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Viele Gefahren für Manager-Ehen

Scheidungen kommen Männer im mittleren und oberen Kader teuer zu stehen. Und trotzdem scheiden sie sich häufiger als der Durchschnitt: Denn Erfolg und Geld macht sie attraktiv, da sie Frauen materielle Sicherheit bieten.

Swisscom-Chef Carsten Schloter ist bekannt für sein forsches Auftreten. Seit Juni ist öffentlich, dass er von seiner Familie getrennt lebt und nun in Bern wohnt. In führenden Wirtschaftspositionen gibt es neben Carsten Schloter auch andere aktuelle Beispiele von Trennungen: So trennte sich Economiesuisse-Präsident Gerold Bührer nach 35 Ehejahren von seiner Frau und ging eine Beziehung mit der ehemaligen Berner Regierungsrätin Elisabeth Zölch ein. Der ehemalige UBS-Präsident Marcel Ospel ist in dritter Ehe verheiratet. UBS-Chef Oswald Grübel ist geschieden und hat jetzt eine neue Partnerin. Auch die Ehe von CS-Chef Brady Dougan ist in die Brüche gegangen. CS-Vizepräsident Urs Rohner lebt mit seiner neuen Partnerin, dem ehemaligen Model Nadja Schildknecht, und dem gemeinsamen Kind zusammen. Zu wenig Zeit Warum geht die Ehe oft in die Brüche, wenn der Mann ganz oben auf der Karriereleiter angekommen ist? Der Zeitfaktor ist für den Berner Paartherapeuten Klaus Heer entscheidend: «Man kann nicht alles machen in 24 Stunden. Wer einen anspruchsvollen Beruf hat und dort einen Grossteil der Zeit investiert, vernachlässigt unweigerlich das Privatleben.» Eine Beziehung halte das auf Dauer nicht aus, sie brauche ein Minimum an Zuwendung. Die Berner Scheidungsanwältin Marianne Hammer-Feldges pflichtet Heer bei: Sie weiss aus ihrer langjährigen Erfahrung, dass beruflich gestresste Leute sich oft wenig Zeit für die private Beziehung nehmen: «Dann verkümmert die Ehe.» Die Krise wirkt derzeit verschärfend: «Turbulente Zeiten lassen die Scheidungsrate ansteigen», berichtet Heer. Die Arbeitswelt habe im Moment einen besonders starken Einfluss auf private Beziehungen. Die globale Wirtschaftskrise ist für Heer ein globales Angstthema: «Angst lässt sich nur schwer abschalten. Sie dringt in die hintersten Ritzen der Psyche ein und versetzt sie in Unruhe. Diesem Stress sind die meisten Beziehungen nicht gewachsen.» Auffällig ist auch, dass im Kanton Zürich, dem wichtigsten Schweizer Finanzplatz, die Scheidungsrate letztes Jahr angestiegen ist. Statistisch lässt sich zwar nicht abschliessend nachweisen, dass Scheidungsraten in Krisen ansteigen. Doch Heer ist überzeugt, dass das Wirtschaftsdebakel sich verzögert in den Scheidungsraten niederschlagen wird. Manager sind umgarnt Björn Johansson, Vermittler von Kaderleuten in der Schweiz, sieht einen weiteren Grund, der die Ehen von Managern in Gefahr bringt: Er hat beobachtet, dass Manager dank ihrer guten Position beim anderen Geschlecht extrem beliebt sind: «Männer mit Macht sind begehrt.» Übrigens: Johansson ist ebenfalls geschieden. Er lebe aber seit acht Jahren in einer stabilen Beziehung, betont er. Noch weiter geht der Berner Paartherapeut Klaus Heer: «Macht macht sexy. Das weltweit gewichtigste Partnerwahlkriterium der Frauen ist Sicherheit, vor allem materielle Sicherheit.» Das mache zwar evolutionsmässig Sinn, sei aber nicht auf der Höhe der Zeit. Genug Geld für Scheidung Auch für den deutschen Psychologen Stefan Woinoff ist klar, dass Geld ausschlaggebend ist: «Männer in hohen Positionen sind für Frauen attraktiv, insbesondere wenn diese mit viel Geld verbunden ist. Die Auswahl wird für den Mann grösser und die Versuchung, sich eine jüngere Frau zu nehmen, auch.» Allerdings müsse der Mann so reich sein, dass er trotz Zahlungen an die erste Frau und die Kinder noch genügend Geld übrig habe, auch der zweiten, dann eventuell der dritten ein angenehmes Leben zu garantieren. «Bei Gutverdienenden steht in Bezug auf die Unterhaltskosten viel auf dem Spiel. Der Unterhalt der ehemaligen Familie macht bei Topverdienern rasch einmal 20000 Franken monatlich aus», sagt Anwältin Hammer-Feldges. Sofern die Topverdiener keinen Ehevertrag abgeschlossen haben, verursache die Scheidung zudem oft einen Vermögensverlust. Hat man bei der Eheschliessung nämlich nichts vereinbart, so gilt nach Gesetz die Errungenschaftsbeteiligung. Das heisst, jeder bekommt die Hälfte dessen, was in der Ehe verdient wurde. Das sagt die Statistik In der Schweiz ist die Scheidungsrate 2008 leicht gesunken. So lag die Scheidungsrate letztes Jahr bei 48,4 Prozent. Die Zahlen des Bundesamts für Statistik schlüsselt die Resultate nicht nach Berufsgruppen auf. Die letzte Bevölkerungszählung ergab jedoch, dass der Anteil geschiedener Männer in den Kategorien Direktor/Unternehmer und mittleres Kader deutlich über dem Durchschnitt lag. Rahel Guggisberg>

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