befallen. Betreten verboten! Der Echte Hausschwamm gilt unter Baubiologen als einer der zerstörerischsten Schädlinge, die Holzbauten befallen können. Für Menschen ist er zwar nicht gefährlich, darin sind sich die Fachleute einig. Doch für das in Gebäuden verbaute «Totholz» stellt er eine grosse Gefahr dar. Der Oberflächenpilz mit seinen rostbraunen Fruchtkörpern kann sich unter günstigen Bedingungen – feucht und nicht zu kühl – rasch entwickeln und in kürzester Zeit erheblichen Schaden anrichten. Das Holz von Nadel- wie auch Laubbäumen kann vollständig zerstört werden. Da zudem die Verschleppungsgefahr durch Menschen und Tiere sehr gross ist, darf das Forsthaus bis auf Weiteres nicht betreten werden. Vor rund drei Wochen wurde in Glattfelden das Problem gemeldet. Hüttenwartin und Jäger haben den Gemeinderat informiert. Inzwischen sei ein Experte mit der Behebung des Problems beauftragt worden, sagt Gemeindepräsident Pier-Luigi Quattropani. Der Pilz werde fachmännisch entfernt. Zudem müsse das Holz behandelt werden. Spezieller Charme Das Anfang 1970er-Jahre erbaute Forsthaus gehört der Politischen Gemeinde Glattfelden. Sie muss auch für die Sanierung aufkommen. Laut Quattropani sollen das Entfernen des Hausschwammes und das chemische Behandeln des Holzes weniger als 10 000 Franken kosten. Genutzt wurde das Forsthaus bislang hauptsächlich von der Jagdgesellschaft Glattfelden-Süd Chatzenstig und von Privaten. Das Gebäude verfügt weder über einen Strom- noch einen Wasseranschluss. Die mit Gas betriebenen Lampen sorgen für spezielles Licht im Gebäude. Das hat auch die Chlausgesellschaft Glattfelden zu schätzen gewusst, die nun kurzfristig umziehen muss. Glücklicherweise habe der Verein eine Alternative gefunden, sagt Jürg Keller. Der Schreinermeister engagiert sich seit 32 Jahren als Samichlaus im Dorf. Keller kommt aber auch als Holzfachmann zum Einsatz: Nächste Woche wird er mit einem Schädlingsbekämpfer den Pilzbefall im Forsthaus begutachten. «Die befallenen Gebäudeteile müssen entfernt und als Sondermüll verbrannt werden.» Das Problem beim Echten Hausschwamm: Nicht entdeckte Pilzreste könnten viele Jahrzehnte auch in trockenem Zustand überdauern. Zudem würde der Pilz auch Mauerwerk, Putz und gar Beton durchwachsen. Selbst wenn der Pilz bis auf die letzten Sporen entfernt wird und keine Gefahr besteht für die Gesundheit der Besucher: Jürg Keller befürchtet, dass der Ruf des Forsthauses massiven Schaden nimmt. «Es wäre sehr schade, wenn die gemütliche Hütte nicht mehr genutzt wird.» Immerhin haben es die Glattfelder Samichläuse selbst in der Hand, etwas dagegen zu tun. So werden sie die Kinder wohl auch in Zukunft wieder im Schein von Gaslicht empfangen. Hingegen kann die diesjährige Glattfelder Samichlaus-Feier nun am Samstag, 4. Dezember (16 Uhr) in der «Hündelerhütte», einem Vereinshaus beim Brunnenhof, stattfinden. Jürg Keller spricht diesbezüglich von einem Glücksfall. Denn tatsächlich steht zurzeit auch das andere Forsthaus der Gemeinde Glattfelden nicht zur Verfügung. Und das für längere Zeit. Das Jagdhaus Laubberg wurde bei einem Brand im April schwer beschädigt. Die Brandermittler der Polizei haben herausgefunden, dass Teile des Kamins nicht mehr richtig funktioniert hatten (siehe unten). Das Jagdhaus Laubberg soll im Herbst 2011 wieder geöffnet werden. Das Forsthaus Buechhalde darf vorläufig nicht betreten werden.Fotos: Daniel Schurter

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