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Unerfüllte Sehnsucht nach Riz Casimir

A point Mövenpick-Restaurant Palavrion, Zürich Der Tod des Mövenpick-Gründers Ueli Prager hat Erinnerungen wachgerufen: an mein allererstes Riz Casimir. Exotik pur. Curry und warme Früchte. Eine Eigenkreation Pragers, wie ich später erfuhr. Und dieser seltsame Chip, der wie eine Hostie am Gaumen klebte &endash Krabbenbrot. Die Mutter bestellte jeweils Riesencrevetten, und mir grauste es dann vor ihrem Gutenachtkuss. Diese Würmer fand ich optisch widerlich. Der Bruder war hin und weg vom Beefsteak Tatar, die Schwester maulte, weil es keine Wienerli mit Kartoffelsalat gab, und der Vater konnte sich nicht von der Weinkarte trennen: gute, offene Weine zu fairen Preisen. Auch fand er, als bodenständiger Liberaler, das Motto «Hummer fürs Volk» politisch korrekt. Einst gab es selbst in Schlieren ein Mövenpick. Heute sind es in ganz Zürich nur noch drei. Wir entscheiden uns für das Palavrion. Das Lokal hinter dem Paradeplatz ist an diesem Donnerstagabend gestossen voll, die Tische so klein, dass ich versehentlich die Speisekarte auf die Kerze lege. Und die Nachbarn sitzen so nahe, dass sie sich nur leicht zu uns hinüberbeugen müssen, um mich auf den brenzligen Geruch der schmelzenden Karte aufmerksam zu machen. Palavrion heisst das Lokal nicht von ungefähr. Die muntere Gästeschar palavert rundum so unbeschwert laut, dass der nette Kellner mehrfach nachfragen muss, was wir zu essen wünschen. Und die Hektik ist so gross, dass seine Kollegin den Rotwein in mein Apéro-Weissweinglas giesst. An beiden Weinen aber hätte mein Vater seine helle Freude gehabt: Der Pinot gris aus der Staatskellerei Zürich (Compleo, 2010, Fr. 6.90/dl) erfreut durch erfrischenden Ananasgeschmack, der Mövenpick-Rotwein des Jahres Etoile du Sud aus dem Roussillon (2009, Fr. 6.90/dl) ist samtig und vielschichtig.Auf der Speisekarte stehen Bratwurst, Wiener Schnitzel, Zürcher Geschnetzeltes, Grüt-Farm-Pouletflügeli (auch dieses Mövenpick-Lokal gibt es nicht mehr), Wildschwein-Entrecote und Riesencrevetten. Das Tatar sei vorzüglich, melden die netten Nachbarn lächelnd. Es ist aus Biorindfleisch und wie zu Kindheitszeiten mild, medium oder feurig gewürzt zu haben (normale Portion, Fr. 30.50). Es fehlt aber das Riz Casimir! Stattdessen wird das allgegenwärtige Thai-Curry aufgeführt (Fr. 29.50). Die Pouletwürfel sind zwar zart, die Sauce wie angekündigt rassig und sehr sämig. Auch eine Art Krabbenbrot wird dazu gereicht. Aber an das Riz Casimir meiner Kindheit kommt es nicht heran. Mein nicht so nostalgisch veranlagter Begleiter lobt seinen Lammrücken vom Grill mit Saisongemüse sehr (200 gr., Fr. 35.50), die Rösti ist aber zu wenig knusprig. Beim Dessert stellt sich die nächste Erinnerung ein: an die erste Vanille-glace mit schwarzen Pünktchen. Das sei kein Schmutz, hat uns die Mutter damals aufgeklärt, sondern ein Zeichen für echte Vanille. Und dann denke ich wehmütig an jene Zeiten zurück, an denen ich problemlos einen ganzen Mövenpick-Coup verputzen konnte, ohne figürlich Schaden zu nehmen. Tempi passati. Helene Arnet Mövenpick, Palavrion, Beethovenstr. 32, 8002 Zürich, 044 286 54 54; Mo bis Sa von 8 bis 23 Uhr, So von 9 bis 23 Uhr. www.moevenpick.com

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