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Vandalen müssen im Altersheim anpacken

Die Jugendlichen, die im Schulhaus Obstgarten in Stäfa randaliert haben, sind zu Sozialeinsätzen verknurrt worden. Zudem drohen finanzielle Forderungen.

Von Lucien Scherrer Stäfa &endash Die Empörung war gross, als sich Stäfner Schulabgänger vor den Sommerferien einen Abschiedsscherz der gröberen Sorte leisteten: Mindestens 30 Jugendliche drangen in der Nacht vom 12. auf den 13. Juli in das frisch sanierte Schulhaus Obstgarten ein. Dabei liessen einige ihrer Zerstörungswut freien Lauf und fluteten das ganze unterste Stockwerk mit Wasser. Der Ruf nach Vergeltung liess nicht auf sich warten, als die Kantonspolizei die mutmasslichen Rädelsführer und Mitläufer wegen Sachbeschädigung an die Jugendanwaltschaft See/Oberland übergab. Diese hat kürzlich die Urteile gefällt und die schlimmsten Schulhausvandalen dazu verknurrt, in Altersheimen während eines oder mehrerer Tage Sozialeinsätze zu leisten. Nach Auskunft von Jugendanwalt Peter Ragaz müssen die Verurteilten unter anderem in der Küche anpacken. Falls ihr Einsatz zu wünschen übrig lässt, werden sie erneut aufgeboten. Im Falle einer kompletten Verweigerung droht ihnen letztlich ein Gefängnisaufenthalt. Von dieser Sanktion betroffen sind zehn ehemalige Schüler, darunter die drei Jugendlichen, die für die Überflutungsaktion verantwortlich sind. Diese müssen bis zu acht Tage Fronarbeit leisten. Zwei Schüler erhielten lediglich einen Verweis &endash «im Sinne einer ernsthaften Ermahnung», wie es Peter Ragaz ausdrückt. Jenen 15 Schülern, die in das Schulhaus eingedrungen waren, ohne zu randalieren, blieb ein Gerichtstermin gänzlich erspart, denn die Schule zog eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs zurück. Glimpfliche Strafen Doch auch die Rädelsführer sind eher glimpflich davongekommen. Denn einige von ihnen haben mit dem Sozialeinsatz eine Gesamtstrafe kassiert, mit der auch andere Delikte &endash etwa Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz &endash gesühnt werden. Zudem können unter 15-Jährige zu Sozialeinsätzen von bis zu zehn Tagen, über 15-Jährige im Extremfall von bis zu drei Monaten verurteilt werden. Jugendanwalt Ragaz zeigt sich aber überzeugt, dass die ausgesprochenen Strafen Wirkung zeigen. Schliesslich müssten die Verurteilten für den Arbeitseinsatz ihre Freizeit opfern. Die Verantwortlichen der Schule Stäfa haben die Urteile mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. «Die Täter mussten immerhin durch die Mangel der Justiz», sagt Schulpräsident Jürg Meili (FDP). Das habe ihnen Eindruck gemacht. Noch mehr Eindruck könnten bei den Ex-Schülern jetzt finanzielle Forderungen hinterlassen. Denn mit ihrem «Streich» richteten sie einen Schaden von rund 16 000 Franken an, den die Versicherung der Schule bis auf einen Selbstbehalt von 2000 Franken übernommen hat. Laut Schulsekretär Rolf Bommeli wird die Versicherung auf die Jugendlichen aber Regress nehmen. Und auch die Schule will ihre 2000 Franken zurückholen.Die Frage, wie Vandalenakte künftig verhindert werden sollen, bleibt allerdings offen. Die Schule hat sich bereits mit dem Gedanken getragen, Videokameras zu installieren. Doch die Bedenken sind gross: «Kameras sind sehr teuer», sagt Schulpräsident Jürg Meili, «und es wird nicht möglich sein, jeden Winkel zu überwachen.» Zudem bringe die Überwachung nichts, wenn die Täter ihre Gesichter verhüllten. Für Abschreckung sollen deshalb weiterhin die Angestellten einer privaten Sicherheitsfirma sorgen, die auf dem Schulareal unregelmässig patrouillieren. «Die Patrouillen haben eine abschreckende Wirkung», sagt Jürg Meili, «aber es ist klar, dass sie nicht immer da sind, wenn etwas passiert.» So geschehen in jener Nacht vom 12. auf den 13. Juli.

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