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Unterländer Gemeinden arbeiten noch nicht mit Apps

Selbst grössere Ortschaften bieten keine Handy- Anwendungen für ihre Einwohner an. Doch einige ansässige Firmen arbeiten damit.

Von Florian Schaer Wo ist denn nun schon wieder die Lüthi-Buchhandlung? Wer nicht regelmässig im Glattzentrum unterwegs ist, der kann sich da schon mal verirren. War der Glatt-Gänger früher auf die Ortskundigkeit eines Miteinkäufers angewiesen, kann er heute getrost sein «smartes» Telefon fragen. Denn das Glattzentrum verfügt inzwischen über eine eigene App, die neben anderen Funktionen auch den Weg weist – zum Beispiel vom Geschäft, vor dem der Nutzer steht, zum Geschäft, in dem er als Nächstes einkaufen will. Ein Blick in den App-Store, in den virtuellen Laden für alle möglichen und unmöglichen Apps, zeigt: Im Unterland scheint die Welle noch nicht ganz angekommen. Noch sind hier Unternehmen, die ihren Kunden kostenlose Programme anbieten, die Ausnahme. Die Kloten Flyers bieten ihren Fans an, dass diese mit der App auf ihren Smartphones via Liveticker jeden Match ihrer Hockeymannschaft verfolgen können. Matchzusammenfassungen zählen ebenso zu den Features wie eine Spielplanübersicht und die stets aktualisierte Rankingtabelle. Die App des Flughafens Zürich zeigt alle Ankünfte und Abflüge vom Flughafen Kloten an. Ein Verzeichnis aller Shopping-Angebote ist ebenso enthalten wie die wichtigsten Telefonnummern, ein Verzeichnis der Airlines samt zugeordneter Check-in-Schalter und diverse gesetzliche Bestimmungen für Gepäck. Die BMW Dielsdorf und die Betonpumpen AG aus Dällikon gehören in der Region ebenfalls zu den Vorreitern. Kann man mit der Ersteren immerhin noch per Smartphone versuchen, dem Firmenhauptsitz seinen alten Wagen zu verscherbeln, bieten die Dälliker nicht mehr als die Info, welche Betonpumpe verfügbar ist – und welche wo gerade Beton pumpt. Bülach plant App 2012 Währenddessen bietet der TCS eine App, die den Nutzer über freie Parkplätze in den grossen Städten informiert, die App «Slope Track» der Suva berechnet die Geschwindigkeit einer Skifahrt – und liefert das Unfallrisiko für das entsprechende Gebiet gleich mit. Doch nicht nur Firmen entdecken die neue Form der Smartphone-Nutzung. Jüngst sind auch erste politische Gemeinden auf den Zug aufgesprungen. So gibt es bereits Apps für Volketswil, Fehraltdorf und Meilen. Darüber lassen sich etwa der aktuelle Abfallkalender, die Öffnungszeiten der Verwaltung oder der Veranstaltungskalender des Ortes abrufen. Im Unterland hat davon noch keine Gemeinde Gebrauch gemacht. «Wir sind derzeit daran, uns zu überlegen, ob wir für die Stadt eine eigene App realisieren wollen», sagt Bülachs Stadtschreiber Christian Mühlethaler. Wenn ja, dann solle die Anwendung noch dieses Jahr im Rahmen des stadteigenen Socialmedia-Konzepts veröffentlicht werden können. «Bloss nicht dreinschiessen» Andere Gemeinden stehen der Angelegenheit skeptischer gegenüber. «Die Sache ist bei uns wohl besprochen worden, man hat aber schliesslich befunden, bis Ende 2012 nichts in die Richtung zu unternehmen», sagt Marina Stadelmann von der Verwaltung in Opfikon. Auch Wallisellen plant im laufenden Jahr nicht, eine eigene App in Auftrag zu geben. Winkel gilt als Dorf, das sich neuen Technologien nicht verschliesst. Immerhin hat die Gemeinde bereits seit Jahren einen SMS-Service, der die Einwohner auf Wunsch per Handy an die nächste Altpapiersammlung erinnert. Aber eine iPhone-App ist auch hier nicht in Planung. «Wir haben noch keinen Hinweis darauf, dass dafür ein Bedarf bestünde», sagt Gemeindeschreiber Gerhard Kalt. Winkel zähle eben nicht zu den Gemeinden, die bei solchen Dingen «dreinschiessen» würde. «Aber es kann sein, dass wir noch dazu kommen werden.» 6500 bis 9500 Franken Für Nutzer kostenlos «Gemeinden sind generell eher zurückhaltend», sagt Patric Preite, Geschäftsleiter von Interactive Friends. Die Unternehmung mit einer Vertretung in Glattbrugg bietet ebenfalls Gemeinde-Apps an. Derzeit seien in der Deutschschweiz rund 200 Offerten hängig, es interessierten sich auch Boppelsen, Steinmaur und Dietlikon für das Programm. «Wir haben Angebote zwischen 6500 und 9500 Franken, abhängig von der Einwohnerzahl.» Hinzu kommen Kosten von 200 Franken pro Monat. Ein anderer Anbieter ist Franzen Software Development in Zürich. Er erhebt lediglich 200 Franken monatliche Gebühr für die technische Betreuung der Software, die Anwendung ist etwas anders aufgebaut. So oder so, für den Nutzer sind Gemeinde-Apps stets kostenlos zu haben. Der Begriff leitet sich vom englischen Wort Application für Programm ab. Professionelle und laienhafte Entwickler solcher Apps schiessen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Allein für die weltweit 146 Millionen verkauften iPhones stehen derzeit eine halbe Million Apps zur Auswahl. Täglich kommen neue hinzu. Dabei sind die Anwendungen für das konkurrierende Smartphone-Betriebssystem Android nicht miteingerechnet. Jeder, der ein neueres «Apfel»-Gerät sein eigen nennt – sei es nun ein iPhone, ein iPad oder einen iPod Touch – kann es also beliebig mit kostenlosen oder kommerziellen Programmen füttern. Damit wird der Funktionsumfang des Geräts um mehr oder weniger sinnvollen Schnickschnack erweitert. Das Telefon wird zur Spielkonsole, zum Navigationsgerät, zum Terminkalender, nach Belieben auch zur Bibliothek, zum Fernseher oder zur Mini-Zeitung – oder eben zum Shopping-Wegweiser. (TA)

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